The Running Man
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
The Running Man

Im zweiten Anlauf gelingt zumindest manches besser

Von Markus Trutt

Schon seit seinem großen Durchbruch mit seinem Debütroman „Carrie“ im Jahr 1974 ist Stephen King auch aus Hollywood nicht mehr wegzudenken. Kaum ein anderer Autor bringt so verlässlich Film- und Serien-Adaptionen hervor wie der auch nach Jahrzehnten noch immer unfassbar produktive Horror-Papst. Erneut größere Ausmaße nahm das Ganze mit dem gigantischen Erfolg der gefeierten „ES“-Neuverfilmung aus dem Jahr 2017 an. Nicht nur wurden danach gefühlt wöchentlich neue King-Adaptionen angekündigt, auch machte man nun bisweilen größere Budgets dafür locker. Und weil es bei „ES“ so gut geklappt hat und man wohl nicht so tief in den abstruseren Gefilden von Kings Schaffen graben wollte, bekamen weitere Verfilmungen von Geschichten grünes Licht, die bereits vorher filmisch umgesetzt worden sind.

Nach Enttäuschungen wie den „Friedhof der Kuscheltiere“-, „Firestarter“- und „Salem's Lot“-Neuauflagen darf so nun auch „The Running Man“ erneut über die Leinwände flitzen – mit einem vier Mal so hohen Budget wie einst bei der zwar kultigen, aber deutlich hinter ihrem Potenzial zurückgebliebenen Verfilmung mit Arnold Schwarzenegger aus dem Jahr 1987 im Rücken. Dieses sieht man dem dystopischen Sci-Fi-Abenteuer von „Shaun Of The Dead“- und „Baby Driver“-Mastermind Edgar Wright auch definitiv an, denn über weite Strecken sorgt es für kurzweiligen Action-Spaß. Aber gegen Ende geht dem Film merklich die Puste aus.

Der fröhliche Show-Glamour täuscht: Die Sendung Paramount Pictures
Der fröhliche Show-Glamour täuscht: Die Sendung "Running Man" ist an Menschenverachtung eigentlich kaum zu überbieten.

In einem Überwachungsstaat der nahen Zukunft rackern sich Ben Richards (Glen Powell) und seine Frau Sheila (Jayme Lawson) jeden Tag aufs Neue ab, um für sich und ihre kleine Tochter zu sorgen. Als Ben jedoch seinen Fabrikjob verliert und die Eltern sich dadurch endgültig nicht mehr die Medikamente für den kranken Nachwuchs leisten können, packt den Familienvater die Verzweiflung.

Er beschließt, an einem Casting für die menschenverachtenden, aber mit Geldpreisen winkenden Fernsehshows eines die gesamte Gesellschaft dominierenden Konzerns teilzunehmen – und landet schließlich ausgerechnet bei der tödlichsten. Als Kandidat bei „The Running Man“ muss Ben es schaffen, 30 Tage lang zu überleben, während eine Gruppe von Jägern ihn gnadenlos durchs Land verfolgt und alle, die Hinweise auf seinen Aufenthaltsort haben, dafür belohnt werden...

Der erweiterte Schauplatz ist eine der größten Qualitäten

Eines kann man dem neuen „Running Man“ definitiv zugutehalten: Er orientiert sich weitaus enger als die nur lose davon inspirierte Arnie-Version am zu Grunde liegenden Roman „Menschenjagd“, den Stephen King im Jahr 1982 unter seinem Pseudonym Richard Bachman veröffentlicht hat (anders als bei der ersten Verfilmung ist King selbst hier nun auch als Produzent dabei). Und das ist auch wirklich die größte Stärke des Films. War das Geschehen 1987 noch auf eine recht überschaubare, karge Arena beschränkt, dienen nun quasi die gesamten USA als Austragungsort für den brutalen Wettlauf, der die sensationslüsternen Massen vor die Bildschirme fesselt.

