Noch packender als "F1" mit Brad Pitt: Heute Abend könnt ihr ein Rennsport-Meisterwerk streamen, das euch den Atem raubt
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Ob athletische Kampfkunst, die ehrfürchtig-ruhig gefilmt ist, oder explosiv-lärmender Hollywood-Bombast: Im Action-Kino ist er flexibel – eine konsequente Umsetzung ist für ihn aber stets ein Bonus.

Fast 60 Jahre vor „F1 – Der Film“ begab sich bereits „Grand Prix“ mitten ins Formel-1-Getümmel und nutzte dies für beeindruckende Bilder und Rennsequenzen, die heute noch den Atem stocken lassen. Erlebt den Klassiker jetzt im Stream!

Wer Formel 1 liebt, sollte dringend die Gelegenheit ergreifen, „F1 – Der Film“ auf der größtmöglichen Leinwand mit dem wuchtigsten Soundsystem zu schauen. Denn der mit Brad Pitt besetzte Film von „Top Gun: Maverick“-Regisseur Joseph Kosinski ist eine kostspielige Hochglanzproduktion, der man jeden einzelnen Dollar ihres Budgets ansieht.

Doch „F1“ ist nicht der einzige Pflichttitel für alle, die dröhnende Motoren und sich in pfeilschnelle Boliden quetschende Adrenalinjunkies mögen. Es gibt einen Rennsportfilm, der noch aufregender ist: Grand Prix ist ein waschechtes Leinwandepos nach alter Schule, das im Formel-1-Kosmos spielt und einige der besten Rennsequenzen der Filmgeschichte bietet. Und es ist unter anderem bei Amazon Prime Video verfügbar:

Darum geht es in "Grand Prix"

1966: Der für Ferrari fahrende, zweifache Weltmeister Jean-Pierre Sarti (Yves Montand) spürt, dass das Ende seiner Karriere hinter der nächsten Kurve lauert und wird zunehmend zynischer. Aber die bislang am Motorsport desinteressierte Journalistin Louise Frederickson (Eva Marie Saint) weckt neue Lebensgeister in ihm.

Der ebenso charmante wie arrogante Nino Barlini (Antonio Sabàto) gilt bei Ferrari derweil als Nummer zwei. Doch solange er genug Essen bekommt und hübschen Frauen zulächeln kann, begnügt er sich mit dem Wissen, dass seine Stunde noch schlagen wird. Treue spielt in seiner Beziehung zur jungen Lisa (Françoise Hardy) nämlich nur eine untergeordnete Rolle...

Der rücksichtslose Amerikaner Pete Aron (James Garner) wiederum wird als gescheiterte Existenz angesehen. Doch ausgerechnet Pat Stoddard (Jessica Walter), die Frau seines Rennstallkollegen Scott (Brian Bedford), hält große Stücke auf ihn – ebenso wie der Unternehmer Izo Yamura (Toshirō Mifune). Im Laufe der Saison bietet dieses Beziehungsgeflecht immer neuen Zündstoff...

"Grand Prix" und "F1": Zwei Enden eines rund sechs Dekaden langen Zeitstrangs

Es gibt Parallelen zwischen „F1“ und „Grand Prix“, die aus filmhistorischer Sicht ebenso interessant sind wie im Hinblick auf die Motorsport-Chronik: Die „F1“-Crew bekam zuvor ungeahnten Zugang zum realen Geschehen und war bei der Saison 2023/2024 quasi mittendrin statt nur dabei. Das Team hinter „Grand Prix“ wurde nicht durchweg mit derart offenen Armen empfangen, erarbeitete sich allerdings sukzessive das Vertrauen mehrerer Fahrer und einzelner Rennställe – so dass Ferrari sogar seine heiligen Produktionshallen für Dreharbeiten öffnete.

Bei beiden fast 60 Jahre voneinander entfernten Produktionen wurden die Rennsequenzen auf den Original-Pisten an echten Rennwochenenden mit modifizierten Boliden gedreht, was für herausragende Authentizität sorgt. Und in beiden Fällen floss ungeheuerliches Know-how in die Entwicklung kleiner, widerstandsfähiger Kamerasysteme, um spektakuläre, zuvor unvorstellbare Aufnahmen zu erlangen. Kurzum: Wenn man sich „F1“ und „Grand Prix“ nacheinander anschaut, erlebt man eine faszinierende Zeitreise durch Film- und Motortechnologie sowie durch cineastischen Stil und die wandelnde Ästhetik des Rennsports.

"F1" hat sich bei "Grand Prix" manches abgeguckt

Es gibt spezifische Elemente in „F1“, die Referenzen auf „Grand Prix“ sein müssen. Immerhin bezeichnete der für die Story des Pitt-Vehikels mitverantwortliche Kosinski den Klassiker als cineastischen Meilenstein – Ähnlichkeiten dürften also beabsichtigt sein. Wie die Darstellung von Pitts Figur als rücksichtslos, gealtert und Entscheidungsträger bei einem jungen Team. Oder Szenen, die Figuren zeigen, wie sie vor Rennbeginn die Strecke ablaufen.

Trotzdem sollte man „F1“ nicht als inoffizielles „Grand Prix“-Remake abtun – die Filme sind viel eher sich ergänzende Puzzleteile. „F1“ nimmt einen (fiktiven) Rennstall in den Fokus, thematisiert (ungewöhnliches) Teamwork und will so oft wie möglich den Geschwindigkeitsrausch der Fahrer einfangen.

„Grand Prix“ hat selbstredend ebenfalls Momente, die pures Adrenalin sind. Wenn etwa in den berühmten, hohen Kurven Monzas die Fliehkräfte auf die Boliden einwirken und das davon bedingte Zittern des Wagen und des Fahrers in glorreicher Cinerama-Filmqualität festgehalten wird – das ist sensationell! Doch da Drehbuchautor Robert Alan Aurthur und Regisseur John Frankenheimer mehrere Rennställe behandeln, der FIA nichts schuldig waren, und sich zwischen den Rennen die Zeit nehmen, Fehden sowie Glücksmomente ruhig zu schildern, ist „Grand Prix“ nicht allein die filmische Erfüllung des Traums, selbst am Steuer zu sitzen.

Der Klassiker von 1966 vereint den (nunmehr: nahezu) einmaligen, unmittelbaren Zugang zum Geschehen mit dem Gefühl, gebannt eine dramaturgisch filmreife Ausnahme-Rennsaison zu verfolgen – mit Lieblingen, Hassobjekten und heimlichen Favoriten, mit Spannung schürendem Medienrummel, beschämend schnell abgehakten Tragödien und Ungeduld anheizender Vorfreude.

Schmutz statt Hochglanz

„F1“ ist eine Hochglanzproduktion, „Grand Prix“ ist von Staub, Dreck, herumfliegendem Stroh und Rasen, Schweiß, Öl und Blut geprägt: Es ist ein Film, der den morbiden Voyeurismus kanalisiert, der untrennbar damit verbunden ist, möglichst nah dabei sein zu wollen, wenn Männer in Metallsärgen hocken und mit Affenzahn durch riskante Kurven fliegen. Das wird in keiner Sequenz deutlicher als beim Großen Preis von Belgien, im vom Regengott verfluchten Spa.

Laxe Sicherheitsbestimmungen führten früher dazu, dass Anlieger während des Rennens über die Strecke liefen und überall herumkraxelten, um einen besseren Blick zu erlangen. Frankenheimer inszeniert das als Tanz auf Messers (klatschnasser, dennoch hochgefährlicher) Schneide – und findet auch für jedes andere Rennen einen eigenen thematischen Schwerpunkt sowie stilistischen Ansatz. Mit diesem Ansatz erhält jede Strecke eine klar erkennbare Persönlichkeit, jedes Wettrennen eine deutliche, individuelle Dynamik.

Das hält den Film in Bewegung, gewährt Formel-1-Fans außergewöhnliche Perspektiven und vermittelt Rennsportmuffeln wenigstens für die Dauer des Films, dass Formel 1 eben nicht monoton ist. Der den Film eröffnende Große Preis von Monaco etwa ist, passenderweise, haarsträubendes Spektakel und sportlicher Prunk pur.

Beim Großen Preis der Niederlande tobt sich dagegen das mit dem Oscar prämierte, vierköpfige Cutter-Team (Fredric Steinkamp, Henry Berman, Stewart Linder & Frank Santillo) richtig aus und zelebriert die Formel 1 als vitales und stylisches Sport-Event. Ein kurzes, munteres Auflodern der leichtfüßigen Begeisterung zwischen all dem riskanten Leichtsinn, der einfach fesselt!

Spannend und waghalsig geht es übrigens auch in unserem folgenden Streaming-Tipp zu:

Heute Abend streamen: Dieser außergewöhnliche Überlebenskampf lässt euch Mitfiebern bis zur letzten Sekunde!

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