Das Konzept des 2023 veröffentlichten Videospiels ist so simpel wie genial: In einer Mischung aus Horror, Rätsel und Walking Simulator schreitet man immer und immer wieder denselben kurzen U-Bahn-Tunnel entlang. Auf der linken Seite eine Handvoll Poster, auf der rechten zwei Türen und Lüftungsschäfte. Außerdem kommt einem jedes Mal ein Mann mit weißem Hemd und schwarzer Aktentasche entgegen. Die Aufgabe des Spielenden besteht nun darin, zu erkennen, ob alles normal ist – dann geht man einfach geradeheraus weiter. Oder ob es eine sogenannte Anomalie gibt – und dann dreht man wieder um. Entscheidet man richtig, kommt man dem titelgebenden Ausgang 8 einen Schritt näher. Entscheidet man nur ein einziges Mal falsch, muss man wieder von vorne beginnen…
Aber wie zum Teufel macht man aus dieser Vorlage einen 95-minütigen Kinofilm? Die Antwort erfahrt ihr auf dem Fantasy Filmfest, wo „Exit 8“ von Genki Kawamura seine Deutschlandpremiere feiern wird – nachdem er es zuvor schon in die prestigeträchtige Mitternachts-Sektion des Cannes Filmfestivals geschafft hat. Kein Wunder also, dass die Programmplaner*innen des Fantasy Filmfest den begehrten Centerpiece-Slot für „Exit 8“ herausgerückt haben.
Achtung: Verwechslungsgefahr
Das kommt auch nicht oft vor, dass auf einem Festival zwei Filme mit demselben Titel laufen. Aber dieses Jahr ist es tatsächlich der Fall: Neben dem bereits angekündigten „The Home“ (ein Seniorenheim-Horror des Regisseurs von „The Purge“) läuft auch der schwedische Thriller „The Home“ von Mattias J. Skoglund, der allerdings auch etwas mit dem speziellen Horror des Alters zu tun hat: Joel (Philip Oros) glaubt zwar, das Schlimmste hinter sich zu haben, nachdem er einen Platz in einer Einrichtung für seine demenzkranke Mutter gefunden hat. Aber mit dieser naiven Einschätzung könnte er falscher kaum liegen…
„Sweetness“ von Emma Higgins ist so frisch, dass es noch nicht mal einen Trailer gibt – aber die Synopsis klingt nach einer modernen, besonders abgefuckten Variante von „Misery“: Als Teenagerin Kylee (Kate Hallett) herausfindet, dass der von ihr vergötterte Rockstar Peyton (Herman Tømmeraas) in Wahrheit ein dysfunktionaler Junkie ist, nimmt sie es persönlich in die Hand, ihrem Idol zu „helfen“…
Wer steckt hinter dem Kopfverband?
Ein Film, zu dem es bislang ebenfalls noch keinen Trailer gibt, ist der algerische Psycho-Thriller „Roqia“, dessen Plot zwar ein wenig an den österreichischen Kult-Horror „Ich seh, Ich seh“ erinnert, aber durchaus mit spannenden Abwandlungen des Kopfverband-Szenarios aufwartet: 1993 kehrt Ahmed (Ali Namous) nach einem Autounfall in sein Dorf zurück. Sein Gedächtnis ist gelöscht, und weder seine Frau noch die Kinder erscheinen ihm vertraut. Besonders das jüngste Kind meidet ihn – verängstigt von dem vollständig bandagierten Gesicht. Nachts wird Ahmed von Gestalten heimgesucht, die in fremden Zungen flüstern. Fragen drängen sich auf: Wer sind die ständigen nächtlichen Besucher? Und weshalb fehlt ihm der rechte Zeigefinger?
Natürlich darf auf dem Fantasy Filmfest auch mal gelacht werden – zumindest, wenn der Humor der eher schwärzeren Sorte zuzuordnen ist. Und genau das ist bei „Code 3“ der Fall – eine mit „The Office“-Ikone Rainn Wilson starbesetzte Krankenwagen-Komödie, nach der man sich in Zukunft sicherlich zweimal überlegen wird, ob man die 112 anruft…
Ein besonders extremes Makeover
Die Regisseurin und Autorin Amy Wang arbeitet zwar gerade am Skript zu „Crazy Rich 2“ – aber zuvor hat sie mit noch einen besonders fiesen Identitäts-Horror mit reichlich Ekel- und Cringe-Potenzial abgeliefert: In „Slanted“ unterzieht sich eine unsichere chinesisch-amerikanische Teenagerin einer noch im Experimentalstadium steckenden Prozedur, die sie weißer erscheinen lassen (und ihr so womöglich auch den Titel als Prom Queen ihrer Schule einbringen) soll…
Etwas ganz Besonderes ist auch „Dog Of God“ – nämlich ein Animationsfilm aus Lettland: Zaube ist ein livländisches Dorf im 17. Jahrhundert, das von einer ungreifbaren Bedrohung heimgesucht wird. Etwas Düsteres liegt in der Luft – und als der örtliche Pastor ein Dienstmädchen der Hexerei bezichtigt, nimmt das Geschehen endgültig eine bedrohliche Wendung…
Die Termine für das Fantasy Filmfest 2025
Das Fantasy Filmfest findet in diesem Jahr im September 2025 als jeweils achttägiges Event in sieben deutschen Städten statt. Hier sind die genauen Termine:
- 3. bis 10. September in Berlin & Hamburg
- 10. bis 17. September in München, Nürnberg & Stuttgart
- 17. bis 24. September in Frankfurt & Köln
Auf der Homepage des Fantasy Filmfest könnt ihr euch ab sofort die begehrten Dauerkarten für das komplette Programm (= Festivalpass) sichern. Allerdings sollte man damit besser nicht zu lange warten, in einigen Städten können sie auch sehr schnell ausverkauft sein.
Weitere Titel für das Fantasy Filmfest 2025, die wir euch bereits verkünden konnten, findet ihr übrigens im folgenden Artikel – darunter auch die potenzielle Gore-Granate des Jahres:
Hier könnt ihr den 2. Teil im Kino sehen: 400 Millionen Dollar teure Fantasy-Trilogie à la "Herr der Ringe" geht endlich weiter!