"Ich habe den Superman-Anzug getragen": Sitcom-Star wurde für Skandal-Regisseur fast zum Mann aus Stahl
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Ein aus dem Sitcom-Hit „Two And A Half Men“ bekannter Star stand Anfang der 2000er tatsächlich im Superman-Kostüm vor der Kamera – inklusive Screentest und Lois-Lane-Partnerin. Darum „fühlte es sich nicht richtig an“ und das Projekt scheiterte...

Wenn es darum geht, ikonische Rollen neu zu besetzen, verfällt Hollywood regelmäßig ins Casting-Fieber. Produzent*innen, Studios und Agenturen bringen Namen ins Spiel, testen Varianten, wägen Marktwert gegen Image ab – und am Ende bleibt oft nur ein Bruchteil dieser Überlegungen öffentlich sichtbar. Meist erfahren Fans erst Jahre später, wer alles im Rennen war. Ausnahmen bestätigen die Regel: Die Neubesetzung für die kommende „Harry Potter“-Serie wurde von Anfang an akribisch begleitet, ebenso jede Spekulation rund um den nächsten James Bond (vielleicht wird es ja dieser britische Darsteller?).

Um einen beinahe zustande gekommenen Deal, der lange im Verborgenen geblieben ist, soll es in diesem Artikel gehen.

Das Casting-Karussell um den Mann aus Stahl

Kaum eine Figur wurde so häufig neu gedacht, verworfen und wiederbelebt wie Superman. Aktuell erlebt der Held dank „Peacemaker-Schöpfer James Gunn eine neue Popularität: Der Regisseur treibt bei DC Studios den nächsten Kinoneustart voran, während für den Sommer bereits ein „Supergirl“-Film angekündigt ist. Kryptonit ist also wieder in Mode – und damit auch all die Geschichten aus der Vergangenheit, die fast in einem anderen Superman mündeten.

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Ein besonders kurioser Fall betrifft keinen Geringeren als Ashton Kutcher. Heute kennt man ihn vor allem aus Sitcom wie „Die wilden Siebziger“ und „Two And A Half Men“ sowie der Komödie „Ey Mann, wo is’ mein Auto?“ (2000) oder dem Thriller-Drama „Butterfly Effect“ (2011). Anfang der 2000er-Jahre jedoch stand sein Name im Zusammenhang mit einer Rolle, die größer kaum sein könnte: Superman.

Im Jahr 2010 verriet Kutcher in einem Interview mit MTV (via Digital Spy), dass er tatsächlich einen Screentest für den Mann aus Stahl absolviert hatte. „Ich habe den Superman-Anzug getragen. Ich habe einen Screentest im Superman-Kostüm gemacht“, erklärte der damals 32-Jährige rückblickend. Es blieb also nicht bei einem Vorgespräch oder einer lockeren Anfrage – er schlüpfte tatsächlich in das ikonische blau-rote Outfit mit dem berühmten „S“-Emblem auf der Brust.

Ashton Kutcher stand als Superman vor der Kamera

Besonders bemerkenswert: Es existiert offenbar sogar Bildmaterial von diesem Vorsprechen. Kutcher berichtete, dass Keri Russell die Rolle von Lois Lane mit ihm gelesen habe. „Es gibt Aufnahmen meines Vorsprechens – mit Keri Russell, die Lois gelesen hat. Man sieht mich im Clark-Kent-Outfit, und dann im Superman-Anzug“, so der Schauspieler. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie surreal dieser Moment gewesen sein muss – Kutcher im biederen Anzug mit Brille, kurz darauf im hautengen Superhelden-Kostüm.

Beinahe hätte Ashton Kutcher die Hauptrolle in einem Netflix
Beinahe hätte Ashton Kutcher die Hauptrolle in einem "Superman"-Film gespielt.

Allerdings war die Erfahrung für ihn selbst offenbar ernüchternd. Rückblickend sagte er, die Rolle und das Outfit hätten sich „nicht richtig angefühlt“. Statt wie ein außerirdischer Retter habe er „wie eine dünne Stange mit aufgeklebten Muskeln“ ausgesehen – eine selbstironische Beschreibung, die deutlich macht, dass er dem Ganzen mit Distanz begegnet. Auch beim zuständigen Regisseur war er sich nicht ganz sicher: „Ich weiß gar nicht mehr genau, wer es war … ich glaube, es war Brett Ratner“, erinnerte sich Kutcher.

