Das Wild-West-Kino und Clint Eastwood: Eine hervorragende Kombination, die neben Italo-Western wie „Zwei glorreiche Halunken“ und Eastwoods eigenem, vielfach preisgekröntem Spätwestern „Erbarmungslos“ zahlreiche weitere, sehenswerte Genrevertreter hervorgebracht hat. Dazu zählt eine Regiearbeit des mehrmaligen Eastwood-Kollaborateurs Don Siegel:
Bevor das Regisseur/Hauptdarsteller-Gespann gemeinsam den einflussreichen Polizeithriller „Dirty Harry“ ins Kino brachte, verwirklichte es den schmissig-unterhaltsamen Western „Ein Fressen für die Geier“ (auch wenn Eastwood sich zunächst Sergio Leone auf dem Regiestuhl wünschte). Der brennt sich insbesondere aufgrund seiner feist-kecken Hauptdarstellerin Shirley MacLaine („Das Appartement“) und einer eingängigen, selbstironischen Filmmusik der Komponistenlegende Ennio Morricone ins Gedächtnis – ist aber derzeit in keinem Streaming-Abo zu finden.
Darüber hinaus ist das kurzweilige Eastwood-Kleinod derzeit bei keinem deutschen VOD-Anbieter als Leih- oder Kauf-Titel verfügbar. Dennoch müsst ihr nicht in die Röhre schauen, denn „Ein Fressen für die Geier“ läuft heute, am 29. März 2026, ab 20.15 Uhr bei arte und ist darüber hinaus für kurze Zeit in der arte-Mediathek abrufbar! Alternativ könnt ihr euch den Western-Spaß natürlich auch fürs Heimkino zulegen - hier gibt es die Scheibe aktuell bereits für einen echten Schnäppchenpreis:
Darum geht es in "Ein Fressen für die Geier"
Mexiko im Jahr 1865: Drei Männer bedrängen eine Frau, doch der Söldner Hogan (Clint Eastwood) eilt ihr zur Hilfe. Die Frau offenbart sich ihrem Retter in der Not als Nonne namens Schwester Sara (Shirley MacLaine). Im weiteren Gespräch stellt sich heraus, dass Sara und Hogan eine Gemeinsamkeit haben: Sie wollen die französischen Truppen aus dem Land jagen.
Die Beweggründe dafür sind allerdings unterschiedlicher Natur: Während die Gläubige aus idealistischen Motiven ein freies Mexiko ersehnt, verspricht sich der Söldner vom Abzug der Franzosen materielle Dinge. Dennoch werden der bockige Lebemann und die unkomplizierte, gerissene Nonne zum unzertrennlichen Gespann, das sich selbst überraschenden Enthüllungen tapfer stellt...
Eine Frau, die Eastwood ins Bockshorn jagt
„Ein Fressen für die Geier“ gehört zwar nicht in die oberste Liga der Eastwood-Western, doch Siegel versteht es einfach, seinen Star schroff-charismatisch in Szene zu setzen und amüsant von komödiantischen Passagen zu rauerer Western-Stimmung zu wechseln. Die Waffe mit der heftigsten Durchschlagskraft im Arsenal dieses Films ist allerdings Shirley MacLaine, die mit unbändiger Freude zwischen dem Gerede einer frommen Gläubigen und Kodderschnauze sowie idealistischem Handeln und ruppiger Saufkumpel-Attitüde wechselt.
„Cleopatra“-Star Elizabeth Taylor, die ursprünglich für die Rolle angefragt wurde, kann man sich kaum in der Rolle der Schwester Sara vorstellen – wohl aber, dass sich MacLaine so selbstbewusst und tatkräftig in ihren Part schmiss, dass es den Herren um ihr unangenehm wurde! Eastwood und Siegel erklärten später, dass sie von der „Infam“-Mimin völlig eingeschüchtert waren – Siegel sagte über sie sogar laut Patrick McGilligans Eastwood-Biografie „Clint: The Life And Legend“: „Sie hat viel zu große Eier in der Hose. Sie ist richtig, richtig hart.“
Auch Drehbuchautor Budd Boetticher, der die „Ein Fressen für die Geier“-Story erdachte, bevor sie von „Das Gewand“-Autor Albert Maltz überarbeitet und in Skriptform gebracht wurde, fand Anstoß an MacLaines Performance. Er suchte die Schuld aber nicht bei ihr, sondern bei Don Siegel!
Ruppiges Augenzwinkern mit pfiffigen Ohrwurmmelodien
Boetticher dachte sich „Ein Fressen für die Geier“ als Vehikel für den knurrigen Robert Mitchum sowie für Deborah Kerr aus, deren Eleganz schon damals legendär war, und stellte sich die weibliche Hauptrolle als adelig und konsequent vornehm vor – erst im Schlussakt sollte sie völlig überraschend weitere, derbere Facetten zeigen.
Boetticher warf Siegel vor, seine Idee verhunzt zu haben, Siegel indes soll stolz erwidert haben, Boettichers Idee erst kommerziell interessant gemacht zu haben. So oder so: „Ein Fressen für die Geier“ wirkt über weite Strecken wie eine stark augenzwinkernde „African Queen“-Variation in der Wüste – inklusive einer selbstironischen Filmmusik! Denn „Spiel mir das Lied vom Tod“-Komponist Ennio Morricone steuerte zu diesem Westernvergnügen eine Art Pastiche seiner typischen Western-Klänge bei, die sowohl das Geschehen auf der Leinwand als auch Morricones Wild-West-Vergangenheit keck kommentiert.
Diese verlässlich ein Lächeln aufs Gesicht zaubernde Filmmusik konnten zwei heutige Hit-Regisseure nicht in der Klamottenkiste liegen lassen: Quentin Tarantino nutzte einen Ausschnitt ganz prominent in seinem Rache-Western „Django Unchained“ und Hans Zimmer komponierte für Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ eine ebenso liebevolle wie pointierte Hommage an das „Ein Fressen für die Geier“-Hauptmotiv. Die ist zu hören, während Robert Downey Jr. erst schleppend, dann mit Sausezahn auf einem Esel durch die Berge reitet.
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