"Ich will nichts verkaufen": Vor 33 Jahren legte sich Robin Williams mit einem der mächtigsten Hollywood-Konzerne an
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Sympathieträger Robin Williams lieh einem Blockbuster-Klassiker seine Stimme – und legte sich danach mit den Studio-Gigant Disney an. Wie es zum Zerwürfnis kam und warum die Geschichte doch ein Oscar-gekröntes Ende fand, lest ihr hier.

Eine Danksagung an seinen deutschen Synchronsprecher, sein unermüdlicher Einsatz für Obdachlose oder sein Mitwirken an einem der bedeutendsten Filme der Kinogeschichte – wenn es um Robin Williams geht, türmen sich die Geschichten, die verdeutlichen, wie liebenswürdig und außergewöhnlich der 2014 verstorbene Schauspieler und Komiker war.

Doch innerhalb seiner vielschichtigen Karriere findet sich auch ein Kapitel, das viele so vermutlich nicht mit ihm in Verbindung bringen würden: Der gefeierte Entertainer legte sich mit keinem Geringeren als der Walt Disney Company an – einem der mächtigsten Konzerne der Filmwelt. Was war passiert? Ein Rückblick auf eine Auseinandersetzung, die zeigt, dass selbst große Studios nicht unangreifbar sind.

Im Jahr 1992 übernahm Robin Williams für Disney die Rolle des Dschinni im Animationsklassiker „Aladdin“. Es war eine Besetzung, die den Film prägte und nachhaltig veränderte. Nicht die Titelfigur, nicht Prinzessin Jasmin und auch nicht der fliegende Teppich blieben dem Millionenpublikum am eindrücklichsten im Gedächtnis – es war der blaue, energiegeladene Dschinni, dessen Humor, Stimmgewalt und Tempo untrennbar mit Williams’ Talent verbunden sind.

Williams hauchte dem cholerisch-liebevollen Geist eine solch mitreißende Persönlichkeit ein, dass man rückblickend sagen muss: Ohne ihn wäre der Film niemals zu dem geworden, was er heute ist. Und doch begann der Zwist mit dem Studio genau dort, wo der Erfolg endete – nach dem Kinostart.

Williams wollte kein Verkäufer für Disney sein

Etwa ein Jahr nach Veröffentlichung von „Aladdin“ war Robin Williams zu Gast in der „Today Show“, um seinen damals neuen Film „Mrs. Doubtfire“ vorzustellen. Doch statt nur über die Familienkomödie zu sprechen, nutzte er die Gelegenheit, um seinem Ärger über Disney öffentlich Luft zu machen.

„Wir hatten ein Abkommen“, erklärte er im Gespräch (via Los Angeles Times). „Ich mache die Stimme – nicht wegen des Geldes, sondern weil ich Teil dieser Animations-Tradition sein wollte. Ich wollte etwas für meine Kinder machen. Aber ich sagte: Ich will nichts verkaufen – keine Burger, kein Spielzeug, keine Produkte.“

Williams hatte Disney im Vorfeld der Aufnahmen klar gemacht, dass seine Stimme nicht für Werbezwecke oder Merchandising verwendet werden dürfe. Doch laut seiner Darstellung hielt sich das Studio nicht an diese Zusage. Stattdessen sei seine Performance als Dschinni genutzt worden, um Werbespots und kommerzielle Produkte zu bewerben. Für Williams ein glasklarer Vertragsbruch – und ein Vertrauensverlust, der ihn tief traf.

In seinem typischen Sarkasmus formulierte er das so: „Jetzt weiß man, warum die Disney-Maus nur vier Finger hat – damit sie keinen Scheck ausstellen kann.“

Hollywood ist irritiert – Disney kontert

Williams’ öffentliche Kritik sorgte in Hollywood für Irritationen. Zwar wurde seine Enttäuschung nachvollzogen, doch manche Beobachter zeigten auch Unverständnis. Immerhin war es Disney, das mit Filmen wie „Good Morning, Vietnam“ (1987) und „Der Club der toten Dichter“ (1989) dazu beigetragen hatte, Robin Williams nicht nur als Komiker, sondern auch als ernstzunehmenden Charakterdarsteller zu etablieren.

Auch seitens des Studios hagelte es Widerspruch. Laut internen Quellen seien sämtliche Werbematerialien – inklusive jener mit Williams’ Stimme – ihm und seiner Frau Marsha zur Freigabe vorgelegt worden. „Er hat dem Deal zugestimmt – und als der Film ein Hit wurde, war er mit den Bedingungen nicht mehr zufrieden“, so die nicht namentlich genannte Quelle. Als Geste der Anerkennung überreichte Disney dem Schauspieler später sogar ein echtes Picasso-Gemälde.

Fakt ist: „Aladdin“ spielte weltweit über 346 Millionen US-Dollar ein – ein bemerkenswerter Erfolg für die frühen 1990er. Inflationsbereinigt entspricht das heute etwa 739 Millionen Dollar – ein klarer Beweis dafür, dass Disneys Adaption des orientalischen Märchens ein weltweiter Kinohit war. Ebenso wie das gleichnamige Remake mit Will Smith als Flaschengeist. Die Live-Action-Adaption spielte 2019 global über eine Milliarde US-Dollar ein und ist bei Disney+ streambar.*

Jahre später gab's die Versöhnung – und einen Oscar

Als Williams gefragt wurde, ob er jemals wieder mit Disney arbeiten würde, antwortete er zunächst entschieden: „Ich glaube nicht.“ Doch es sollte anders kommen. Für das Direct-to-Video-Sequel „Aladdin und der König der Diebe“ kehrte Robin Williams 1996 doch noch einmal ins Reich der Maus zurück – als Stimme des Dschinni.

Diesmal jedoch unter anderen Bedingungen: Er erhielt eine Gage von einer Million US-Dollar und – nicht weniger bedeutend – eine persönliche Entschuldigung von Joe Roth, der zwischen 1994 und 2000 als Chairman bei Walt Disney fungierte.

Danach war Williams immer wieder an Projekten beteiligt, in denen Disney – zumindest als Produktionspartner – involviert war. Darunter etwa „Good Will Hunting“ (1997), ein Film, der nicht nur als Durchbruch für Matt Damon und Ben Affleck gilt, sondern auch als krönender Moment für Williams’ Karriere.

Für seine Darstellung des sensiblen, menschlich geprägten Therapeuten Sean Maguire wurde er 1998 mit dem Oscar als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Damon und Affleck erhielten die Trophäe für das beste Originaldrehbuch.

Robin Williams’ Konflikt mit Disney war mehr als eine Auseinandersetzung – es war ein Kampf um künstlerische Integrität, Respekt und Grenzen zwischen Kreativarbeit und Kommerz. Und obwohl die Versöhnung schließlich doch noch gelang, bleibt dieser Vorfall ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sehr Williams für seine Überzeugungen einstand.

Es war nicht das erste Mal, dass sich Robin Williams gegen eine Hollywood-Größe entschied. Einst war er sogar für ein Projekt von George Lucas und Marvel vorgesehen – doch er stieg frühzeitig aus. Mehr dazu im folgenden FILMSTARTS-Artikel.

Robin Williams hatte die Hauptrolle in einem legendären Marvel-Flop von George Lucas – hat aber nach nur drei Tagen hingeschmissen!

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