Während James Bond und seine Trittbrettfahrer das Agentendasein oftmals als verführerisches Abenteuer voller Glanz und Glamour darstellen, gibt es einen Namen, der über dem kompletten Gegenentwurf thront: Der Schriftsteller John Le Carré wurde quasi zur Spitzenmarke schlechthin, wenn es um Anti-Bond geht – ruhig erzählte, langsam brodelnde Spannung über sorgsame, unauffällige Spionagearbeit.
Das Schaffen des erfolgreichen Autoren wurde mehrfach verfilmt, darunter mit dem starbespickten, eindringlich gefilmten Gary-Oldman-Vehikel „Dame, König, As, Spion“. Ihren Anfang nahm die Reihe an John-Le-Carré-Adaptionen bereits 1965 mit einem Klassiker des Spionagekinos, der nun eine Heimkino-Neuauflage erhalten hat: Diese Woche ist „Der Spion, der aus der Kälte kam“ auf Blu-ray erschienen!
Seine deutsche Blu-ray-Premiere feierte „Der Spion, der aus der Kälte kam“ bereits 2021, und zwar als limitiertes Mediabook. Diese Edition ist mittlerweile nur noch schwer zu ergattern, was bedeutet, dass die Neuauflage in Standard-Ausführung den Spionageklassiker nun wieder leichter zugänglich macht.
Darum geht es in "Der Spion, der aus der Kälte kam"
Der britische Geheimagent Alex Leamas (Richard Burton) ist in Berlin stationiert. Seine Aufgabe ist es, den Kontakt mit Informanten zu pflegen und Überläufer aus dem Osten zu überprüfen und ihnen unter die Arme zu greifen. Nach einem tödlichen Vorfall wird Alex zurück in die Heimat beordert und zu Dienst am Schreibtisch verdonnert.
Das frustriert Alex ungemein. Er verfällt dem Alkohol und sucht ständig Streit, was ihm Ärger mit dem Gesetz einbringt. Kaum hat er seine Strafe abgesessen, bekommt er ein verlockendes Angebot – aber ist es vielleicht zu verlockend? Führt da wer etwas im Schilde?!
Adieu, Bond-Exotik. Hallo: Deprimierendes Berlin im Kalten Krieg!
Mitten in der bunten, exotischen und spaßig-flirrenden Bond-Mania der 1960er kam „Der Spion, der aus der Kälte man“ einem Kälteschock gleich: Regisseur Martin Ritt, der zuvor das schroffe und einflussreiche Jugendrama „Der Wildeste unter Tausend“ inszenierte, nahm John Le Carrés gefeierten Erfolgsroman und brachte ihn als nachdenklichen, tiefschürfenden Thriller auf die Leinwand.
Nun standen auf einmal unklare Moralfragen, schmutzige Spiele mit doppeltem Boden und schmerzende Opfer im Fokus. Zudem wurden bildhübsche Orte, die Urlaubslust wecken, gegen dreckige, karge Originalschauplätze im Berlin des Kalten Krieges ausgetauscht – also gegen die wahrhaftige Nahtstelle zwischen Ost und West.
John Le Carré wusste, wovon er schrieb: Er war jahrelang britischer Geheimdienstler. Und auch wenn ein rund zwei Stunden langer Kinofilm unmöglich den detaillierten, bodenständigen und informativen Realismus der Romanvorlage komplett replizieren kann, gaben sich die „Der Spion, der aus der Kälte kam“-Drehbuchautoren redlich Mühe. Paul Dehn, der zuvor an „Goldfinger“ mitwirkte, und „Der Gefangene von Alcatraz“-Autor Guy Trosper gelang es, das Skript so aufzuziehen, dass der Film wie eine Momentaufnahme wirkt. Was weltpolitisch von Format ist, ist für ihre Figuren schmutziger, unaufregender Alltag!
Gestärkt wird diese Wirkung durch die bemerkenswert unaufregende Ästhetik (das Szenenbild erhielt eine verdiente Oscar-Nominierung) und die Spannung schürende, abgründige und sich dennoch nie ins Rampenlicht drängende Darbietung Burtons: Der „Cleopatra“-Star scheint förmlich in seiner Rolle zu verschwinden und wurde dafür mit einer Academy-Award-Nominierung bedacht. Und solltet ihr nach „Der Spion, der aus der Kälte kam“ zur Abwechslung einen ausführlichen, gestochen scharfen Trip durch den Bond-Kosmos benötigen, habt ihr echt Glück! Denn kürzlich ist ein starkes Bond-Set erschienen:
Der nächste "James Bond"-Hammer: Die legendärsten 007-Klassiker bekommen einen neuen Anstrich – und zwar HEUTE!*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.