Stuntleute werden zwar gemeinhin übersehen, aber ab und zu wirft die Filmindustrie sehr wohl ihr aufmerksames Licht auf diese kaum besungene Profession. Bei den Oscars wird es erst 2027 durch die Einführung einer Stuntkategorie so weit sein, dafür gibt es schon mehrere filmische Lobeshymnen über die Wagemut fordernde Welt der Stuntarbeit.
So spielte Ryan Gosling in der Actionkomödie „The Fall Guy“ einen liebenswerten Stuntman und im Thriller „Drive“ einen wortkargen Stuntfahrer mit hoher Anziehungskraft und brodelndem Gewaltpotential. Brad Pitt gab sich indes in „Once Upon A Time... In Hollywood“ derart gewinnend als lässiges Stuntdouble, dass seine Rolle bald in „The Continuing Adventures Of Cliff Booth“ zurückkehrt! Viele Jahre zuvor zelebrierte wiederum ein Superstar des europäischen Kinos den Mumm und die Hartnäckigkeit der Leute, ohne die das Actiongenre praktisch unvorstellbar wäre:
Schauspiel-Tausendsassa Jean-Paul Belmondo, der in der Nouvelle vague genauso glänzte wie in explosiven Popcorn-Spektakeln, ist in „Ein irrer Typ“ sowohl als empfindlicher Publikumsschwarm als auch als abgebrühtes Stuntdouble zu sehen. Bislang war das pointenreiche, zügellose Action-Vergnügen hierzulande nur in Boxsets auf Blu-ray erhältlich, aber das hat sich nun geändert: Diese Woche ist „Ein irrer Typ“ erstmals in Deutschland einzeln auf Blu-ray erschienen!
Darum geht es in "Ein irrer Typ"
Stuntman Michel Gaucher (Jean-Paul Belmondo) bereitet jedem Filmteam Kopfschmerzen: Obwohl er gewaltiges Potential hat, vermasselt er durch Tollpatschigkeit und Übermut Dinge am laufenden Band. Das kostet ihm letztlich nicht nur seine Stellung, sondern ebenso seine Beziehung zu Jane Gardner (Raquel Welch), seiner (einst) treuen Stuntkollegin und großen Liebe. Sie haut ab und verlobt sich mit einem Grafen (Raymond Gérôme)!
Michel ist am Boden zerstört und muss als Gorilla verkleidet in einem Supermarkt Werbung für Spaghetti machen. Erlösung zeichnet sich ab, als der internationale Filmstar Bruno Ferrari (ebenfalls Jean-Paul Belmondo) nach Frankreich kommt, um einen ambitionierten Abenteuerfilm zu drehen. Denn Bruno gleicht Michel wie ein Ei dem anderen! Michel hat nur eine Forderung, um Bruno als perfekten Doppelgänger zu dienen: Jane muss gemeinsam mit ihm drehen. Denn wenn sie ihn in Topform sieht, kommt sie doch garantiert zu ihm zurückgekrochen!?
Was Tom Cruise macht, hatte Belmondo schon lange abgehakt
Belmondo machte zwar im Laufe seiner Karriere längst nicht all seine Stunts selbst, allerdings schmiss er sich sehr wohl mit Engagement in einen großen Teil seiner Actionszenen – auch bei „Ein irrer Typ“. Diesen Wagemut musste er allerdings bezahlen: Im Laufe der schrägen, temporeichen und sich zwischendurch mit breitem Grinsen in riskanten Brachialhumor stürzenden Actionkomödie ringt Belmondo mit einem Tiger!
Was im Film, der 1977 drei Millionen Menschen in die deutschen Kinos lockte und damit zu den fünf größten Hits des Jahres zählt, komödiantisch-absurd abläuft, war am Set dramatischer: Die Wildkatze knabberte Belmondos Schläfe an, woraufhin er sich eine Entzündung zuzog und ins Krankenhaus musste. An den ikonischen Stufen von Sacré-Coeur verstauchte sich der Mime wiederum einen Knöchel und zog sich schwere Wunden zu.
StudioCanal
Der Dreh der „Ein irrer Typ“-Flugzeugstunts lief unterdessen reibungslos ab – das aber ohne den Segen auch nur einer einzigen Versicherung. Daher (und weil im Falle eines Unglücks zu einem frühen Drehtermin der gesamte Film abgestürzt wäre), beschloss das Team rund um Regisseur Claude Zidi („Brust oder Keule“), diese Sequenzen erst zum Schluss der Dreharbeiten anzugehen.
Sie waren übrigens ein persönlicher Wunsch Belmondos: Nach eigener Aussage träumte er schon als Kind davon, auf dem Flügel eines in der Luft befindlichen Flugzeugs zu stehen – Tom Cruise lässt grüßen. Oder eher umgekehrt: Tom Cruise sei gegrüßt!
"Ein irrer Typ" ist keine Belmondo-Ein-Mann-Show
Ähnlich wie Draufgänger Belmondo spielt „Die phantastische Reise“-Star Raquel Welch in „Ein irrer Typ“ mit ihrem Image: Einerseits bedient sie ihren damaligen Status als williges Sexsymbol durch feurige Auftritte, andererseits konterkariert sie es gekonnt durch die temperamentvoll-selbstsichere Art, mit der sich Jane als Michel ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen beweist.
Pointierte Gastauftritte leisten wiederum die mimischen sowie musikalischen Multitalente Jane Birkin und Johnny Hallyday, des Weiteren ist „Die zweigeteilte Frau“-Regisseur Claude Chabrol kurz als überspitzte Version seiner selbst zu sehen. Auch hinter der Kamera wirkten große Talente am Eiltempo-Wahnsinn mit: Die Kamera führte „Barbarella“-Kameramann Claude Renoir, der für seine ausgefallenen Farbdramaturgien berühmt ist, die flott-peppigen Melodien stammen von „La Boum“-Komponist Vladimir Cosma, und als Regieassistent agierte Jean-Jacques Beineix.
Der mag zwar als Filmschaffender nicht von Rang und Namen sein, gleichwohl stemmte er als Regisseur einen der stilsichersten und bedeutsamsten Thriller der 1980er-Jahre! Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Heimkino-Tipp:
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