Wes Craven zählte zweifellos zu den größten Horror-Regisseuren überhaupt. Zwar hat sich der 2015 verstorbene Filmemacher sporadisch auch in anderen Bereichen versucht – so drehte er 1999 etwa das Musikdrama „Music Of The Heart“ mit Meryl Streep –, in die Kinogeschichte ist Craven aber für Genre-Meilensteine wie „Hügel der blutigen Augen“, „Nightmare On Elm Street“ oder „Scream“ eingegangen.
Neben seinen stilprägenden Klassikern gehen andere (kaum minder sehenswerte) Regiearbeiten wie „Der tödliche Freund“, „Shocker“ oder „Das Haus der Vergessenen“ aber gerne unter. Und auch Cravens vorletzter Film ist fast gänzlich in Vergessenheit geraten: „My Soul To Take“ (2010), eine Art übernatürlicher Slasher, in dem eine Gruppe von Jugendlichen von einem Serienmörder verfolgt wird, der am Tag ihrer Geburt ums Leben gekommen sein soll.
Die Grundidee versprach nach dem Werwolf-Horror „Verflucht“ und dem Flugzeug-Thriller „Red Eye“ eine Rückkehr zu Cravens Wurzeln – doch „My Soul To Take“ legte nicht nur eine Bruchlandung an den Kinokassen hin, sondern erntete auch vernichtende Kritiken.
In der nur einen von fünf möglichen Sternen vergebenden FILMSTARTS-Rezension heißt es unter anderem: „Phasenweise lässt Craven mit trivialen Soap-Abschnitten vergessen, dass ‚My Soul To Take‘ eigentlich Genre-Handwerk sein soll. Weder sind die Jungdarsteller hier zu Höherem berufen, noch kommen Cravens ungelenk auf jugendlich getrimmten Dialoge ihnen entgegen.“
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Für Craven war der Misserfolg des Films eine der niederschmetterndsten Erfahrungen seiner Karriere. In einem Interview mit MovieMaker gab er zu Protokoll: „[...] ‚My Soul To Take‘ hat mich eine sehr harte Lektion gelehrt: Wenn man sich zu weit von den Erwartungen des Publikums entfernt, stechen sie einem schneller in den Rücken, als man ‚Jack‘ sagen kann. […] Bei ‚My Soul To Take‘ dachte ich eigentlich, ich würde mein Publikum ganz gut kennen.
Aber es gab einige sehr gehässige und giftige Kritiken und eine allgemeine Reaktion nach dem Motto: ‚Fuck you, Wes Craven.‘ Ich bin tatsächlich über Dinge gestolpert wie ‚Rest in Peace, Wes Craven.‘ Ich schlug ein Buch über Filmemacher auf, sah meinen Namen und dort stand: ‚Kann diesem Typen nicht endlich jemand sagen, dass er in Rente gehen soll?‘ Da war eine Boshaftigkeit, die ich zuvor wirklich noch nie erlebt habe.“
Nach "My Soul To Take" kehrte Wes Craven ein letztes Mal zu einem legendären Horror-Franchise zurück
Ein Jahr nach dem Flop von „My Soul To Take“ ging Craven zwangsweise wieder auf Nummer sicher – und meldete sich mit dem vierten Kapitel seiner „Scream“-Reihe (ein letztes Mal) auf die Leinwand zurück. Dass „Scream 4“ ein Erfolg werden würde, war ihm dabei klar. „Und vielleicht werden einige dieser Leute sagen: ‚Wes Craven ist zurück‘“, mutmaßte er im Vorfeld. „Aber ich weiß, das ich ihnen [seinem Publikum] nicht mehr vertrauen kann.“
„My Soul To Take“ ist wohl vor allem daran gescheitert, dass Craven ihn nicht primär als Slasher-Horror anlegte, sondern mindestens genauso sehr als Teenager- und Außenseiterdrama verstand. Wohl nicht all seinen Zuschauer*innen war dabei klar, dass sich der Regisseur (der wie bei vielen seiner früheren Filme auch das Drehbuch selbst verantwortet hatte) schon in Klassikern wie „Nightmare On Elm Street“ mit Themen wie adoleszentem Unverstandenein und jugendlicher Identitätsfindung auseinandergesetzt hatte.
Und so endete die Laufbahn von Craven mit einer Enttäuschung – gefolgt von einer Auftragsarbeit, von der er sich erhoffte, dass sie seiner Karriere neuen Antrieb geben würde. Dazu sollte es aber leider nicht kommen: Kurze Zeit später wurde bei ihm ein Hirntumor diagnostiziert, dem er drei Jahre später schließlich erlag.
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