Dieses oft übersehene Western-Meisterwerk zählt Martin Scorsese zu seinen Lieblingsfilmen – besonders eine Szene hat die Regie-Legende stark beeinflusst!
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Alterntende Cowboylegenden in modernen Zeiten – darum geht es in „Sacramento“. Für Regie-Legende Martin Scorsese erzählt der Film aber noch weit mehr. Was er an dem Klassiker schätzt und er wieso sein Werk nachhaltig geprägt hat, erfahrt ihr hier.

„Wandel“ und „Endlichkeit“ sind zentrale Inhalte in vielen Filmen von Meisterregisseur Martin Scorsese. Schon sein frühes Meisterstück „Taxi Driver“ (1976) beschreibt einen Protagonisten, der in einer sich verändernden Welt zunehmender Gewalt nach Halt und Sinn sucht. In seinem epischen Spätwerk „The Irishman“ sinniert er über komplexe Themen wie das Alter und die Vergänglichkeit des eigenen Daseins – sowie über die lebensverändernden Umwälzungen, die damit einhergehen.

Da verwundert es kaum, dass Scorsese einen Klassiker zu seinen absoluten Lieblingsfilmen zählt, der sich ausführlich und hintergründig mit dem Aspekt der „Veränderung“ befasst. Es ist ein heute eher weniger geläufiger Vertreter seines Genres, der bei vielen (ungerechtfertigterweise) nur als „Geheimtipp“ gilt: Sam Peckinpahs melancholischer Spätwestern „Sacramento“ (auch bekannt als „Ride the High Country“) von 1962.

Sacramento
Sacramento
Starttermin 28. August 1962 | 1 Std. 34 Min.
Von Sam Peckinpah
Mit Randolph Scott, Joel McCrea, Mariette Hartley
User-Wertung
3,0

"Es bedeutete Veränderung"

„Sacramento“ ist der zweite Spielfilm des für seine unerbittlichen, teils zynischen Werke bekannten Peckinpah („The Wild Bunch“, „Wer Gewalt sät“), in dem es um zwei gealterte Westernhelden geht. Die beiden gesetzestreuen Männer, Ex-Marshal Steve Judd (Joel McCrea) und sein früherer Weggefährte Gil Westrum (Randolph Scott), übernehmen einen letzten Auftrag: die Überführung eines Goldtransports. Die Aussicht darauf, noch einmal groß abzukassieren geht mit dem allmählichen Ende einer traditionellen Welt, dem „alten Westen“, einher. Das Land, das Männern wie Judd und Westrum so lange Freiheit und Unabhängigkeit bot, verschwindet langsam und weicht modernen Zeiten.

In einem Gespräch mit der italienischen Zeitschrift La Civiltà Cattolica vor einigen Jahren betonte Scorsese den Einfluss von „Sacramento“ auf sein eigenes Schaffen – gerade vor dem Hintergrund der behandelten inhaltlichen Aspekte, die letztlich auch das große Thema der radikalen (Selbst-)Annahme einschließen.

Es geht um Akzeptanz, und zwar sowohl bezogen auf die eigene Person als auch auf andere Menschen, allgemeine Umbrüche und neue Lebenssituationen. Beispielhaft nennt der Filmemacher hierfür eine zentrale Szene, in der ein trinkfreudiger Richter eine junge Frau mit ihrem langjährig Verlobten verheiratet. Die Hochzeit findet unter unkonventionellen Umständen – und alles andere als romantisch – in einem Bordell statt.

Scorsese (via Indiewire): „In dieser Szene sagt der Richter zur Frau: ‚Du musst etwas über die Ehe verstehen – die Menschen und mit ihnen jede Beziehung verändern sich. Mit der Zeit haben sie andere Bedürfnisse und es werden ihnen andere Dinge wichtig. Du musst erkennen, dass sie ihren eigenen, neuen Weg gehen müssen und das akzeptieren.‘“ Der Regisseur ergänzte, dass er diese entscheidende Szene heute anders bewertet als in jüngeren Jahren. „Früher hielt ich das für Verrat. Aber dann wurde mir klar, dass es das nicht war. Es war schlicht Veränderung.“

Es überrascht beim Cineasten Scorsese, einem ausgewiesenen Kenner der internationalen Film- und Kinogeschichte, nicht, dass er weniger bekannte Arbeiten wie eben „Sacramento“ zu seinen Lieblingsfilmen zählt. Einen weiteren Geheimtipp von Scorsese höchstpersönlich bekommt ihr im nachfolgenden Artikel:

"Bis heute mein Lieblingsfilm": Martin Scorsese verehrt dieses aufwändige Historien-Epos – obwohl er es nicht einmal besonders gut findet!

*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren