Es gibt etliche Darsteller, die für ein bestimmtes Genre bzw. immer die gleichen oder zumindest ähnlichen Rollen bekannt sind (sogenanntes Typecasting). Umso überraschter ist die Filmwelt, wenn diese Schauspieler mit ihrem Image brechen und gänzlich unerwartete Rollen spielen. Ein bekanntes Beispiel für so einen „Wandel“ lieferte Wesley Snipes, der viele Jahre als harter Action-Held („Demolition Man“, „Passagier 57“) bekannt war – bis er 1995 in der Komödie „To Wong Foo“ eine Drag-Queen mimte.
Ebenso wie Snipes wird „Mission: Impossible“-Star Tom Cruise von vielen zuvorderst mit aufwändig inszenierten, bildgewaltigen Action- und Sci-Fi-Blockbustern in Verbindung gebracht – von „Minority Report“ bis „Jack Reacher“. Legendär (und unfassbar selbstironisch) ist daher sein Part als glatzköpfiger, korpulenter Studioboss in der Komödie „Tropic Thunder“.
Raus aus seiner angestammten Schublade wollte Ende der 1970er-Jahre womöglich auch Schauspiel-Ikone James Stewart, als er in einem außergewöhnlichen Film mitwirkte: im eigenwilligen japanischen Natur- und Abenteuerdrama „Der Fremde im Regenwald“. Es sollte die letzte Filmrolle des zweifachen Oscar-Preisträgers sein.
Zum Abschied ein schwer greifbares Natur-Drama
Und dieser finale Karriere-Akt, nach 55 Jahren vor der Kamera, gehört mit Sicherheit zu den skurrilsten Abschieden überhaupt. Stewart gelangen wenige Jahre zuvor mit den Western „Geschossen wird ab Mitternacht“ und „Der letzte Scharfschütze“ noch respektable (Kritiker-) Erfolge. Überhaupt war der legendäre Schauspieler beim Publikum vor allem für seine Western („Der große Bluff“, „Winchester 73“) und etliche gefeierte Thriller-Auftritte allen voran in Werken des Suspense-Meisters Alfred Hitchcock („Vertigo“, „Das Fenster zum Hof“) bekannt. Auf ewig Thriller und Western? Nicht mit Stewart, der sich für seinen letzten Leinwand-Auftritt für etwas vollkommen anderes entschied.
Wobei der 1980 veröffentlichte „Der Fremde im Regenwald“, den es im englischen Original kostenlos auf YouTube zu sehen gibt, gar nicht so leicht zu fassen oder in ein Genre einzuordnen ist. Sicher ist nur: „Der Fremde im Regenwald“ ist ein wahrlich eigenartiges, schwer fassbares filmisches Erlebnis.
Namenloser Pilot in kenianischer Savanne
Der damals 73-jährige Stewart spielt darin einen Piloten, der in der afrikanischen Savanne notlanden muss. Bei der ungeplanten Aktion verliert er sein Gedächtnis. In der Begegnung mit einem kenianischen Nomaden-Stamm versucht er, seine Erinnerung wiederzuerlangen. Gleichzeitig wird er mit der für ihn unbekannten Kultur und den Lebensweisen des örtlichen Stammes konfrontiert.
„Der Fremde im Regenwald“ klingt nach Abenteuer, lässt sich aber am ehesten als mystisch angehauchte Mischung aus Tierfilm, schwelgerischer Natur-Doku und Plädoyer für den Erhalt der Flora und Fauna Afrikas verstehen. Die Handlung ist dünn, gesprochen wird nicht viel und die Figuren bleiben namenlos. Wir sehen zu weiten Teilen Natur- und Landschaftsimpressionen der kenianischen Savanne sowie zahlreiche Tierfilmaufnahmen, denen der japanische Regisseur Susumu Hani („Das Mädchen Nanami“) in diesem dialogarmen Film die meiste Aufmerksamkeit schenkt.
Apropos Aufmerksamkeit: Am Publikum ging der Film radikal vorbei. In den USA startete er nicht einmal in den Kinos. Und die Kritik? Die echauffierte sich über die fehlende Handlung und die einfallslose Inszenierung. So oder so ist „Der Fremde im Regenwald“ ein bemerkenswerter, ganz und gar unalltäglicher filmischer Schlussakt. Ein in dieser Form vermutlich ziemlich beispielloses Karriereende einer Ikone.
Bereut hat Stewart, der sich daraufhin zur Ruhe setzte und im Jahr 1997 verstarb, seinen Auftritt nie – zumindest ist keine entsprechende Äußerung bekannt. Ganz anders sieht es bei Brad Pitt und Orlando Bloom aus. Die Hollywood-Stars bereuten ihre Mitwirkung in einem Historien-Blockbuster der 2000er bitter – trotz des gigantischen globalen Erfolgs des Films. Hier erfahrt ihr die Gründe und welcher epische Leinwand-Hit gemeint ist.
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