Darum scheiterte "Superman: Flyby"

Tatsächlich handelte es sich um ein Projekt, das nie das Licht der Kinoleinwand erblickte. Anfang der 2000er arbeitete Brett Ratner für Warner Bros. an einem neuen „Superman“-Film, der intern häufig unter dem Arbeitstitel „Flyby“ geführt wurde. Das Drehbuch stammte von J.J. Abrams („Star Wars: Das Erwachen der Macht“) und sollte dem Kryptonier einen frischen Start ermöglichen. Doch das Vorhaben geriet rasch ins Stocken.

Ratner verließ das Projekt schließlich – laut dem Guardian auch deshalb, weil er keinen Darsteller fand, der seinen Vorstellungen von Superman entsprach. Neben Kutcher sollen unter anderem Josh Hartnett („Trap“) und Jude Law („Captain Marvel“) für die Doppelrolle aus Clark Kent und Superman vorgesprochen haben. Geplant war offenbar ein prominentes Ensemble: Anthony Hopkins („Das Schweigender Lämmer“) wurde als Lex Luthor gehandelt, „Konklave“-Star Ralph Fiennes als Jor-El. Eine hochkarätige Konstellation, die das Studio groß aufziehen wollte.

Dass Superman-Projekte scheitern können, zeigte sich schon zuvor an einem anderen legendären Beinahe-Film: „Batman“-Regisseur Tim Burton plante in den 1990er-Jahren „Superman Lives“ mit Nicolas Cage („Face/Off““) in der Hauptrolle. Das Projekt wurde nach umfangreichen Vorbereitungen eingestellt, obwohl Kostümtests existieren und ein Drehstart greifbar schien. Jahrzehnte später tauchte dieser alternative Superman zumindest kurz auf – in einem CGI-Cameo-Auftritt in „The Flash“ (2023). Zudem widmet sich die Dokumentation „The Death of Superman Lives: What Happened?“ (2015) detailliert der Entstehung und dem Scheitern dieses ambitionierten Vorhabens.

Auch „Flyby“ verschwand letztlich in der Schublade. Das Projekt steckte in einer kreativen Krise, wurde schließlich aufgegeben und machte den Weg frei für „Superman Returns“ (2006) von „X-Men“-Regisseur Bryan Singer.

Das wurde aus dem Beinah-Superman und seinem Regisseur

Heute blickt Ashton Kutcher auf eine vielseitige Laufbahn zurück. Neben romantischen Komödien profilierte er sich mit der Serien wie „Two and a Half Men“ und aktuell „The Beauty“, die ihr ohne Zusatzkosten bei Disney+ streamen könnt*. Darüber hinaus engagiert er sich seit Jahren als Investor im Tech-Bereich und tritt immer wieder als Produzent in Erscheinung. Die Superheldenrolle blieb ihm verwehrt – geschadet hat es seiner Karriere kaum.

Brett Ratner hingegen sorgte zuletzt weniger mit qualitativ hochwertigen Spielfilmen als mit negativen Schlagzeilen für Aufmerksamkeit. Ihm wird von mehreren Frauen sexuelle Belästigung und unangemessenes Verhalten am Filmset vorgeworfen und darüber hinaus geriet er in die Kritik, weil er geschäftliche und persönliche Verbindungen zu Jeffrey Epstein unterhielt, der wegen schweren Sexualverbrechen verurteilt wurde.

Zuletzt feierte er sein Kino-Comeback mit der Dokumentation „Melania“ über die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump. Das Projekt sorgte für reichlich Schlagzahlen, weil Amazon dafür unglaublich tief in die Taschen griff - zu 40 Millionen Dollar Produktionskosten kamen angeblich noch 35 Millionen Dollar für Werbung. Finanziell war das nicht von Erfolg gekrönt, aber darum ging es womöglich auch nicht. In Deutschland sahen zum Start gerade einmal 767 Zuschauer*innen den diskussionswürdigen Film.

75 Millionen Dollar teuer, 767 (!) Menschen im Kino – jetzt kennen wir die Zahlen für den Amazon-Film, über den gerade jeder spricht

Trotz allem scheint Ratner dank guter Kontakte zu Donald Trump bereits das nächste Wunschprojekt ins Auge zu fassen: „Rush Hour 4“. Schon die drei Vorgänger inszenierte er selbst und war damit maßgeblich an der Eroberung Hollywoods durch Jackie Chan beteiligt – auch wenn die Martial-Arts-Legende dem ersten Teil (nett ausgedrückt) skeptisch gegenüberstand. Mehr dazu im folgenden FILMSTARTS-Artikel.

"Ich hasse ihn": Jackie Chan hat ein großes Problem mit einem seiner erfolgreichsten Filme

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