"Karate Kid: Legends" hat Jackie Chan, Spider-Man-Vibes und Vollkontakt-Action: Wir sprechen darüber mit Regisseur Jonathan Entwistle
Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Mit „Karate Kid: Legends“ wird ab sofort im Kino ein neues Kapitel im vielfältigen „Karate Kid“-Franchise aufgeschlagen. Wir haben mit Regisseur Jonathan Entwistle über seinen Film, Jackie Chan und die Wirkung seiner Action gesprochen.

In „Karate Kid: Legends“ (ab dem heutigen 29. Mai 2025 in den Kinos) treffen die bisherigen Universen aufeinander. Ralph Macchio aus den Original-„Karate Kid“-Filmen sowie der Serie „Cobra Kai“ macht mit Jackie Chan aus dem „Karate Kid“-Remake gemeinsame Sache. Zusammen müssen sie ein neues „Karate Kid“ trainieren: Li Fong (Ben Wang).

Dass der zu Beginn bereits ein erstklassiger Kung-Fu-Kämpfer ist und selbst als Trainer den Ex-Boxer Victor (Joshua Jackson) unter seine Fittiche nimmt, gehört zu den großen Unterschieden gegenüber dem Original. Es erlaubt den Machern um Regisseur Jonathan Entwistle bei der Action direkt in die Vollen zu gehen. So sprechen wir im Interview mit dem Filmemacher natürlich vor allem darüber, was sein Ansatz bei der Inszenierung der Kampfszenen war und wie die Zusammenarbeit mit Jackie Chan und dessen Stuntteam lief.

Sony Pictures / Webedia GmbH
"Karate Kid: Legends"-Regisseur Jonathan Entwistle beim Zoom-Interview mit FILMSTARTS-Redakteur Björn Becher

Daneben reden wir auch über einige Filmtricks, die unter anderem eine Verbindung zum Original ermöglichen, einen Finalkampf auf einem Wolkenkratzer und New York als neuen Schauplatz der Reihe. Bei der Gestaltung der Metropole hat auch die Marvel-Liebe des bislang vor allem für die Netflix-Serien „I Am Not Okay With This“ und „The End Of The F***ing World“ bekannten Regisseurs eine wichtige Rolle gespielt. Doch auch bei seiner Hauptfigur zieht er Parallelen zu Marvel...

Ein neues Karate Kid – auf den Spuren von "Spider-Man" Peter Parker

FILMSTARTS: Wenn du deinem zwölfjährigen Ich sagen könntest, dass du eines Tages einen „Karate Kid“-Film drehen wirst – mit Jackie Chan in der Hauptrolle – wie würde er reagieren?

Jonathan Entwistle: Er würde mir nicht glauben.

FILMSTARTS: Wie war das für dich dann heute? Konntest du es glauben, als die Anfrage kam: „Hey, willst du einen ‚Karate Kid‛-Film machen – mit Jackie Chan und mit Ralph Macchio?“

Jonathan Entwistle: Das war ein großartiger Moment. Ich war bereits seit einiger Zeit Fan von „Cobra Kai“ und hatte alle bisherigen Folgen gesehen. Das Drehbuch hat mich dann positiv überrascht, weil es mir die Möglichkeit bot, noch einmal in einer etwas anderen Welt zu spielen – mit einem Kind, das bereits ein Martial-Arts-Könner ist.

Zudem faszinierte mich die Figur Li Fong sofort. Er hat etwas von „Spider-Man“ Peter Parker. Wenn wir ihn zum ersten Mal kämpfen sehen, ist er auch einfach badass. Das ist sehr ungewöhnlich für das Franchise – normalerweise geht es um Lernen und Lehren und um die Komik, die dabei entsteht. Das haben wir in diesem Film nicht – jedenfalls nicht von Anfang an.

Das neue Sony Pictures
Das neue "Karate Kid" Li Fong ist bereits ein Badass-Kämpfer.

FILMSTARTS: Du spielst auf Li Fongs ersten Kampf in einem Hinterhof an. Was war dein Ansatz bei der Action-Inszenierung – gerade im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit diesem außergewöhnlichen Team? Du hast schließlich einen Jackie Chan, der sicher sehr genaue Vorstellungen hat und auch sein berühmtes Stuntteam mit zum Projekt brachte. Dazu war mit Peng Zhang ein renommierter Stunt-Koordinator an deiner Seite. Wie habt ihr euch ergänzt und unterschiedliche Ideen unter einen Hut gebracht?

