Trotz Starbesetzung, Oscar-Auszeichnung und pikanter Buchvorlage kennt heute kaum noch jemand diesen Film: Jetzt im Heimkino nachholen
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

„Stirb langsam 3“-Star Jeremy Irons, „101 Dalmatiner“-Schurkin Glenn Close, ein massig Spekulationen anspornender Justizfall und drei Oscar-Nominierungen: Das satirische Drama „Die Affäre der Sunny von B.“ hat endlich Blu-ray-Premiere gefeiert.

Das kulturelle Gedächtnis bezüglich Schlagzeilen in der Boulevardpresse operiert nach eigenen Regeln: Manche schockierende Nachrichten hallen über Jahrzehnte hinweg nach, andere geraten schnell in Vergessenheit. Der Fall des Ehepaars von Bülow dürfte in die zweite Sparte fallen – oder erinnert ihr euch an den dänischen Adligen Claus von Bülow, der die wohlhabende Gesellschaftsdame Martha Sharp Crawford alias „Sunny“ heiratete und des versuchten Mordes an ihr angeklagt wurde?

Dabei landete dieser viel diskutierte Justizfall nicht bloß in den Schlagzeilen, sondern auch in den Buch-Verkaufscharts sowie in der Oscar-Chronik: Der in das Gerichtsverfahren involvierte Alan Dershowitz verfasste ein viel beachtetes Sachbuch mit pikanten Details. Das wurde wiederum mit Hollywood-Prominenz verfilmt. „Die Affäre der Sunny von B.“ kam 1990 von positiven Kritiken begleitet in die Kinos, sackte einen Oscar für Jeremy Irons als besten Hauptdarsteller ein und erhielt zwei weitere Academy-Award-Nominierungen („Beste Regie“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“).

Trotzdem dürften sich heute nur noch emsige Academy-Award-Faszinierte und Filmbegeisterte mit Faible für blaublütige Skandalgeschichten an das Drama erinnern. Aber vielleicht ändert sich das nun, denn diese Woche hat „Die Affäre der Sunny von B.“ seine deutsche Blu-ray-Premiere gefeiert.

Darum geht es in "Die Affäre der Sunny von B."

Ein skandalöser, mysteriöser Justizfall hält die High Society in Atem: Die millionenschwere Sunny von Bülow (Glenn Close) liegt aus nebulösen Gründen im Koma. Es liegt nahe, ihren adeligen Ehemann Claus (Jeremy Irons) für den Schuldigen zu halten, genießt er doch einen kalten, skrupellosen Ruf und unterhielt schlecht kaschierte Affären mit Prostituierten und der Schauspielerin Alexandra Isles (Julie Hagerty).

Die Presse stürzt sich gierig auf das Thema und spekuliert, dass Sunny Opfer eines aus Habgier motivierten Mordversuchs wurde. Doch Claus beteuert, unschuldig zu sein. Also heuert er den Staranwalt Alan Dershowitz (Ron Silver) an – der ist zwar ebenfalls nicht von Claus' Unschuld überzeugt, übernimmt den Fall aber dennoch, weil er Lücken im Verfahren gegen den Adeligen erahnt...

Weniger Spekulation, mehr morbide Ironie mit Fallhöhe

„Die Affäre der Sunny von B.“-Regisseur Barbet Schroeder erntete für sein True-Crime-Drama nicht bloß eine Oscar-, sondern auch eine Golden-Globe-Nominierung. Auch Nicholas Kazan, der für das Drehbuch verantwortlich war, erhielt zusätzlich zur Oscar- eine Golden-Globe-Nominierung, darüber hinaus winkte ihm eine Nominierung beim Writers Guild of America Awards.

Mord nach Plan“-Macher Schroeder und „8mm“-Autor Kazan verzichten in ihrem Drama auf große Spekulationen, wer denn nun wirklich am Schicksal der Sunny von Bülow Schuld trägt (und weshalb). Stattdessen geben sie der Millionärin ihre Stimme zurück, indem sie ihre fiktionalisierte Version als Erzählerin einsetzen und auf bewusst doppelbödig-ironische Weise (ohne die Fallhöhe der Ereignisse zu verleugnen) auf ihr Milieu blicken.

Die Balance zwischen satirischen Seitenhieben auf die eitle Welt der Reichen und dramatischer Zusammenfassung des morbiden Mysteriums rund um die Bülows war es auch, die dem nunmehr weitestgehend vergessenen Sozial-, Kriminal- und Justizfilm 1990 sein positives Presseecho einbrachte. Ob er auch euch im Jahr 2026 abholt, könnt ihr nun ja endlich ganz einfach und in HD-Qualität überprüfen.

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