Mit „Donnie Darko“ kam im Jahr 2001 ein Film in die Kinos, der es zunächst gar nicht leicht hatte: Das mit einem kleinen Budget von 4,5 Millionen US-Dollar gedrehte Mystery-Sci-Fi-Drama startete in den USA knapp einen Monat nach den verheerenden Terroranschlägen auf das World Trade Center. Nur wenige Menschen hatten damals Lust, einen düster-melancholischen Film zu schauen, der mit dem herabfallenden Triebwerk eines Flugzeugs beginnt und anschließend über Zeitreisen, Schicksal, Zufall und die Unausweichlichkeit des Todes kontempliert.
Doch obwohl „Donnie Darko“ in den US-Kinos zunächst gerade mal eine halbe Million einspielen sollte, wurde er unverhofft zum Kult-Hit: Kurz nach seinem DVD-Release verbreitete sich in Online-Communities viel Lob über den enigmatischen Film, der als Geheimtipp gehandelt wurde. Mehr und mehr Zuschauer bekamen ihn zu Gesicht und es kam aufgrund der wachsenden Popularität in den kommenden Jahren sogar zu Wiederaufführungen im Kino.
Heute ist „Donnie Darko“ aus Besten-Listen über Indie-Filme der 2000er nicht wegzudenken. Wer noch keine Gelegenheit hatte, ihn zu schauen, kann das aktuell über die Prime-Video-Channel Arthaus+, Moviecult oder MUBI im Amazon Prime-Abo nachholen:
Auftrieb für vielversprechenden Jung-Regisseur
„Donnie Darko“ war das Spielfilmdebüt des damals gerade 26-jährigen Regisseurs und Drehbuchautors Richard Kelly, der bis dato kaum bekannt war und dessen Karriere nach dem Überraschungserfolg zunächst Auftrieb erhielt. Denn Kellys Film zeugte nicht nur von Originalität, unvorhersehbaren Wendungen und einem Gefühl fürs Atmosphärische, sondern zog mit seiner Rätselhaftigkeit noch nachhaltiges Interesse auf sich.
So beschrieb Ulf Lepelmeier in seiner FILMSTARTS-Kritik „Donnie Darko“ als „interessanten, verstörenden und auslegungsbedürftigen Film, der nur demjenigen zusagen wird, der dazu bereit ist, selbst die Puzzlestücke der Story zusammenzusuchen und sie immer wieder neu zusammenzulegen.“
Die Flops nach dem Hit
Doch wer die Mechanismen des Filmgeschäfts einigermaßen kennt, weiß, dass man nach einem vielgelobten Debüt-Hit im Idealfall mit einem gleichermaßen erfolgreichen, wenn nicht noch besseren Film aufwarten sollte – etwa so wie Ari Aster nach dem Schrecken von „Hereditary“ mit dem noch erfolgreicheren „Midsommar“ auftrumpfen konnte.
Richard Kelly war dieses Glück jedoch nicht beschienen: Zwar hatte er für seinen schwarzhumorigen, postapokalyptischen Thriller „Southland Tales“ ein deutlich höheres Budget zur Verfügung und die Chance, eine Rohschnitt-Fassung des Films 2006 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes zu zeigen.
Aber die damals 160 Minuten lange, sich in diversen Sub-Plots verlierende Erzählung wurde von der Kritik als chaotisch, vertrackt und exzentrisch zurückgewiesen. Kellys gerade abhebende Regie-Karriere wurde durch den kommerziellen Flop von „Southland Tales“ auf den Boden zurückgeholt und konnte sich mit dem 2009 folgenden Thriller „The Box“ auch nicht erholen.
Ascot Elite
"Das war wirklich herzzerreißend"
Nach diesen Misserfolgen folgte für Kelly ein Jahrzehnt, in dem er leider gar keine Filme mehr als Regisseur realisieren konnte. Zwar sprach er in Interviews immer wieder von neuen geplanten Projekten wie dem Horror-Thriller „Corpus Christi“, einem titellosen, im Manhattan der Zukunft angesiedelten Sci-Fi-Film und einer True Crime-Erzählung namens „Amicus“ – doch leider schaffte es keiner der von ihm erdachten Stoffe aus dem Stadium der Vorproduktion heraus.
Einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt über diese unrealisierten Projekte gab Richard Kelly 2023 in einem Interview mit The Film Stage, als er auf sein Drehbuch zu „Soulmates“ (ebenfalls nie verfilmt) angesprochen wurde: „Dieses Projekt, an dem ich viele Jahre gearbeitet habe, wurde eigentlich bei Amazon Studios ins Leben gerufen. Und ich dachte, wir hätten grünes Licht bekommen. Mir wurde gesagt, dass es auf dem Weg zum grünen Licht sei; ich habe ein Jahr lang auf das grüne Licht gewartet. Dann – ganz plötzlich – ist es einfach nicht dazu gekommen. Das war wirklich herzzerreißend. Das war... das war hart.“
Raus aus der Zwangspause?
Diverse Filmschaffende haben schon die Erfahrung gemacht, dass das eine oder andere Projekt für immer in die „Development Hell“ abgestiegen ist. Aber für Kelly hat diese Erfahrung so lange angehalten, dass sein letzter Film nun schon 16 Jahre zurückliegt und der immer noch vielbewunderte „Donnie Darko“ schon bald sein 25-jähriges Jubiläum feiern kann.
Glücklicherweise will sich Richard Kelly aber nicht so einfach von Hollywood geschlagen geben: In Interviews sprach er zuletzt davon, an diversen Projekten zu arbeiten, ging aber auf keins im Speziellen ein. Und gerade, als man diese Aussagen als recht vage abtun wollte, berichtete World Of Reel, dass es einen offiziellen Produktionseintrag für ein nicht betiteltes Richard-Kelly-Projekt gibt: Der Drehbeginn soll im Herbst 2025 erfolgen – Details zum Plot und zum Cast gibt es bislang aber keine.
Man kann nur die Daumen drücken, dass der „Donnie Darko“-Regisseur nun endlich aus der Zwangspause kommt und für eine Überraschung sorgt. Welcher Schauspieler ebenfalls ein unverhofftes Comeback vorlegt, erfahrt ihr hier:
Der vielleicht beste Schauspieler unserer Zeit kehrt nach 8 (!) Jahren ins Kino zurück: Jetzt gibt's den Trailer zum Comeback*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.