Jonathan Entwistle: Mir war erst einmal von Anfang an wichtig: Wenn das Wort „Karate“ schon im Titel steht, dann sollten wir den Film auch aus einer Martial-Arts-Perspektive heraus denken – und nicht als ein Effekt-getriebenes Actionkino mit schnellen Schnitten, wie man es in vielen Produktionen, gerade im TV, sieht.

Wir wollten, dass es auf der großen Leinwand wirklich nach etwas aussieht und dass die Kämpfe herausragend sind. Ich wollte, dass sich das Ergebnis wie ein früher Jackie-Chan-Film mit einem Hauch Anime-Qualität in den Kämpfen anfühlt. Jackie und Peng haben mit diesem Ansatz wunderschöne Choreografien entwickelt – und sie heben die in der Umsetzung dann nochmal auf ein anderes Level.

Für mich sollten die Kämpfe sich zudem anfühlen wie Songs in einem Musical – sie erzählen etwas. Am Ende eines Kampfes steht Li Fong immer an einem anderen Punkt als zu Beginn. Peng hat es geschafft, die Choreos bis zu einem Crescendo zu treiben – und dann kommt der Knall, und die Szene endet.

Jackie Chan inszeniert sich quasi selbst!

Bei Jackie ging es dagegen stark auch um die Requisiten. Er hat sich die bis dato existierende Choreografie angeschaut und gesagt: „Was, wenn ich diesen Schuh nehme und ihn werfe?“. Und so hat er immer weiter zusätzliche Elemente eingebaut – auch weil er ununterbrochen an einer Szene arbeitet. Er inszeniert sich im Grunde selbst. Jackie und seinem Team geht es immer darum, in jeder Szene den nächsten Gag, Schlag und Schmerz zu verkaufen.

Und um das zu erreichen, arbeiten sie beim Dreh die meiste Zeit mit echtem Kontakt. Da allein zuzuschauen, war beeindruckend. Und das Ergebnis von dieser Vollkontakt-Action sieht und spürt man auf der Leinwand – und es überträgt sich auf den übrigen Cast.

Nimm den Boxkampf. Der wurde vom gleichen Team choreografiert und Joshua Jackson wollte kein Stunt-Double. Das ist Joshua in jeder einzelnen Einstellung. Er hat gesehen, wie hart alle arbeiten, und gesagt: „Ich will dazugehören.“

Auch Joshua Jackson wollte seine Actionszenen selbst drehen. Sony Pictures
Auch Joshua Jackson wollte seine Actionszenen selbst drehen.

FILMSTARTS: Wenn du schon Joshua Jackson erwähnst. Seine Figur Victor hat einen überraschend großen Handlungsstrang – mit dieser schönen Umkehrung: Das „Karate Kid“ wird selbst zum Mentor. Warum war dir diese Figur und dieser Handlungsstrang offensichtlich so wichtig?

Jonathan Entwistle: Genau diese Umkehrung stand als Idee am Anfang: Das Kind ist auf einmal der Mentor.

Wir verknüpfen in unserem Film die Themen Karate, Kung-Fu, Martial Arts und die Miyagi-Philosophie miteinander – ohne zu sagen: „Das ist jetzt offiziell eine Fortsetzung aller bisherigen Geschichten“. Mit Victor fanden wir einen Weg, die Miyagi-Philosophie einzubauen.

Was Li ihm beibringt, ist schließlich kein spezieller Tritt oder Schlag – kein Kranich-Tritt zum Beispiel. Er bringt ihm bei, dass das, was er bereits kann – Pizza machen und gut boxen – reicht. Darum geht es bei Miyagi und in dieser Szene. In der Montage sieht man: Li macht eigentlich gar nichts. Er bringt Victor nur dazu, wieder an sich zu glauben. Und das ist etwas, das zum Kern von „Karate Kid“ gehört.

Hauptdarsteller Ben Wang – die Nadel im Heuhaufen!

FILMSTARTS: Wir müssen über Ben Wang sprechen. Es spielt eine sehr fordernde Rolle und man sieht, wie viel er selbst gemacht hat. Ich habt ja einen öffentlichen Casting-Call gemacht, bei dem sich jeder bewerben konnte. Wie viele Leute habt ihr euch angeschaut – und warum war Ben die beste Wahl?

