Vor 26 Jahren weigerten sich zwei Stars, diesem Oscar-Gewinner zu applaudieren: Einer von ihnen hat nun den Grund enthüllt!
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Amy Madigan ist dank „Weapons“ gerade in aller Munde – sogar Oscar-Chancen werden ihr eingeräumt. Zeit, an einen kontroversen Moment zu erinnern, der sich bei der Oscar-Verleihung 1999 zugetragen hat, und an dem Madigan unmittelbar beteiligt war...

Academy of Motion Picture Arts and Sciences

Das bis auf wenige Ausnahmen (u.a. „Der Exorzist“, „Get Out“) lange verschmähte Horror-Genre wird bei den Oscars immer präsenter: Im vergangenen Jahr sorgte etwa Coralie Fargeats „The Substance“ für Aufsehen, und auch in der kommenden Saison könnte das Horror-Kino eine Bühne bekommen – diesmal mit „Weapons - Die Stunde des Verschwindens“.

Der multiperspektivisch erzählte Horror-Thriller von Zach Cregger („Barbarian“) war ein weltweiter Überraschungshit, der zudem auch bei der Kritik großen Anklang fand. FILMSTARTS-Chefredakteur Christoph Petersen beispielsweise vergibt in seiner Rezension hervorragende 4,5 von 5 Sternen. Im Fazit schwärmt er: „Ganz egal, ob man ‚Weapons - Die Stunde des Verschwindens‘ nun als ‚das ‚Magnolia‘ unter den Horror-Epen‘, als ‚Fargo‘ trifft ‚Lost‘ oder als ‚Barbarian‘ mit einem gehörigen Schuss ‚Three Billboards Outside Ebbing, Missouri‘ zu beschreiben versucht – der Hype ist definitiv real!“

Weapons - Die Stunde des Verschwindens
Weapons - Die Stunde des Verschwindens
Starttermin 7. August 2025 | 2 Std. 08 Min.
Von Zach Cregger
Mit Josh Brolin, Julia Garner, Alden Ehrenreich
User-Wertung
4,0
Filmstarts
4,5

Oscar-Chancen werden allerdings vor allem Amy Madigan eingeräumt, die als mysteriöse Tante Gladys in „Weapons“ eine unvergessliche, gleichermaßen schillernde wie unheimliche Erscheinung darstellt. Sollte die 75-Jährige nominiert werden, wäre es dabei nicht ihr erstes Mal bei einer Oscar-Verleihung. Denn vor 26 Jahren sorgte Madigan bei den Academy Awards für einen Moment, der bis heute diskutiert wird...

Amy Madigan hat sich geweigert, dieser Hollywood-Ikone zu applaudieren

Damals überreichten Robert De Niro und Martin Scorsese den Ehrenoscar an Elia Kazan, den legendären Regisseur von Klassikern wie „Endstation Sehnsucht“, „Die Faust im Nacken“ oder „Jenseits von Eden“.

Während Stars wie Warren Beatty (der in Kazans Meisterwerk „Fieber im Blut“ sein Leinwanddebüt gab) oder Regie-Kollegen wie Steven Spielberg lautstark applaudierten, blieben Amy Madigan und ihr Ehemann Ed Harris still. Mehr noch: Madigan verzichtete nicht nur auf Jubel oder Klatschen, sondern verschränkte sogar demonstrativ die Arme. Auch andere Anwesende reagierten nicht, darunter Schauspieler Nick Nolte.

Hier könnt ihr euch die besagte Szene in voller Länge ansehen:

Der Grund dafür wurde kürzlich von Madigan selbst in einem Interview mit der New York Times enthüllt. Ihre Aussage erschien dabei zwar nicht in der finalen Version des Interviews, doch Journalist Kyle Buchanan teilte auf seinen Social-Media-Kanälen eine Kachel mit den betreffenden Zitaten der „Straßen in Flammen“-Darstellerin (via Entertainment Weekly).

„Mein Vater, der nicht mehr unter uns ist, war politischer Analyst und Journalist und arbeitete im Kapitol, als der McCarthyismus herrschte, und das hat ihn wirklich, wirklich tief getroffen“, so Madigan. „[...] Das Ganze hat mir alles wieder ins Gedächtnis gerufen. Ich dachte nur: ‚Nein!‘“

Madigan bezieht sich auf Kazans frühere Zusammenarbeit mit dem sogenannten Komitee für unamerikanische Aktivitäten. Von 1947 bis 1957 veranstaltete Senator Joseph McCarthy eine regelrechte Hetzjagd auf angebliche oder tatsächliche Kommunisten sowie deren Sympathisanten in der US-Regierung. Auch in Hollywood existierte zu dieser Zeit eine schwarze Liste von Personen, die denunziert wurden und daraufhin mit schweren beruflichen Konsequenzen zu kämpfen hatten. Kazan, der zeitweise in der Kommunistischen Partei aktiv war, wurde 1952 ebenfalls vorgeladen – und nannte bei seiner zweiten Anhörung die Namen mehrerer Kollegen.

Elia Kazan über sein Denunziantentum: "Hatte das Recht dazu"

In Hollywood wurde er daraufhin in bestimmten Kreisen geächtet, auch wenn für seine Karriere keine reellen Beeinträchtigungen entstanden sind. 1997 äußerte sich Kazan in einem Interview mit der New York Times übrigens selbst zu diesem Thema. Auf die Frage, ob ihn die Kritik an seiner Person störe, antwortete er wie folgt (via Sensacine.com):

„Willst du die Wahrheit wissen? Überhaupt nicht. Ich habe in meinem Leben so viele Lobeshymnen bekommen. Einige verdient, andere nicht. Was spielt das schon für eine Rolle? Die ganze Zeit war nicht besonders angenehm. Ich schätze, ich war ein Teil davon. [Aber] ich habe gesagt, was ich dachte, und ich hatte das Recht dazu.“

Auch Western-Ikone John Wayne zählte übrigens zu den Unterstützern von McCarthy – weshalb ein 3-stündiges Historien-Epos von Stanley Kubrick ihn regelrecht erzürnt hat. Mehr dazu lest ihr im nachfolgenden Artikel:

Dieses monumentale 3-Stunden-Epos hat John Wayne richtig wütend gemacht

Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer spanischen Schwesternseite Sensacine.com erschienen.

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