Diese surreale Gewaltorgie stand fast 40 Jahre auf dem Index: Nun gibt es sie uncut und in 4K als Hammer-Deal bei Amazon
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Diese irre Verschmelzung aus blutigem FSK-18-Horror, Sex-Farce und groteskem Humor ist einer der Lieblingsfilme von „Drive“-Regisseur Nicolas Winding Refn: Jetzt gibt es sie besser denn je und spottbillig im Heimkino.

PLAION PICTURES

Es ist ein filmisches Frankenstein-Monster aus Horror, Erotik, provokanter Kunst und grotesk-grellem Humor: „Andy Warhol's Frankenstein“ ist ein ebenso süffisanter wie gewollt sperriger Ansatz, Mary Shelleys legendären, schaurigen Sci-Fi-Roman „Frankenstein“ neu zu adaptieren. Und er sorgte quasi mit Ansage in vielen Ländern für Stress mit dem Jugendschutz. Der Gewalt- und Sex-Exzess wurde etwa in Italien in seiner Ur-Fassung verboten und erst nach Dialogzensur sowie einigen Kürzungen ins Kino entlassen.

In Deutschland ergatterte der Film 1973 ungeschnitten eine FSK-Freigabe ab 18 Jahren – ins Heimkino gelangte er dagegen ungeprüft. Von 1985 bis 2024 befand er sich dann ungekürzt auf dem Index – im Handel lag daher lange Zeit nur eine um mehr als zehn Minuten gestutzte FSK-16-Version aus. Doch mittlerweile gibt es „Andy Warhol's Frankenstein“ ungekürzt im Heimkino – in 4K-Qualität als 3-Disc-Mediabook!

Das Mediabook existiert auch mit alternativem Cover* und enthält neben einer 4K-Disc des Films auch „Andy Warhol's Frankenstein“ auf regulärer Blu-ray und in einer 3D-Fassung: Ursprünglich wurde der Skandalfilm nämlich im Space-Vision-3D-Verfahren ins Kino gebracht – jetzt endlich kann man das Erlebnis im Heimkino wiederaufleben lassen!

Gut zu wissen: Im Zuge der Prime Day Angebote* gibt es den provokanten Kultfilm nur für kurze Zeit zum Super-Sonderpreis! Um den Rabatt zu erhalten, benötigt ihr ein Prime-Abo.

Inzest, Gott-Komplex und Leichenfledderei: Das ist "Andy Warhol's Frankenstein"

Baron Frankenstein (Udo Kier) hat einen wahnsinnigen Plan: Er will eine neue, (vermeintlich) perfekte Menschenart erschaffen – und die soll ihm untertan sein! Um dieses Ziel zu erreichen, setzt der Größenwahnsinnige aus Leichenteilen eine Frau und einen Mann zusammen, damit sie vollkommene, unterwürfige Kinder in die Welt setzen.

Eines fehlt Frankenstein aber zu seinem Glück: Ein prachtvoller Männerkopf für eines seiner Geschöpfe! Als sich der Baron endlich einen besorgt, hat er ein unglückliches Händchen: Er erwischt ausgerechnet das Haupt des keinerlei sexuelles Interesse an Frauen zeigenden Sacha (Srdjan Zelenovic), der vorhatte, Mönch zu werden. Was für eine Katastrophe! Und dann geht auch noch die Gattin und Schwester des Barons (Monique van Vooren) dem vom Pech verfolgten Wissenschaftler fremd...

Provokant-blutiges Ekelvergnügen

Dem Titel zum Trotz wurde „Andy Warhol's Frankenstein“ von Paul Morrissey inszeniert. Der Filmkünstler war mit Warhol befreundet – und der Legende nach schlug Warhol ihm vor, seinen Namen zu nutzen, um diesem Filmprojekt mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Warhol besuchte daraufhin mehrmals das Set und schaute im Schnitt vorbei – dennoch ist der FSK-18-Wahnsinn das ungefilterte Produkt Morrisseys.

Der wollte mit einer ekstatischen Orgie der Gewalt Erzkonservative provozieren und gleichzeitig mit grotesken Figurenkonstellationen und den abgeschmackt-lächerlichen Konsequenzen ihres Handelns über die Freie-Liebe-Bewegung herziehen. Eine weitere Zielscheibe des Spotts dürfte selbsterklärend sein:

Der schurkische Baron spricht im Original mit einem lächerlichen deutschen Akzent, träumt von einer Herrenrasse, und eine seiner abscheulichen Reden ist mit Wagner-Musik unterlegt – deutlicher geht es kaum. Bei diesem wilden Mix an Seitenhieben, die in unterschiedliche Richtungen ausgeteilt werden, kam eine blutige Horror-Groteske zustande, die schwer vergleichlich ist:

Der Film schwankt selbstbewusst zwischen eleganten, surrealen, widerlichen und absurden Bildern, spornt Kier (einmal mehr) zu einer maßlos übertriebenen Performance an und zieht erzählerisch Genrekonventionen ins Lächerliche. Das führte dazu, dass „Andy Warhol's Frankenstein“ von Time Out unter die 100 besten Horrorfilme aller Zeiten gewählt wurde – wozu auch das 3D-Element beigetragen hat.

Andy Warhol's Frankenstein
Andy Warhol's Frankenstein
1 Std. 35 Min.
Von Paul Morrissey
Mit Joe Dallesandro, Udo Kier, Monique van Vooren
User-Wertung
2,8

Außerdem nannte „Drive“-Regisseur Nicolas Winding Refn „Andy Warhol's Frankenstein“ gegenüber Criterion einen seiner zehn Lieblingsfilme – und den einzigen Film, bei dem er sich wünscht, er hätte ihn gemacht. Für die Spezialeffekte in diesem feist grinsenden Gewaltexzesses war übrigens Carlo Rambaldi verantwortlich, der Oscar-Preisträger hinter den Tricks in „Alien“, „E.T.“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“.

Rambaldi beteiligte sich darüber hinaus an „Andy Warhol's Dracula“, dem filmischen Bruder von „Andy Warhol's Frankenstein“. Und wenn ihr noch mehr Horrorfutter für euer Heimkino sucht: Gebt doch auch unserem folgenden, viel zu unbekannten Sci-Fi-Horror-Heimkino-Tipp eine Chance!

Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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