Nach über 20 Jahren: Gewaltiges Historien-Epos mit Rekordbudget kehrt ins Heimkino zurück
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Die Romanvorlage ist der umjubelte Höhepunkt einer massiven Buchreihe, das Filmepos „Germinal“ wiederum stellte einen Rekord auf und spielte im großen Stil bei Frankreichs Antwort auf den Oscar mit – beim César!

Eine berühmte Romanvorlage, ein immenser Cast und massiver Produktionsaufwand finden zusammen: In den frühen 1990ern knöpfte sich der gefeierte „Am Rande der Nacht“-Regisseur Claude Berri den legendären Roman „Germinal“ von Émile Zola vor und formte aus der harschen, realistischen Erzählung eines Minenarbeiterstreiks ein imposantes Filmepos.

Berris „Germinal“ stellte mit einem Budget von umgerechnet 27,4 Millionen Euro den Rekord für die bis dahin teuerste französische Kinoproduktion auf und erntete zwei César Awards sowie Nominierungen in zehn weiteren Kategorien. Auch beim zahlenden Publikum war der Film ein Volltreffer: Allein in Frankreich lösten über 6,1 Millionen Menschen ein Kinoticket für „Germinal“!

Im hiesigen Heimkino wurde das Historien-Epos zuletzt vor über 20 Jahren ausgewertet – als mittlerweile bloß noch gebraucht erhältliche DVD. Nun wird endlich ein Upgrade möglich: Am 22. Januar 2026 erscheint „Germinal“ erstmals in Deutschland auf Blu-ray, außerdem kommt eine DVD-Neuauflage heraus!

Darum geht es in "Germinal"

Nordfrankreich zur Mitte des 19. Jahrhunderts: Mechaniker Étienne Lantier (Renaud) verschlägt es auf der dringlichen Suche nach Arbeit in die Bergbaustadt Voreux, wo er eine Beschäftigung in der Kohlengrube und eine neue Heimat unter dem Dach der Familie Maheu findet. Während er mit den Maheus einen Glücksgriff gelandet hat und sich in deren Tochter Catherine (Judith Henry) verliebt, ist sein Arbeitsplatz ein Grauen.

Mies bezahlt und unmenschlich behandeltm sieht der überzeugte Sozialist keine andere Wahl: Er zettelt einen Streik und blutige Aufstände an, um den Machthabenden zu vermitteln, dass sie so nicht mit ihren Arbeitskräften umspringen können. Selbst als das Militär eingreift, kann von Deeskalation keine Rede sein...

Der berühmte Dreh- und Angelpunkt eines enormen Romanzyklus

Émile Zolas Romanvorlage zu „Germinal“ ist der dreizehnte und wohl prestigeträchtigste Band des zwanzigteiligen Zyklus „Das Leben der Familie Rougon-Macquart“, der von 1871 bis 1893 erstveröffentlicht wurde. Die Geschichte eines Arbeiteraufstands traf seinerzeit einen Nerv bei der französischen Bevölkerung und wird seither als eines der wichtigsten Werke der Literaturströmung des Naturalismus bezeichnet.

„Germinal“ legt sowohl Wert auf das Innenleben seiner zentralen Figuren als auch auf die realitätsgetreue Schilderung gesellschaftlicher Missstände – insbesondere der Lage von Arbeiterfamilien, die im Zuge der Industrialisierung vehement ausgebeutet wurden. Als namhafter Romanklassiker wurde dieser Stoff mehrmals adaptiert, darunter 1905 als Stummkurzfilm und 1970 als BBC-Fernsehmehrteiler.

Berris 160-minütige Verfilmung von 1993 setzt Zolas detaillierten Schreibstil mit entsprechendem Aufwand um, was ihr den César für die beste Kamera und die besten Kostüme einbrachte. Weitere Nominierungen winkten unter anderem in den Sparten „Beste Regie“, „Bestes Produktionsdesign“ und „Bester Film“.

Die Verfilmung eines anderen, ebenfalls gefeierten naturalistischen Romans stellen wir euch übrigens im folgenden Beitrag näher vor – und im Gegensatz zum staubig-dreckigen „Germinal“ ist diese Produktion von malerischer Schönheit durchzogen:

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