Inklusive legendärem Duell im Armdrücken mit Marlon Brando: Einzigartiger Western-Exzess kehrt ins Heimkino zurück
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Ist es ein besonders ambitionierter Western, eine (unfreiwillige) Genreparodie oder schlicht ein mit großem Schauspieltalent besetztes Kuriosum? Nun könnt ihr euch (wieder) auf Blu-ray euer eigenes Bild von „Südwest nach Sonora“ machen!

Unzählige Filmbegeisterte denken bei Schauspiellegende Marlon Brando zuallererst an seine ikonische, oft imitierte Performance im Mafia-Epos „Der Pate“, anderen hat sich primär der junge, unbändige Brando aus „Endstation Sehnsucht“ und „Die Faust im Nacken“ ins Gedächtnis gebrannt. Seine Western nehmen dagegen in Brandos kulturellem Erbe eine Nebenrolle ein!

Als Gesamtwerk genießt am ehesten der komplexe, vielschichtige „Duell am Missouri“ Ansehen – doch die vielleicht legendärste Western-Szene mit Brando ist das herrlich dick aufgetragene Armdrücken aus „Südwest nach Sonora“! Über den Film als solchen können Western-Begeisterte indes eifrig diskutieren: Ist er ein selbstironisch-ambitionierter Genrekommentar, eine unfreiwillige Parodie oder ein genüsslicher Western-Exzess? Findet es selbst heraus: Diese Woche hat „Südwest nach Sonora“ im deutschen Heimkino eine Blu-ray-Neuauflage erhalten!

Übrigens: Die Blu-ray-Solo-Erstauflage von „Südwest nach Sonora“ ist noch gebraucht über diverse Plattformen erhältlich (auch via Amazon*), selbiges gilt für das 3-Filme-Boxset „Classic Western Collection Volume 1“*. Darin feierte der selbstironische Western seine HD-Premiere.

Darum geht es in "Südwest nach Sonora"

Jahrelang sorgte er für Blut an seinen Händen, nun will Matt Fletcher (Marlon Brando) einen neuen Anfang wagen und sich in der Nähe der mexikanischen Grenzstadt Ojo Prieto als Züchter für Appaloosa-Pferde versuchen. Doch seine dunkle Vergangenheit verfolgt ihn auf Schritt und Tritt.

So wirft Bandenführer Chuy Medina (John Saxon) dem vermeintlich geläuterten Fiesling vor, seine Frau Trini (Anjanette Comer) belästigt zu haben. Als Chuy seinem Feind auch noch sein geliebtes Pferd stiehlt, ist Matts Suche nach Ruhe ein Ding der Vergangenheit: Verkleidet, bewaffnet und mit einem riskanten Plan sinnt er nach brutaler Rache!

Unfall, Absicht oder irgendwas dazwischen?

„Südwest nach Sonora“-Regisseur Sidney J. Furie inszenierte kurz zuvor den angesehenen, unterhaltsamen sowie anspruchsvollen Agenten-Thriller „Ipcress – streng geheim“. Gemeinhin genießt Furie trotzdem keinen herausragenden Ruf: Auf sein Konto gehen unter anderem der lautstark verrissene „Superman IV – Die Welt am Abgrund“, drei Teile der weitestgehend in Vergessenheit geratenen Militär-Actionreihe „Der stählerne Adler“ und die oft gescholtene Fußballkomödie „Monty – Immer hart am Ball“.

Insofern überrascht es nicht, dass sich Western-Fans und die Filmgeschichtsschreibung unsicher sind, ob bei diesem schrägen Genrebeitrag das hinter „Ipcress“ steckende Regietalent kontrolliert mit den Konventionen experimentierte, oder ob viel mehr der „Superman IV“-Macher einen feisten Western-Unfall gebaut hat. Nebendarsteller John Saxon zählt sich jedenfalls zu den Befürwortern von „Südwest nach Sonora“ und zählt ihn zu den größten Favoriten unter seinen eigenen Filmen.

Eins dürfte klar sein: Wer Western mag und sich auf knurrige, grummelnde Hauptdarsteller in einer dünnen sowie ruhigen Handlung einstellen kann, um die herum ein in aufwändigen Technicolor-Bildern festgehaltenes, zunehmend exzessiver geschnittenes Brimborium voller Impotenz-Metaphorik veranstaltet wird, bekommt hiermit eine unvergessliche Seherfahrung geboten. Über die schwammigen Grenzen zwischen Absicht und Versehen oder zwischen gut, schlecht und widerwillig-sehenswert kann man danach immer noch diskutieren – oder man widmet sich direkt unserem nächsten, kauzigen Heimkino-Tipp:

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