90 Millionen Dollar für nichts: Dieser Superhelden-Blockbuster wurde abgedreht – landete dann aber auf dem Müll!
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Ein teurer Blockbuster mit Starbesetzung war fertig gedreht – doch ein Release blieb aus. Stattdessen verschwand er durch eine rigorose Studio-Entscheidung im Archiv. Ein seltener, aber kein einzigartiger Fall in der jüngeren Filmgeschichte.

DC

Es klingt fast wie ein schlechter Scherz: Ein Superheldenfilm mit einem Budget von rund 90 Millionen Dollar, mit einem namhaften Cast und kreativen Köpfen hinter der Kamera, war bereits abgedreht, als Warner Bros. Discovery im Sommer 2022 die Reißleine zog.Batgirl“, die für HBO Max geplante DC-Produktion, verschwand sang- und klanglos im Archiv – und gilt seither als einer der spektakulärsten Fälle in der jüngeren Hollywood-Geschichte, in der ein fertiger Film niemals veröffentlicht wird.

Regie führten mit Adil El Arbi und Bilall Fallah zwei Filmemacher aus Belgien, die sich spätestens seit „Bad Boys For Life“ (2020) einen internationalen Namen gemacht hatten. Die Hauptrolle als Barbara Gordon alias Batgirl übernahm Newcomerin Leslie Grace („In The Heights“), flankiert von prominenten Kollegen:

Michael Keaton („The Founder“) feierte eine Rückkehr als Batman, J. K. Simmons verkörperte wie in „Justice League“ (2017) Commissioner Gordon, und „The Whale“-Star Brendan Fraser schlüpfte in die Rolle des Schurken Firefly. Auch das Drehbuch war mit Christina Hodson, die zuvor „Birds Of Prey“ verfasst hatte, in erfahrenen Händen. Alles schien angerichtet für den nächsten großen DC-Blockbuster – doch dann kam alles anders.

Darum wurde "Batgirl" einkassiert – und so reagierten die Macher

Warner Bros. Discovery befand sich zu dieser Zeit inmitten einer strategischen Neuausrichtung. Der Konzern wollte die DC-Marke neu positionieren und Filme wieder als echte Kinoevents begreifen. In diesem Zusammenhang wurde „Batgirl“ plötzlich zum Problemfall: Für einen Streaming-Start angeblich zu teuer, für eine Kinoauswertung wiederum nicht spektakulär genug.

Am Ende entschied sich das Studio für eine steuerliche Abschreibung – ein Vorgang, der für die Macher und Fans gleichermaßen einem Todesstoß gleichkam. „Wir sind traurig und schockiert … Wir können es immer noch nicht glauben“, kommunizierten El Arbi und Fallah damals und bedankten sich zugleich bei Cast und Crew für die gemeinsame Arbeit (via The Guardian).

Während die Regisseure ihre Enttäuschung offen äußerten, reagierten die Darsteller unterschiedlich. Michael Keaton nahm es vergleichsweise gelassen – er sei immerhin bezahlt worden, wie er trocken anmerkte. Brendan Fraser hingegen sprach von einer „tragischen“ Entscheidung, die das Vertrauen zwischen Studios und Filmschaffenden beschädige (via Entertainment Weekly).

Und auch viele Fans konnten nicht fassen, dass ein Film dieser Größenordnung für immer in der Schublade verschwinden sollte. Peter Safran, heute neben Superman-Regisseur James Gunn Co-Chef bei DC Studios, verteidigte die Entscheidung später gegenüber Variety mit den Worten, „Batgirl“ sei schlicht „nicht veröffentlichbar“ gewesen – eine Aussage, die für zusätzliche Diskussionen sorgte.

Das belgische Regieduo ließ sich von diesem Rückschlag nicht entmutigen. Noch bevor sie sich mit „Bad Boys: Ride Or Die“ (2024) wieder einem großen Hollywood-Franchise widmeten, realisierten sie in ihrer Heimat das Drama „Rebel – In den Fängen des Terrors“. Der Film, der 2022 Premiere feierte, erzählte mit schonungsloser Härte von islamistischer Radikalisierung in Europa und wurde von der Kritik als ambitioniertes, visuell eindrucksvolles Werk gewürdigt (stolze 91% bei Rotten Tomatoes).

Das Schicksal von "Batgirl" ist sehr selten, aber nicht einzigartig

In der Geschichte Hollywoods gibt es nur wenige Projekte, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben. Fast zeitgleich mit "Batgirl" wurde auch der Animationsfilm „Scoob! Holiday Haunt“ trotz abgeschlossener Arbeit eingestampft. Doch gerade bei einer Marke wie Batman, die seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Superhelden-Universen überhaupt zählt, war die Entscheidung besonders schmerzhaft.

Schließlich reicht die Reihe von Tim Burtons stilprägenden Werken über Christopher Nolans gefeierte „The Dark Knight“-Trilogie (2005 - 2012) bis hin zu Matt Reeves' „The Batman“ (2022) mit Robert Pattinson – und genau hier hätte „Batgirl“ eine neue Facette hinzufügen können. Doch während die anderen Abenteuer rund um Gotham City längst ihren Weg ins Kino, ins Heimkino oder zu den Streaming-Diensten gefunden haben, bleibt „Batgirl“ für immer im Verborgenen.

"Batgirl"-Macher haben noch "offene Rechnungen" bei DC

Umso bitterer war es für die beiden Regisseure, mitzuerleben, wie Michael Keatons geplanter Batman-Auftritt schließlich im kommerziellen Flop „The Flash“ (2023) untergebracht wurde, während ihr eigener Film unsichtbar blieb. In Interviews (unter anderem mit The Hollywood Reporter) betonte das Duo mehrfach, dass sie die Hoffnung nicht aufgeben. Sie lieben die Welt von Gotham, und sie glauben, dass ihr Weg mit DC noch nicht zu Ende sei. „Wir haben noch offene Rechnungen“, erklärten sie – ein Satz, der zugleich Versprechen wie Trostpflaster für die Fans ist.

Und so bleibt „Batgirl“ ein Mahnmal dafür, wie schnell kreative Visionen unter wirtschaftlichen Überlegungen begraben werden können. Doch die Geschichte ist nicht nur tragisch: Sie zeigt auch, wie leidenschaftlich Filmemacher und Publikum an ihren Projekten hängen – selbst dann, wenn sie diese nie zu Gesicht bekommen.

Ein Umstand, der jüngst auch im Fall von „Coyote vs. Acme“ wieder auf den Plan trat. Der Hybrid-Film (Mischung aus Animation und Live-Action) aus dem Looney-Tunes-Universum war ebenfalls schon auf der Streichliste von Warner gelandet, doch nach zahlreichen Protesten wurde er wiederbelebt – und hat nun tatsächlich einen Starttermin bekommen. Mehr dazu lest ihr in diesem FILMSTARTS-Artikel.

"Coyote Vs. Acme": 70-Millionen-Dollar-Film mit John Cena gerettet – weltweiter Kinostart geplant [UPDATE]

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