"Ein wirklich schlechter Film": Meisterregisseur rechnet mit "Top Gun 2: Maverick" ab
Louis Verheyen
Louis Verheyen
-Freier Autor
Genießt alle Facetten des Kinos und lässt sich von „Mulholland Drive“ ebenso gern verstören wie von „Call Me By Your Name“ verzaubern. Hofft immer noch wehmütig darauf, dass Richard Kelly mal wieder einen Film dreht.

Filme wie „Top Gun 2: Maverick“ schaden dem Kino – findet zumindest Luca Guadagnino. Während viele den Tom-Cruise-Hit als meisterhaften Action-Blockbuster bezeichnen würden, hält der „Challengers“-Regisseur ihn für wahnsinnig altbacken.

Top Gun 2: Maverick“ gelang im Jahr 2022 in vielerlei Hinsicht Unglaubliches. Nicht nur füllte er nach einer jahrelangen Corona-Pandemie endlich wieder massig Kinositze – er schaffte auch den seltenen Spagat und stellte Publikum und Kritik gleichermaßen zufrieden. Während damals sogar Regie-Legenden wie Quentin Tarantino und Steven Spielberg den Enthusiasmus teilten, offenbarte eine andere Regie-Größe nun ihre Abneigung gegen den Film: Luca Guadagnino („Challengers“, „Call Me By Your Name“) sieht in dem Blockbuster nämlich nichts weiter als ein verzweifeltes Rückbesinnen auf die Vergangenheit.

Für Guadagnino lebt "Top Gun: Maverick" einzig von der Nostalgie

In einem Interview für die italienische Zeitung „Il Foglio“ machte Guadagnino jüngst seinem Unmut über die aktuelle Kinolandschaft Luft. Zunächst ging es dabei um Spielbergs heißerwarteten Science-Fiction-Thriller „Disclosure Day - Der Tag der Wahrheit“, der sich laut Guadagnino ebenfalls in die seit Jahrzehnten dominierende Nostalgie-Welle in Hollywood einfügen würde. Mit dieser Aussage bezieht er sich wohl auf das Marketing des Films, das stark damit spielt, Erinnerungen an Spielbergs alte Sci-Fi-Klassiker wie „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ oder „E.T. - Der Außerirdische“ zu wecken.

Dabei bemängelt der Filmemacher, dass unsere Vorstellungskraft durch diese Art des Kinos eingeschnürt werde: „Es geht darum, etwas in unserem Inneren wiederaufleben zu lassen, was wir vermeintlich verloren haben.“ Statt uns also auf neue Geschichten und Bilder einzulassen, jagen wir laut Guadagnino so stets nur dem trügerischen Gefühl einer besseren Vergangenheit hinterher.

Das Paradebeispiel der vergangenen Jahre sei für ihn aber eben Tom Cruises Rückkehr in seiner Rolle als Maverick gewesen: „Ich erinnere mich, dass ich mir ‚Top Gun: Maverick‘ in einem vollen Kinosaal ansah. Es war ein riesiges Event für Tausende von Menschen... und ein sehr schlechter Film. Trotzdem schrien die Leute, warfen mit Popcorn und waren überglücklich, denn die Nostalgie scheint derzeit das einzige Gut zu sein, das auf dem Markt funktioniert.“

Wie passen Guadagninos Aussagen zu seinem anstehendem "American Psycho"-Remake?

Von der Marktlogik des immer Gleichen kann sich allerdings auch ein Guadagnino nicht gänzlich freisprechen, schließlich steckt der Regisseur derzeit mitten in den Vorbereitungen für seine Neuauflage von „American Psycho“. Und auch sein 2018 erschienener Hexen-Horror „Suspiria“ basierte auf einem Kultfilm der 1970er-Jahre – wobei man ihm zugutehalten muss, dass seine eigenwillige Version kaum Parallelen zum Original aufwies.

Fraglich ist aber auch, ob sich Guadagninos Äußerungen wirklich so einfach auf die Beliebtheit von „Top Gun: Maverick“ übertragen lassen. Immerhin konnte der Film auch eine große junge Anhängerschaft für sich gewinnen, die wohl kaum starke Gefühle für den 1980er-Erstling hegt. Viele Zuschauer waren vielmehr von den haptischen Flugsequenzen begeistert, die mit echten Kampfjets und fortschrittlicher Kameratechnik umgesetzt wurden – und in diesem Sinne weit entfernt von rückwärtsgewandtem Kino waren.

Nichtsdestotrotz hat Guadagnino natürlich einen Punkt, wenn er über die Kinolandschaft im Gesamten spricht. Auch dieses Jahr bilden die Sperrspitze der erfolgreichsten Filme entweder Fortsetzungen wie „Der Super Mario Galaxy Film“ oder Nostalgie-Trips in vergangene Zeiten wie das Biopic „Michael“. Frischen Wind bringen hingegen zwei aktuelle Horror-Hits, die jeweils von jungen Filmemachern mit geringen Mitteln umgesetzt wurden – und nun auch von Steven Spielberg höchstpersönlich hohes Lob erhielten:

Trotz Trubel um seinen neuen Sci-Fi-Blockbuster "Disclosure Day": Steven Spielberg gesteht seine Liebe für diesen aktuellen Horror-Hit!

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