"Verdammt peinlich": John Wayne hat es gehasst, mit dieser Hollywood-Ikone zu arbeiten
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Raubein und Schauspielstein John Wayne war ein streitbarer Mensch, doch es gab Verhaltensweisen, die selbst er nicht geduldet hat. Als eine berühmte Schauspielkollegin gegen seine Etikette verstieß, war sie bei ihm unten durch...

Western-Ikone John Wayne war kompliziert: Auf der einen Hand vertrat mit flammendem Eifer konservative Ansichten und initiierte eine brancheninterne Hetzjagd gegen einen Drehbuchautoren, weil er dessen Film als linke Propaganda ansah (mehr dazu). Gleichwohl übernahm Wayne wiederholt tragende Rollen in Filmen, die sich kritisch mit den USA auseinandersetzten und progressive Werte vermitteln – wie etwa „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“.

Und während Wayne mitunter ruppig über sein Hollywood-Kollegium sprach (so äußerte er den Wunsch, einen Meisterregisseur „in eine Million Einzelteile“ zu reißen), verachtete er Stars, die sich gegenüber der Öffentlichkeit schroff aufführen. Diese moralische Erwartungshaltung des „Rio Bravo“-Stars führte sogar dazu, dass er für eine Hollywood-Ikone nur Verachtung übrig hatte!

Der "Duke" wollte Anstand im Restaurant

Die Hollywood-Ikone, die mit ihrem Verhalten den oft nur „Duke“ genannten John Wayne zur Weißglut gebracht hat, ist niemand Geringeres als Rita Hayworth. Die Schauspielerin bekam aufgrund ihres einnehmenden Lächelns, ihren funkelnden Augen und ihrer gepflegten Lockenpracht auf der Höhe ihres Schaffens den Spitznamen „Die Liebesgöttin“ verpasst.

Zu diesem Ruf dürften auch ihre leichtfüßigen Auftritte in heiter-romantischen Musicals „Es tanzt die Göttin“ an der Seite von Gene Kelly beigetragen haben, ganz zu schweigen vom erotisch knisternden Kriminal-Melodram „Gilda“. Der Glanz dieser Filme war allerdings verblasst, als Hayworth mit Wayne zusammenarbeitete: 18 Jahre und mehrere berufliche wie private Rückschläge nach „Gilda“ wurde Hayworth für das Drama „Zirkuswelt“ angeheuert, das hierzulande auch als „Held der Arena“ bekannt ist und noch bis zum 26. März 2026 in der arte-Mediathek zur Verfügung steht.

In „Zirkuswelt“ spielt Wayne einen Zirkusbesitzer zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der eine Europatour macht. Als sein Mündel wurde Claudia Cardinale besetzt, Hayworth wiederum spielte die Mutter des Mündels. Auf die Idee, Hayworth diesen Part zu geben, kam der Produzent Samuel Bronston, der dafür Gegenwind von „Zirkuswelt“-Regisseur Henry Hathaway erhielt. Bronston war jedoch überzeugt, dass Hayworth in Europa als Publikumsmagnet fungiert und dem Film daher wirtschaftlich gut tun würde.

Allerdings kämpfte die „Eine Göttin auf Erden“-Mimin zu dieser Zeit mit Depressionen und einer Alkoholsucht. Das erschwerte den Dreh von „Zirkuswelt“ enorm, weil Hayworth deshalb oft ihren Text vergaß und am Set schlecht gelaunt war. „Sie trank und hat Leute beleidigt. Und der Duke musste Liebesszenen mit ihr drehen, obwohl er gar keinen Draht zu ihr fand“, erinnert sich Hathaway in Michael Munns Sachbuch „John Wayne: The Man Behind The Myth“.

Hayworths Verhalten am Set frustrierte Wayne zwar, allerdings gab er sich Mühe, nachsichtig zu sein. Der Moment, in dem er jegliche Achtung vor Hayworth verlor, ereignete sich abseits des „Zirkuswelt“-Sets: In der Hoffnung, eine gesunde Chemie mit der einen Karriereknick durchmachenden „Liebesgöttin“ zu entwickeln, lud der „Red River“-Star seine Schauspielkollegin zum Abendessen mit seiner Frau und Tochter ein.

Der gemeinsame Restaurantbesuch entwickelte sich jedoch zur Katastrophe: „Sie hatte noch nicht viel getrunken – und dennoch hat sie bereits gelallt. Sie war schroff zu den Bedienungen – was verdammt peinlich war“, heißt es in „John Wayne: The Man Behind The Myth“. Wayne soll daraufhin versucht haben, die Wogen zu glätten und das Personal zu beschwichtigen, indem er „saftige Trinkgelder gab und Autogrammkarten verschenkte.“ Waynes Mantra in diesem Moment: „Du musst versuchen, zu allen freundlich zu sein – es sei denn, sie geben dir Gründe, es nicht zu sein!“

Dass Hayworth gegen diese Maxime verstieß, konnte der Western-Star ihr nicht verzeihen. Doch so sehr er sie für ihr Benehmen verachtete: Für „Zirkuswelt“ erhielt Hayworth eine Golden-Globe-Nominierung als beste Hauptdarstellerin und somit neuen Karriereaufwind. In den restlichen 1960ern drehte sie mehrere vom US-Publikum wenig beachtete Filme, die Hayworth aber wiederholt deutliches Presselob einbrachten.

Und John Wayne? Der betrachtete sich generell als Mann, der deutlich besser mit anderen Kerlen als mit Frauen kann. Doch für eine Schauspielerin machte er eine Ausnahme – die erachtete er sogar als gute Freundin. Wer bei Wayne diese besondere Stellung einnahm? Das erfahrt ihr im folgenden Artikel:

*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren