Schon seit Jahrzehnten ist Liam Neeson förmlich auf fiktive, geradlinige Actionthriller reserviert, in denen er als alternder, knurriger Kämpfer das Recht in die eigene Hand nimmt. Doch zuvor bewies der vielfach preisgekrönte Ire ein Faible für bildgewaltige Historienstoffe – seien sie so schwer wie „Schindlers Liste“, so abenteuerlich-spektakulär wie „Rob Roy“ oder fiebrig-dramatische wie „Die Bounty“.
Ein weiteres ambitioniertes Stück Historienkino, in dem Neeson an der Seite solcher Stars wie Alan Rickman, Julia Roberts und „Troja“-Mime Brendan Gleeson stand, ist „Michael Collins“. Doch trotz eines beachtlichen Budgets von 25 Millionen Dollar, namhaftem Cast und sogleich zwei Oscar-Nominierungen („Beste Kamera“ und „Beste dramatische Filmmusik“) ist das Historien-Epos mittlerweile nahezu in Vergessenheit geraten. Falls ihr es nachholen (oder eure Erinnerung daran auffrischen) möchtet: „Michael Collins“ ist unter anderem via Amazon Prime Video als VoD verfügbar.
Darum geht es in "Michael Collins"
Dublin, 1916: Die Osteraufstände werden durch die britischen Besatzungstruppen blutig niedergeschlagen. Einige Schlüsselpersonen des Widerstands werden exekutiert, andere inhaftiert – darunter Michael Collins (Liam Neeson), ein junger Kämpfer der Irischen Republikanischen Bruderschaft (IRB). Nach seiner Freilassung nimmt er seinen verbissenen politischen Kampf wieder auf und schult die unterjochte irische Bevölkerung in allen erdenklichen Taktiken des Untergrundkampfs.
Sein Ziel ist es, die britische Besatzung durch brutale Guerilla-Aktionen in eine ausweglose Situation zu drängen und somit neue Verhandlungen zu erzwingen. Als er sich eines Tages auf Kompromisse mit den Briten einlässt, kommt es zum folgenschweren Bruch mit seinem einstigen Waffenbruder Eamon de Valera (Alan Rickman)...
Bildgewalt, irische Historie und Rekordzahlen
Roberts ist in „Michael Collins“ als Kitty Kiernan zu sehen, die Verlobte des Titelhelden und Namensgeberin zahlreicher Irish Pubs. Gleeson wiederum wurde als IRA-Geheimdienstoffizier Liam Tobin besetzt. Für Skript und Regie zeichnete Neil Jordan verantwortlich, der Schöpfer des queeren Kriminalthrillers „The Crying Game“ und Regisseur der gefeierten Romanverfilmung „Interview mit einem Vampir“.
Im Falle von „Michael Collins“ musste sich Jordan vielfach die Kritik gefallen lassen, dass er zwar wuchtige, eindrucksvolle Bilder schaffe, sich jedoch nicht substanziell genug mit seiner Titelfigur auseinandersetzen würde. Auch die offizielle FILMSTARTS-Kritik, in der es solide 3 von 5 Sterne gibt, schlägt in diese Kerbe und gibt zudem die „über Gebühr heroisierten“ Schilderungen der Taten Collins' zu bedenken.
In Irland sorgte 1996 außerdem die Altersfreigabe für Diskussionsstoff: Während „Michael Collins“ aufgrund seines Gewaltgrads und des harschen Vokabulars in den USA ein R-Rating erteilt und in Deutschland eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren verpasst bekam, gab es in Irland ein mildes PG-Rating. Nach Kritik, diese Freigabe sei zu niedrig, erklärte der Jugendschutz seine Entscheidung damit, dass Eltern die Möglichkeit haben sollten, selbst zu entscheiden, ob sie ihren Kindern diesen historisch relevanten Stoff zeigen wollen.
Werbeposter wurden dennoch mit dem Hinweis versehen, dass sich „Michael Collins“ nicht für jüngere Kinder eignen würde, weshalb ihn sich Kinder unter zwölf Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen anschauen sollten. Trotzdem (oder vielleicht auch gerade deshalb) hatte das Historien-Epos in Irland gewaltigen Erfolg: Für kurze Zeit hielt „Michael Collins“ mit einem Einspielergebnis von 4,27 Millionen Irischen Pfund den Rekord für den erfolgreichsten Kinofilm in der Geschichte der grünen Insel. Bereits ein Jahr später krallte sich jedoch James Camerons „Titanic“ den Titel.
In den USA und Kanada war „Michael Collins“ weniger Erfolg beschieden: Mit einem Einspielergebnis von rund elf Millionen Dollar reichte es nicht einmal für die Top 100 der Jahrescharts. Und auch in Deutschland, wo der Historienfilm erst 1997 anlief, schlug „Michael Collins“ keinerlei Wellen: Mit weniger als 70.000 verkauften Eintrittskarten flog der Stoff völlig unterm Radar.
Da fand ein Kriegsfilm, in dem Neeson an der Seite von Harrison Ford zu sehen ist, schon mehr Anklang – dabei galt auch er als wirtschaftlicher Flop. Weshalb ihn der „Indiana Jones“-Star dennoch liebt und um welchen Film es eigentlich geht, verraten wir euch im folgenden Beitrag:
"Der Film ist einzigartig": Auf diesen hochspannenden Kriegs-Thriller ist Harrison Ford besonders stolz*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.