Dieser weitaus größere Spielplatz, in dem sich der Film austoben kann, macht aus der „Menschenjagd“ überhaupt erst eine solche. Zudem bekommen wir so einen besseren Einblick in die tatsächliche dystopische Welt abseits der perfiden Gameshows, ohne dass einem das World-Building allzu plump um die Ohren gehauen würde. Vor allem aber sorgt das Setup für ständige Paranoia und somit dauerhafte Anspannung. Jede*r könnte Ben an die Spielleiter und Jäger verraten, um selbst abzukassieren. Um nicht aufzufallen, greift der Flüchtende auf verschiedene Identitäten und – mehr oder weniger – überzeugende Verkleidungen zurück. Dennoch dauert es natürlich meist nicht lange, bis ihm seine Verfolger auf die Schliche kommen – auch wenn es bisweilen etwas arg konstruiert wirkt, wie es dann tatsächlich dazu kommt. Das Tempo wird so aber lange Zeit hoch gehalten, eine wirkliche Verschnaufpause bekommen weder Ben noch das Publikum.

Ben Richards (Glen Powell) muss um sein Überleben kämpfen – wird er es schaffen, 30 Tage lang durchzuhalten? Paramount Pictures
Ben Richards (Glen Powell) muss um sein Überleben kämpfen – wird er es schaffen, 30 Tage lang durchzuhalten?

Die Action erfüllt dabei ihren Zweck, lässt allerdings auch so richtige Glanzlichter vermissen. Bei einem angemessen dynamisch in Szene gesetzten Jäger-Überfall auf ein Hotel kracht es immerhin ordentlich. Am ehesten sorgen aber ausgerechnet zwei Szenen auf engstem Raum für visuelle Akzente. Wenn ein beklemmend-klaustrophobischer Trip in einem Kofferraum plötzlich nahtlos in eine Schießerei übergeht oder ein Flugzeug-Cockpit zum Schauplatz einer blutigen Auseinandersetzung wird, blitzt am ehesten etwas von der Verspieltheit und dem Einfallsreichtum auf, für den Edgar Wright eigentlich so bekannt ist. Doch das ist leider viel zu selten der Fall.

Besonders schade ist auch, dass das Kernelement des Films mit zunehmender Laufzeit immer weiter in den Hintergrund gerät. Schon das Auftauchen von Wrights „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“-Hauptdarsteller Michael Cera als wandelndes Systemkritiker-Klischee bremst die Dauerhatz merklich aus. Wenn dann die Mechanismen hinter dem sadistischen Regime von „Running Man“-Chef Dan Killian (schön schmierig diabolisch: Josh Brolin) mehr und mehr offengelegt werden, läuft die zuvor noch so behutsam aufgebaute Bedrohlichkeit Gefahr, gänzlich zu verpuffen.

Glen Powells Charme trägt durch den Film

Generell haben Wright und sein Co-Autor Michael Bacall („Scott Pilgrim“, „21 Jump Street“) bisweilen Schwierigkeiten, schonungslosen Action-Thriller, emotionale Familiengeschichte und schwarzhumorige Abrechnung tonal elegant unter einen Hut zu bekommen. Dennoch sitzen die satirischen Spitzen gegen abgestumpften Medienkonsum und die spaltende, meinungsbildende Manipulation der Wahrheit zumeist – zumal sie heute eher Gesellschaftsspiegel sind als visionäre Warnung.

Und dass man Ben trotz aller Holprigkeiten bis zum Schluss die Daumen drückt, liegt nicht zuletzt an Shooting-Star Glen Powell, der nach Filmen wie „Wo die Lüge hinfällt“ und „Twisters“ einmal mehr seine Leading-Man-Qualitäten unter Beweis stellt. Sein etwas zu glatter Ben Richards hat trotz eines Hangs zu Wutausbrüchen zwar kaum Ecken und Kanten, Powell versprüht jedoch dermaßen viel Charme, dass man sich ohne Weiteres der Fanschar anschließen könnte, die Ben im Laufe des Films hinter sich versammeln kann. Von der nötigen Physis ganz zu schweigen!

Fazit: „The Running Man“ macht seinem Titel eine Zeit lang alle Ehre. Das zunächst rasante Katz-und-Mausspiel verliert im letzten Drittel jedoch deutlich an Tempo, was Regisseur Edgar Wright mit seiner ungewohnt highlightarmen Inszenierung kaum auffangen kann. Ein großartiger Glen Powell rettet den immerhin noch soliden Sci-Fi-Actioner aber über die Ziellinie.

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