Jonathan Entwistle: Wir haben Hunderttausende von Tapes gesehen. Es war wirklich wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Ich brauchte jemanden, der Mandarin als Muttersprache spricht, in Amerika lebt und dieses Lebensgefühl kennt, gleichzeitig ein hervorragender Schauspieler ist, der einen Hollywood-Film tragen kann – und obendrein auch noch alle Martial-Arts-Szenen selbst vor der Kamera umsetzen kann. Es war fast unmöglich, jemanden zu finden, der alles mitbringt. Wir haben viele gefunden, die zwei oder vielleicht drei der vier Voraussetzungen erfüllten.

Ich wollte für diese neue Generation eine Figur finden wie Marty McFly oder Peter Parker. Und Ben war genau das. Als ich sein Tape sah, war meine erste Reaktion: „Wow“, denn er brachte diese Energie sofort mit. Als er uns dann noch ein paar Kampfsport-Tapes schickte, dachte ich: „Okay, das klappt!“

Vor allem hat er dann aber Tag und Nacht mit dem Stunt-Team trainiert. Er wollte an dem Tag, wenn Jackie Chan das erste Mal ans Set kommt, ihm direkt zeigen, dass er wirklich alles selbst kann. Dafür hat er so hart gearbeitet. Ben hat die „Karate Kid“-Geschichte mit diesem Training selbst gelebt – und das sieht man im Film.

Ben Wang wollte auch Jackie Chan beweisen, dass er Action kann. Sony Pictures
Ben Wang wollte auch Jackie Chan beweisen, dass er Action kann.

FILMSTARTS: Wir müssen natürlich über die Eröffnungsszene reden. Wie habt ihr die realisiert und Mr. Miyagi in euren Film eingebaut, ohne dass es billig wirkt, sondern Respekt und Liebe für die Figur zeigt?

Jonathan Entwistle: Wir haben uns natürlich die bisherigen Filme angeschaut. Und in „Karate Kid 2“ – ein Film, den ich liebe, weil er actionreicher ist als der erste – haben wir eine Szene gefunden, in der Mr. Miyagi über die Familie Han spricht. Das ist die Verbindung zu Jackie Chans Figur im 2010er-Film.

Doch der wahre Goldschatz war, dass wir auf das originale Filmmaterial von damals zurückgreifen konnten – auf all die Tagesaufnahmen und zwar auch auf jene, die nicht verwendet wurden. Und Teile davon waren sogar bereits in 4K gescannt. So konnten wir aus diesem alten Material aus den Tresoren des Studios gemeinsam mit Szenen aus dem Originalfilm diese Eröffnungssequenz montieren.

Ein Film-New-York wie in den Marvel-Comics!

FILMSTARTS: Der neue Film spielt in New York, gedreht habt ihr in Montreal. Wie wichtig war es dir, dich vom kalifornischen Setting des Großteils des Franchise zu entfernen und einen neuen Helden auch in einer neuen Stadt zu erzählen?

Jonathan Entwistle: Ja, das war mir sehr wichtig, aber ich wollte ein gemütliches Film-New-York erschaffen. Ich wollte nicht, dass man denkt: „Oh, dieses Gebäude ist an dieser Straße, das ist diese U-Bahn-Station.“ Menschen, die New York lieben, kennen jede Ecke. Aber ich wollte, dass es sich eher anfühlt wie das New York aus einem Marvel-Comic, wo Queens nur fünf Minuten mit dem Fahrrad vom Central Park entfernt ist – so wie ich es aus den alten „X-Men“- und „Spider-Man“-Comics kenne. Das ist also Peter Parkers New York.

Dieses Gefühl kann man erzeugen, wenn man die Metropole aus verschiedenen Städten zusammenbaut. Montreal ist dabei ein fantastischer Ersatz für New York. Wir hatten aber auch die Möglichkeit, ein wenig in New York selbst zu drehen. Unsere ganzen Fahrszenen entstanden bei perfektem Licht dank tollem Wetter. Wir haben aber auch in Atlanta und Los Angeles gedreht und daraus dann diese Welt zusammengesetzt.

Gekämpft wird in New York. Sony Pictures
Gekämpft wird in New York.

