"Das Schlimmste, was je geschrieben wurde": Quentin Tarantino stieß mit seinem Drehbuch zu "Pulp Fiction" auf heftige Ablehnung!
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Ein großes Studio lehnte Quentin Tarantinos "Pulp Fiction"-Drehbuch ab – und hätte damit fast die Entstehung eines Meisterwerks verhindert. Was ausgerechnet Danny DeVito damit zu tun hat, erfahrt ihr bei uns.

Auch große Studios treffen falsche Entscheidungen – manchmal mit Folgen, die über Jahre nachhallen. Eine dieser verpassten Chancen ist untrennbar mit dem Namen Quentin Tarantino verbunden. Anfang der 1990er-Jahre war der junge Regisseur dabei, seine zweite Regiearbeit auf den Weg zu bringen: „Pulp Fiction“. Heute ein Meilenstein des modernen Kinos – damals ein Drehbuch, das TriStar Pictures schlicht als „zu krank“ einstufte.

Nachdem sich „Reservoir Dogs“ (1992) langsam vom Geheimtipp zum Kultfilm entwickelte, begann Tarantino, gemeinsam mit Co-Autor Roger Avary („Die Regeln des Spiels“) an einem neuen Projekt zu schreiben. Unterstützung fand er schnell bei Danny DeVito („Batmans Rückkehr“), der nicht nur als Schauspieler bekannt ist, sondern auch mit seiner Produktionsfirma Jersey Films aktiv war. DeVito war sofort begeistert vom Drehbuch und sicherte Tarantino einen Platz in seiner Produktionsschmiede.

"Pulp Fiction" galt als "zu bizarr" und "unverfilmbar"

Durch einen First-Look-Deal zwischen Jersey Films und TriStar landete das Skript auf dem Tisch von Studio-Boss Mike Medavoy – doch dort stieß es auf völliges Unverständnis. Im Februar 1993 wurde zwar „Pulp Fiction“ offiziell in die Vorproduktion geschickt, doch nur vier Monate später war bereits Schluss. Medavoys Begründung: Die Story sei „zu bizarr“, also zu abgedreht und verstörend für einen Studiofilm.

Tatsächlich konnte man bei TriStar mit dem ungewöhnlichen Aufbau des Drehbuchs wenig anfangen. Die nicht-lineare Struktur, Zeitsprünge, Gewaltspitzen – für Hollywood-Verhältnisse war das alles schwer einzuordnen (via FarOutMagazine).

Roger Avary erinnerte sich später an die vernichtenden Kommentare aus den Chefetagen:„Das ist das Schlimmste, was je geschrieben wurde. Es ergibt keinen Sinn. Da ist jemand tot – und dann lebt er wieder. Zu lang, zu brutal, nicht verfilmbar. Ich dachte nur: Das war’s dann wohl.“

Doch DeVito blieb überzeugt – und brachte das Projekt gemeinsam mit Produzent Lawrence Bender zu Miramax. Dort fand Tarantino endlich ein Zuhause für seine Vision – samt finanzieller Unterstützung und vor allem künstlerischer Freiheit, die er voll ausnutzte um wirklich auf jedes Detail zu achten. Selbst heute kann man immer noch etwas Neues entdecken:

Stoppt "Pulp Fiction" bei 3 Minuten und 45 Sekunden: Dieses geniale Detail beweist, dass Quentin Tarantino an alles gedacht hat

"Pulp Fiction" wurde zum Welt-Hit, TriStar zur Randnotiz

Der Rest ist bekannt: „Pulp Fiction“ wurde 1994 zum Welterfolg, spielte über 200 Millionen US-Dollar ein, gewann die Goldene Palme in Cannes und den Oscar für das „Beste Originaldrehbuch“. Der Film wurde zur Blaupause für ein neues amerikanisches Autorenkino – und für TriStar zum Sinnbild einer verpassten Gelegenheit.

Denn während Tarantino Filmgeschichte schrieb, veröffentlichte TriStar im selben Jahr Titel wie „3 Ninjas Kick Back“ und „Legenden der Leidenschaft“ – letzterer immerhin ein solider Hit mit Brad Pitt in der Hauptrolle, aber weit entfernt von der kulturellen Sprengkraft, die „Pulp Fiction“ entfaltete.

Was wurde aus TriStar? Das einst erfolgsverwöhnte Studio – bekannt für Kinohits wie „Terminator 2“, „Schlaflos in Seattle“ (1993) oder die ersten „Rambo“-Filme – wurde in den 2000ern mehrfach umstrukturiert und ist heute Teil von Sony Pictures. Statt Blockbustern konzentriert sich TriStar inzwischen auf kleinere Prestigeproduktionen und ausgewählte Genrefilme wie zuletzt Thanksgiving“ von Tarantino-Buddy Eli Roth.

Übrigens: Tarantino musste auch um John Travolta als Killer Vincent Vega ziemlich hart kämpfen. Warum (und wie er sich durchsetzen konnte), erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

"Bitte streich ihn von der Liste": So hart musste Quentin Tarantino für John Travolta in "Pulp Fiction" kämpfen!

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