Es ist mittlerweile 31 Jahre her, dass Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“ in die Kinos kam – und sich seitdem zum vielleicht definitiven Kultfilm entwickelte. Doch obwohl nicht wenige Fans die ikonischen Dialogzeilen des Gangsterthrillers längst mitsprechen können, gibt es eine Frage, die nicht wenige bis heute beschäftigt: Was befindet sich eigentlich in dem berühmten Aktenkoffer, nach dem Vincent Vega (John Travolta) und Jules Winnfield (Samuel L. Jackson) im Auftrag ihres Bosses Marsellus Wallace (Ving Rhames) suchen?
Als Vincent den Koffer erstmals öffnet, entweicht ein geheimnisvolles goldenes Leuchten aus dem Inneren des Behältnisses – doch mehr bekommen wir davon nicht zu sehen, und es gibt auch keine weitere Erklärung über den Inhalt.
Dasselbe gilt für das Ende des Films, als der von Tim Roth gespielte Räuber Pumpkin (Tim Roth) seinerseits einen Blick in das Gepäckstück wirft. Auch sein Gesicht wird von dem besagten Leuchten erhellt, wie zuvor schon Vincent scheint er völlig hingerissen zu sein und sagt nur rätselhaft: „Das ist wunderschön.“ Weitere Informationen bekommen wir nicht. Ein klassischer MacGuffin also, ein reiner Handlungstreiber ohne weitere Bedeutung? Oder steckt doch mehr dahinter?
Das sagt Quentin Tarantino selbst zu dem Koffer
In einem Interview auf dem YouTube-Kanal Outstanding Screenplays hat Quentin Tarantino enthüllt, was er sich dabei gedacht hat, ein Geheimnis um den Inhalt des kleinen Koffers zu spinnen – und dieses dann niemals aufzulösen (via AlloCiné):
„Mir gefällt die Idee, dass man in ‚Pulp Fiction‘ eine Aktentasche öffnet und ich euch nicht sage, was sich darin befindet. Es liegt an euch, herauszufinden, was drin ist. Und so wird es euer Film. Ihr trefft diese Entscheidung selbst, irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt. Wenn ich euch die Antwort geben würde, würdet ihr sie abhaken – und ich will nicht, dass ihr sie abhakt. Es ist euer Film.“
Marsellus' Seele, ein Elvis-Anzug oder vielleicht doch ein Oscar?
Tarantino wollte also, dass sich der Film im Kopf des Publikums weiterentwickelt – und hatte Erfolg damit. Denn mittlerweile existiert eine Vielzahl von Theorien über den möglichen Inhalt des Koffers. Die bekannteste betrifft Marsellus Wallace. Als man ihn zum ersten Mal sieht, wird er von hinten gefilmt, dem von Bruce Willis gespielten Boxer Butch gegenüberstehend, und ein Pflaster ist auf seinem Nacken zu erkennen.
Einer sehr verbreiteten Theorie zufolge enthält der Koffer die Seele des Gangsterbosses, nachdem der Teufel diese aus seinem Nacken gesaugt hat – daher das Pflaster. Das würde auch den Code zum Öffnen erklären: 666. Diese drei Zahlen symbolisieren bekanntlich das Böse bzw. Satan selbst.
Andere (und ungleich weltlichere) Theorien besagen, dass sich in Marsellus' Koffer ein Oscar für seine von Schauspielruhm träumende Ehefrau Mia (Uma Thurman) befinden könnte, glänzende Goldbarren oder ein goldener Elvis-Presley-Anzug – genauer gesagt jener, den Val Kilmers Figur in dem von Tarantino geschriebenen „True Romance“ trug. Wie auch immer: Die Spekulationen werden auch weiter kein Ende finden – schließlich hat Tarantino nicht vor, so schnell seine ganz eigene Wahrheit über den Koffer zu enthüllen.
Natürlich ranken sich um „Pulp Fiction“ noch zahlreiche weitere Mythen und faszinierende Geschichten. Wenn ihr noch nicht genug habt, legen wir euch auch den folgenden Artikel ans Herz:
Stoppt "Pulp Fiction" bei 3 Minuten und 45 Sekunden: Dieses geniale Detail beweist, dass Quentin Tarantino an alles gedacht hatEin ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer französischen Schwesternseite AlloCiné erschienen.