FILMSTARTS: Und ihr habt dieses große Finale auf dem Dach eines Wolkenkratzers, was ihr aber natürlich nicht in Gänze an einer echten Location drehen konntet. Stimmt es aber, dass ihr die Szene komplett in einem Studio am Boden gedreht habt?

Jonathan Entwistle: Ja, wir haben mit der The-Volume-Technologie [Anm.: bekannt unter anderem durch „The Batman“ und „The Mandalorian“] gearbeitet. Wir haben dafür das komplette Set des Hochhausdachs gebaut – inklusive Aufzugsschacht. Alles, was die Schauspieler berühren, ist echt. Aber alles ist umgeben von 12-Meter-hohen Curved-LED-Screens. Wir sind nach New York gefahren und haben bei Sonnenuntergang reale Aufnahmen gemacht, die wir dann auf den riesigen Leinwänden abgespielt haben. Das ist also ein echtes Hintergrundbild – nur mit etwas visuellen Effekt und Nachbearbeitung verändert, sodass alles diesen ewigen Sonnenuntergangslook bekommt.

Mit noch ein paar Windmaschinen und der Arbeit unseres wunderbaren Kameramanns haben wir so ein Finale hinbekommen, das real aussieht und gleichzeitig ungewöhnlich ist. Das Beste war: Wir konnten tagelang bei „ewigem Sonnenuntergang“ drehen. Das wäre draußen gar nicht möglich, weil man nie jeden Tag das perfekte Wetter hat.

Mir war es aber wichtig, dass das Finale eine gewisse Größe hat – wie bei einem „Herr der Ringe“-Film, wo der große Kampf auf dem Gipfel des Berges stattfindet. Dieses Gefühl wollte ich mit dem Turnierfinale auf dem Dach eines Wolkenkratzers erzeugen.

Karate Kid: Legends
Karate Kid: Legends
Starttermin 29. Mai 2025 | 1 Std. 34 Min.
Von Jonathan Entwistle
Mit Ben Wang, Jackie Chan, Ralph Macchio
User-Wertung
3,8
Filmstarts
3,5
Im Stream

FILMSTARTS: Du hast im Interview mehrfach deine Liebe für Marvel-Comics erwähnt. Gibt es eigentlich ein Marvel-Projekt, bei dem du sagen würdest: „Hey Kevin Feige, ruf mich an, das will ich machen“?

Jonathan Entwistle: Ich hatte große Freude daran, meinen ersten richtigen Kinofilm zu machen und würde absolut gern einen weiteren großen, spannenden Kino-Blockbuster in Angriff nehmen. Also meine Antwort ist daher nur: „Hey Kevin, ruf mich an – egal, was du bei Marvel gerade planst.“ Ich bin mit diesen Geschichten aufgewachsen und liebe sie. Ich würde gerne meinen Stil, besonders den Kampfstil, in ein Marvel-Projekt einbringen – am besten etwas Rohes, Handfestes.

"Karate Kid: Legends": "Drunken Master" trifft "Spider-Man"

FILMSTARTS: Bei deiner Begeisterung für das Genre muss ich noch zum Abschluss fragen: Gab es einen Actionfilm, der dich dazu gebracht hat, selbst mal Actionfilme machen zu wollen? Einen bestimmen Film, mit dem du aufgewachsen bist?

Jonathan Entwistle: Interessanterweise waren das gar nicht unbedingt die Martial-Arts-Filme. Es waren eher diese älteren 80er-Jahre-Filme mit etwas überhöhter Action - wie zum Beispiel „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“. Dieses Genre liebe ich ohnehin - auch die „Fluch der Karibik“-Filme, „Das Vermächtnis der Tempelritter“, „Tomb Raider“ – all diese Filme mit einer Art von Action, die Spaß macht und sich so nach Kino und nicht nach kleinem Bildschirm anfühlt. Davon will ich wieder mehr auf der großen Leinwand sehen.

Aber natürlich gibt es auch Jackie Chan. Meine Begeisterung, mit ihm zu arbeiten, kam auch daher, dass ich dachte: Wie können wir „Drunken Master“ mit „Spider-Man“ kombinieren? Wie kriegt man das hin? Das war mein Versuch mit diesem Film.

Karate Kid: Legends“ läuft ab sofort in den deutschen Kinos!

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren