"Einer der besten Filme, die je gemacht wurden": Thriller-Kult mit Starbesetzung erscheint endlich auf Blu-ray
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

An den Kinokassen gescheitert, mittlerweile als Film-noir-Meisterstreich bejubelt: Das satirische, raue Thrillerdrama „Dein Schicksal in meiner Hand“ mit den Hollywood-Legenden Burt Lancaster und Tony Curtis erhält ein überfälliges Heimkino-Upgrade.

Erfolg kommt nicht immer über Nacht: Manche Filme erarbeiten sich ihn über viele Jahre hinweg. Dazu gehört der Film noir „Dein Schicksal in meiner Hand“, ein ambitionierter, minutiös konstruierter Hybrid aus bissig-entlarvendem Thriller, abgründig-fiesem Drama und zynischer Satire.

Trotz (oder, im Zuge bitterer Ironie, aufgrund) einer Starbesetzung legte der stylisch inszenierte Film an den Kinokassen eine Bruchlandung hin. Wohlwollendes Presseecho bereitete jedoch den verspäteten Siegeszug von „Dein Schicksal in meiner Hand“ vor: Das Starvehikel für „Verdammt in alle Ewigkeit“-Mime Burt Lancaster und „Manche mögen's heiß“-Darsteller Tony Curtis wurde sukzessive wiederentdeckt und gilt nun als Genre-Meisterwerk sowie als absolutes Muss für Film-noir-Fans.

Ganz prominent rührte neben „GoodFellas“-Macher Martin Scorsese auch „One Battle After Another“-Regisseur Paul Thomas Anderson die Werbetrommel für den brillanten Klassiker: 2017 ernannte er das satirische Thrillerdrama zu einem seiner Lieblingsfilme! Endlich erhält er sein lange verdientes Heimkino-Upgrade: Diese Woche hat „Dein Schicksal in meiner Hand“ seine deutsche Blu-ray-Premiere gefeiert!

Darum geht es in "Dein Schicksal in meiner Hand"

New York: Die Straßen und Nachtclubs des Broadways sind Schauplatz eines perfiden Machtspiels. Denn der einflussreiche, größenwahnsinnige Skandalkolumnist J.J. Hunsecker (Burt Lancaster) verachtet den Jazzgitarristen Steve Dallas (Martin Milner). Der ist mit Hunseckers Schwester Susan (Susan Harrison) zusammen, über die der gut vernetzte Schmierfink mit Argusaugen wacht – und der Jazzmusiker passt überhaupt nicht in Hunseckers Weltbild.

Also drängt er den Pressagenten Sidney Falco (Tony Curtis) dazu, Dallas im Zuge einer Kampagne als drogensüchtigen Kommunisten zu diffamieren, damit Susan ihn verlässt. Aber das drastische, korrupte Spiel mit Erpressung, Intrigen und öffentlicher Demontage gerät außer Kontrolle – mit unvorhersehbaren Konsequenzen...

Vom Flop zum Scorsese schwärmen lassenden Meisterwerk

Im Laufe einer turbulenten Produktion stieg das zuvor auf 600.000 Dollar anberaumte Budget von „Dein Schicksal in meiner Hand“ auf eine Summe von 2 bis 3,4 Millionen Dollar an (je nach Quelle). Dass diese Kosten während der Kinoauswertung nicht eingenommen werden, zeichnete sich bereits bei einer Testvorführung ab: Fans des meist charmant-liebenswürdig auftretenden Tony Curtis waren wütend, ihn als intriganten Mistkerl zu sehen. Auch die Anhänger des damals oft in physischen Rollen brillierenden Burt Lancaster waren wenig vom Film angetan, da sie ihr Idol in keinem derart redseligen Part erleben wollten.

Die legendär schlecht verlaufene Testvorführung blieb kein Einzelfall: 1957 ließ sich das zahlende Publikum nicht darauf ein, dass Curtis und Lancaster gegen den Strich besetzt wurden. „Dein Schicksal in meiner Hand“ wurde daher zum Minusgeschäft. Jedoch feierte Curtis die mit messerscharfen Dialogen, komplexen Figuren und einer finster-betörenden Schwarzweiß-Bildsprache punktende Genreübung als einen der besten Einträge in seiner eigenen Vita – wenn nicht gar als seinen Favoriten!

Dein Schicksal in meiner Hand
Dein Schicksal in meiner Hand
Starttermin 25. April 1958 | 1 Std. 36 Min.
Von Alexander Mackendrick
Mit Burt Lancaster, Tony Curtis, Martin Milner
User-Wertung
3,4
Im Stream

Das liegt sicherlich daran, wie abgründig und facettenreich Curtis unter Alexander Mackendricks Regie aufspielen durfte. Vielleicht hat auch die stilvolle Umsetzung der raffinierten Erzählung dazu beigetragen: Der Film-noir-Meilenstein, der sich am berüchtigten New Yorker Kolumnisten Walter Winchell ähnlich abarbeitet wie zuvor „Citizen Kane“ am Medienmogul William Randolph Hearst, gleitet nahtlos von der unbarmherzigen Kälte einer korrupten Medienkultur zum hitzigen Flair der Jazzszene.

Die minutiöse Bildführung von „Die tätowierte Rose“-Kameramann James Wong Howe und der lebhafte Score von Elmer Bernstein („Die glorreichen Sieben“) sowie dem Chico Hamilton Quintet gehen dabei einen mitreißenden Tanz ein. Das erklärt wohl, weshalb „Dein Schicksal in meiner Hand“-Fan Paul Thomas Anderson die Klangwelt dieses dramatischen Satirethrillers in „Boogie Nights“ prominent zitiert.

Und Martin Scorsese lobte den Film gegenüber dem American Film Institute in höchsten Tönen. Er stellte sogar die These auf, er sei „einer der besten Filme, die je gemacht wurden“. Weiter bezeichnete er ihn als großartige Auseinandersetzung mit „den Schattenseiten der amerikanischen Psyche“ (via YouTube).

Einen rasanten, lebensfrohen und urkomischen Tony-Curtis-Klassiker stellen wir euch derweil im folgenden Artikel näher vor – eine Gemeinsamkeit mit „Dein Schicksal in meiner Hand“ hat das fesche Meisterwerk allerdings: Auch darin werden heiße Rhythmen gespielt!

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