Schließt sich eine Tür, öffnet sich irgendwo ein Fenster – manchmal sogar eines mit der malerischen Aussicht eines nächtlichen Großstadtpanoramas: „Happy Deathday“- und „Freaky“-Regisseur Christopher Landon wurde zwar für „Scream 7“ angeheuert, doch nur wenige Monate später stieg er schon wieder aus dem Projekt aus. Hinter den Kulissen sei sein Traum zum Albtraum geworden. Statt die berühmte Slasher-Reihe fortzuführen, die einst von Horror-Ikone Wes Craven gestartet wurde, drehte Landon einen fesselnden Originalstoff:
„Drop – Tödliches Date“ erinnert an schmissige, kompakte Thriller wie Wes Cravens „Red Eye“ oder eben an die leichtfüßigen Arbeiten Alfred Hitchcocks („Cocktail für eine Leiche“). Im Kino fand der Film zwar nicht die ihm gebührende Beachtung, doch ab sofort ist„Drop“ beim Sky-Streamingdienst WOW im Abo enthalten – und wir hoffen, dass er dort mehr Anklang findet!
Darüber hinaus ist der stilvoll inszenierte, mit einer gesunden Prise Humor versehene Thriller auf DVD und Blu-ray* erhältlich. Diese Heimkinoveröffentlichungen enthalten mehrere Extras, darunter ein Making-of sowie einen Audiokommentar. Alternativ findet ihr „Drop“ auf mehreren Plattformen als VOD, etwa bei Prime Video*.
"Drop": Darum geht’s!
Die Therapeutin und alleinerziehende Mutter Violet (Meghann Fahy) traut sich nach Jahren erstmals wieder auf ein Date: Sie trifft sich mit dem Fotografen Henry (Brandon Sklenar) in einem Luxusrestaurant. So bildschön das Ambiente, so enorm ist Violets Nervenflattern – und dann erhält sie auch noch aggressive Nachrichten auf ihr Handy.
Zunächst ignoriert sie den digitalen Terror. Doch dann droht die anonyme Nervensäge, Violets Familie zu töten, sollte sich die besorgte Mutter den mörderischen Befehlen auf ihrem Display verweigern – oder gar jemanden wissen lassen, was hier gerade wirklich geschieht...
Ein Thriller, der nach einer guten Weinbegleitung schreit
Die Kinogeschichte ist reich an unterhaltsam-packenden Thrillern, die vorschnell als leichte (und leicht vergessene) Kost abgetan werden, doch dann beweisen, dass mehr in ihnen steckt: Aufgrund einer elegant-wertvollen Bildsprache überdauern sie die Zeit und werden zu gefeierten Klassikern. Ob auch „Drop“ noch in 30 Jahren Zungen schnalzen lässt, kann jetzt selbstredend bloß gemutmaßt werden. Aber fragt ihr den Verfasser dieses Streaming-Tipps, hat Landons Suspense-Vergnügen alles, was es dazu braucht!
So ist „Drop“ für eine nur elf Millionen Dollar teure Produktion verdammt edel geraten: Landon, Produktionsdesignerin Susie Cullen und Dekorateur Kevin Downey ließen den Hauptschauplatz des Luxusrestaurants in luftiger Höhe komplett nach ihren Wünschen in echt errichten. Das führt nicht bloß dazu, dass sich Violets Verabredung des Grauens an einem verdammt schmucken Ort abspielt.
Landon hat zudem auch jegliche Freiheit, den Schauplatz so in Szene zu setzen, dass er Violets Anspannung intensiviert und ganz beiläufig ihr Gemüt versinnbildlicht. Denkwürdig ist etwa eine Einstellung, in der Violet die volle Brenzligkeit ihrer Zwickmühle dämmert: Landon und Kameramann Marc Spicer verstärken dies, indem sie die optische Illusion erzeugen, die gülden beleuchteten Holzverzierungen des Restaurants wären die Streben eines Käfigs, der sich über Violet stülpt.
Auch außerhalb des prachtvollen Restaurants kreiert Landon elegant-unheilvolle Bilder. In einer frühen Rückblende auf Violets traumatische Vergangenheit zieht etwa eine dramatisch ausgeleuchtete, stilvolle Wendeltreppe den Blick auf sich – womit Landon früh verdeutlicht, in welcher Tradition „Drop“ steht:
Heimkino-Tipp: Dieser fesselnde Gothic-Horrorfilm war einst geschnitten – jetzt feiert er seine ungekürzte HD-Premiere!„Drop“ ist eine moderne Variante solcher Filme wie „Die Wendeltreppe“, ebenso erinnert er an diverse Produktionen des Filmemachers Val Lewton, dessen Projekte als kostensparende B-Movies anberaumt wurden, aber mit kurzweiliger Suspense und köstlicher Bildsprache jeglichem Wegwerf-Ruf entkommen konnten: Violet ist von der Situation überfordert, aber kompetent – und so verdient sie eine ihr Leid intensivierendes, sie zugleich respektvoll bewundernde Bildsprache!
Dieser Wechselschritt spiegelt sich auch im Dialogbuch: Die Figuren in „Drop“ sorgen mit beiläufigen Bonmots für herzliche Lacher. Zugleich schüren sie durch ihre Ignoranz gegenüber Violets Sorgen zugleich die Spannung, immerhin schließt jeder alltägliche Scherz aus, dass die juxende Person die Not als solche erkennt.
Und selbst, wenn Violets verängstigte Blicke richtig gedeutet werden, folgt aufgrund der „Niemand darf Bescheid wissen!“-Prämisse auf die Erleichterung sofort neue Beklemmung – etwa wenn eine wohltuend-charismatische Barkeeperin Violet besorgt zur Seite nimmt. Hinzu kommen ein adrenalinlastiges Finale (ganz wie in Cravens „Red Eye“) und einzelne, sonderbar spaßige Elemente, die in Erinnerung rufen, dass wir uns an diesem fiktiven Konstrukt erfreuen dürfen: „Drop“ ist die Art Film, die sich Violet und ihr Schwarm im Anschluss an ihr Dinner anschauen würden, wäre es besser verlaufen. Mit Weinglas in der Hand und Bewunderung in ihren Augen, die Spannung verzehrend wie ein gutes Steak.
Und wenn ihr wissen wollt, wie „Scream 7“ nun letztlich ohne Landon aussieht: Einen ersten Einblick in das Slasher-Sequel könnt ihr jetzt schon erhaschen!
Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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