"Bis heute mein Lieblingsfilm": Martin Scorsese verehrt dieses aufwändige Historien-Epos – obwohl er es nicht einmal besonders gut findet!
Jaroslav Sebov
Jaroslav Sebov
-Freier Autor
Erholt sich immer noch von der 8. Staffel "Game Of Thrones" und vertreibt sich die Zeit mit allerhand Fandoms wie "Star Wars", "The Witcher" und "Der Herr der Ringe". Findet, kein anderer Film verdient einen zweiten Teil mehr als "Master And Commander".

Von Horror über Dramen, Gangster-Filmen bis hin zum Historienepos: Martin Scorsese hat eine unerschöpfliche Liebe zum Kino und all seinen Genres. Doch ein in Vergessenheit geratener Sandalenfilm nimmt darin einen ganz besonderen Platz ein.

Warner Bros.

Wenn der legendäre Hollywood-Regisseur Martin Scorsese über Kino spricht, spürt man sofort, dass es für ihn keine bloße Leidenschaft ist – es ist eine Lebensform. So erzählte er vor wenigen Jahren dem Time Magazine, dass er Filme nicht einfach nur anschaut, sondern regelrecht studiert. Außerdem sprach er sich im selben Interview auch gegen die – bei Filmfans eigentlich sehr beliebten – Top-10-Listen von Filmen aus. Diese finde er zu limitierend.

Die Unmöglichkeit einer Bestenliste – Scorseses unendliche Filmliebe

„Ich versuche, im Laufe der Jahre Listen mit Filmen zu erstellen, die ich persönlich für meine Lieblingsfilme halte, was auch immer das bedeutet“, sagte Scorsese gegenüber Time. „Dann stellt man fest, dass das Wort ‚Lieblingsfilm‘ verschiedene Ebenen hat. Filme, die einen am meisten beeindruckt haben, im Gegensatz zu denen, die man einfach immer wieder sehen möchte, im Gegensatz zu denen, die man immer wieder sieht und aus denen man etwas lernt. Sie sind vielfältig.“

Scorseses Liste an Lieblingsfilmen ist also so facettenreich wie seine Filmografie. Aus zahlreichen Interviews, Verweisen innerhalb seiner eigenen Filme und Artikeln hat das Magazin IndieWire aber trotzdem eine umfangreiche Liste zusammengetragen. Neben Klassikern wie „Apocalypse Now“ und modernen Favoriten wie „TÁR“ ist aber auch manchmal ein überraschender Eintrag wie Robert Eggers'Nosferatu“ dabei. Vor allem aber ein vergessener Sandalenfilm, der das römische Reich und die Antike für die damalige Zeit eindrucksvoll und epochal auf die Leinwand bannt, sticht aber aus Scorseses sonstiger Auswahl deutlich hervor.

Dieses Monumental-Epos liebt Martin Scorsese seit seiner Jugend

Die Rede ist vonLand der Pharaonen“, den Regisseur Howard Hawks im Jahr 1955 in die Kinos brachte – und von dem wahrscheinlich selbst einige versierte Enthusiasten des „Goldenen Hollywood“ noch nie gehört haben.

Das opulente Epos über Macht, Tod und Vergänglichkeit spielte aber in Scorseses Jugend eine prägende Rolle, denn der junge Filmemacher hatte eine ausgeprägte Faszination für die europäische Antike. „[...] Der Film, der mich wirklich angesprochen hat und den ich mir immer wieder angesehen habe, der bis heute mein Lieblingsfilm ist, obwohl ich weiß, dass es kein großartiger Film ist, vielleicht nicht einmal ein sehr guter Film, ist ‚Land der Pharaonen‘“, sagte Scorsese 1993 in der TV-Dokumentation „Martin Scorsese's Favorite Films“ (laut IndieWire).

Land der Pharaonen
Land der Pharaonen
Starttermin 23. September 1955 | 1 Std. 46 Min.
Von Howard Hawks
Mit Jack Hawkins, Joan Collins, James Robertson Justice
User-Wertung
2,9

Das Monumentalwerk erzählt die Geschichte eines Pharaos, der sein Leben dem Bau einer unbezwingbaren Grabkammer widmet – und damit dem Versuch, den Tod zu überlisten. Hawks selbst soll laut Scorsese anfangs an dem Projekt gezweifelt und nicht gewusst haben, wie man überhaupt so etwas Bildgewaltiges inszeniert, da er sich nicht mal vorstellen konnte, „wie ein Pharao überhaupt spricht". Genau diese Mischung aus Größenwahn und Vergänglichkeit faszinierte das zukünftige Genie. Er sah darin, wie er später erklärte, „einen Film über den Tod – und einen Film über die Vorbereitung auf den Tod“.

Vielleicht war es diese früh geweckte Ehrfurcht vor dem Ende, die sich später durch sein Lebenswerk und viele seiner Filme zog – von „Taxi Driver“ bis „Silence“, von der Gewalt in „GoodFellas“ bis zur spirituellen Sehnsucht in „Kundun“. „Land der Pharaonen“ mag allgemein in der Filmwelt nicht als großes, bekanntes Meisterwerk gelten, doch für Scorsese verkörpert es, was Kino für ihn bedeutet: ein Versuch, Ewigkeit in Bildern zu bannen.

Welchen Film Scorsese außerdem noch als sehenswert und ein besonderes Erlebnis bezeichnete, lest ihr hier:

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