Wenn über den Mythos James Bond gesprochen wird, geht es meist um Ikonen wie Sean Connery, Roger Moore oder Daniel Craig. Doch es gibt eine Ausnahmefigur, die fast in diese illustre Runde aufgestiegen wäre – und deren Geschichte heute ein wenig in Vergessenheit geraten ist: John Gavin.
"James Bond war schon vergeben": eine große Chance und ihr abruptes Ende
Ende der 1960er-Jahre war die Bond-Reihe in einer heiklen Phase. Connery hatte genug, George Lazenby hielt nur für ein einziges Abenteuer durch – und die Produzenten suchten verzweifelt nach einem neuen Gesicht. John Gavin, ein Amerikaner mit beachtlicher Filmkarriere, schien die ideale Wahl. Er hatte in Alfred Hitchcocks „Psycho“ mitgespielt und in Stanley Kubricks „Spartacus“ beeindruckt, und durch seine Verbindung zur Marineaufklärung war er sogar im echten Leben kein Unbekannter im Geheimdienstmilieu.
1970 unterzeichnete Gavin schließlich den Vertrag für „Diamantenfieber“ und war damit offiziell James Bond. Doch noch bevor die Kameras liefen, kam die Kehrtwende: Die Produzenten lockten Sean Connery für ein letztes Comeback zurück. Gavin wurde, trotz unterschriebenem Vertrag, fallen gelassen. Seine Bond-Premiere platzte – und mit ihr der ersehnte Karriere-Höhepunkt.
Vom geplatzten Bond-Traum zum Machtmenschen – wie John Gavin neu durchstartete
Für viele Schauspieler wäre ein solcher Rückschlag das Ende gewesen. Doch Gavin schrieb seine Geschichte einfach anders weiter. Anstatt sich in der Enttäuschung zu verlieren, suchte er neue Wege. Schon 1971 übernahm er die Präsidentschaft der mächtigen Screen Actors Guild – ein Posten, der ihn mitten ins Herz der Hollywood-Industrie brachte. Dort setzte er sich zwei Jahre lang für die Rechte seiner Kolleginnen und Kollegen ein.
Später wandte er sich der Politik zu und fand eine neue Berufung. Unter US-Präsident Ronald Reagan wurde Gavin 1981 zum Botschafter in Mexiko ernannt. Fünf Jahre lang repräsentierte er sein Land in einer Zeit, die diplomatisch äußerst sensibel war. Gleichzeitig engagierte er sich als Geschäftsmann, Philanthrop und Förderer von Kulturprojekten.
Als John Gavin 2018 im Alter von 86 Jahren starb, würdigte die Screen Actors Guild sein Leben mit den Worten, es sei „nur ein Stück eines bemerkenswerten Lebens“ gewesen. Er blieb Hollywood-Star, Gewerkschaftsführer, Diplomat und Visionär – und zugleich der einzige offiziell ernannte James Bond, der niemals die berühmte Pistole mit der Lizenz zum Töten in der Hand hielt.
Welcher Hollywood-Superstar dagegen auf keinen Fall James Bond werden wollte, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
"Sieh dir an, was mit dem armen Sean Connery passiert ist": Dieser Hollywood-Superstar wollte auf keinen Fall James Bond werden!