Für unsere Initiative „Deutsches Kino ist (doch) geil!“ wählen wir jeden Monat einen deutschen Film, der uns ganz besonders gut gefallen, inspiriert oder fasziniert hat, um den Kinostart – unabhängig von seiner Größe – redaktionell wie einen Blockbuster zu begleiten. In diesem Monat ist die Wahl auf „Rote Sterne überm Feld“ (Kinostart: 6. November) gefallen. So ambitioniert ist das deutsche Kino selten – und dann auch noch in einem Regiedebüt!
Aber Laura Laabs hat sich in der zehnjährigen Vorbereitungszeit zu „Rote Sterne überm Feld“ zum Glück von nichts und niemandem zurückpfeifen lassen. Stattdessen springt sie in ausufernd-kurzweiligen 130 Minuten in diversen Bildformaten – vom analogen 16mm-Material bis digital, von knallig farbig bis körnig schwarz-weiß – durch die deutsche Geschichte. Agitatorisches Politkino knallt auf anarchischen Humor – und selbst das urdeutscheste aller Genres, der Krimi, wird durch den Fleischwolf gedreht, bevor der Film im Finale sogar noch in eine euphorische Musical-Sequenz mündet.
Neben der in der Jetztzeit spielenden Handlung fließen auch noch Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg, der Endzeit der LPGs nach der Wiedervereinigung sowie ein verschwörungsumwobener Zugriff auf RAF-Terrorist*innen in den zum Bersten vollgepackten Film mit ein. Aber während die meisten Regiedebüts stocksteif und ängstlich geraten, ist das doch gerade der Zeitpunkt, zu dem man sich noch mal so richtig rebellisch austoben sollte – und es würde wohl niemand auf die Idee kommen, Laura Laabs in dieser Hinsicht irgendwelche Vorhaltungen zu machen!
Das Fazit der offiziellen FILMSTARTS-Kritik von Michael Meyns lautet deshalb auch: „In ihrem Debütfilm führt Laura Laabs einmal quer durch die deutsche Geschichte vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart, spielt mit Verweisen und Bezügen, Bildformaten und Genremustern, was zu einem zwar bisweilen ausufernden, aber stets ambitionierten und originellen Film führt, wie man ihn derart mutig und drängend im deutschen Kino gerne häufiger sehen würde.“
Darum geht’s in "Rote Sterne überm Feld"
Die Aktivistin Tine (Hannah Ehrlichmann) lässt über dem Reichstag rote Fahnen wehen und muss daraufhin vor der Staatsmacht fliehen. Sie fährt in die Provinz Mecklenburg-Vorpommerns, nach Bad Kleinen. Hier lebt ihr Vater Uwe (Hermann Beyer) und hadert mit den Verwerfungen der Geschichte – nicht zuletzt wegen des Verschwindens seiner Frau.
Nicht weit von seinem Haus entfernt wird kurz darauf ein verwestes Skelett gefunden. Dessen Herkunft gibt Rätsel auf: Stammt es aus der DDR-Zeit, dem Zweiten Weltkrieg oder den 1990er Jahren, als im ehemaligen Zonenrandgebiet die Hoffnung auf blühende Landschaften versiegte und stattdessen ein blutiger Anti-Terror-Einsatz für Schlagzeilen sorgte?
Laura Laabs bei uns im Podcast
„Rote Sterne überm Feld“ hat bereits bei seiner Weltpremiere beim Filmfestival Max Ophüls den Kritikerpreis gewonnen und einen kleinen Hype ausgelöst. Wir haben uns auch deshalb die Filmemacherin Laura Laabs in unser Podcast-Studio eingeladen, um mit ihr ausführlich über ihr famos-überbordendes Debüt, die ungewöhnlichen Dreharbeiten sowie die Protestaktionen bei einem Berliner Filmfestival anlässlich der Besetzung von Rammstein-Sänger Till Lindemann als Erlkönig zu sprechen.
Webedia
Wir können euch nur empfehlen, bei dieser Folge unseres Podcasts Leinwandliebe reinzuhören. Man spürt im Gespräch mit Laura Laabs – die nach ihrem Filmdebüt mit „Adlergestell“ nebenbei auch noch ein preisgekröntes Romandebüt abgeliefert hat – einfach, wie unfassbar viel in den zehn Jahren Vorbereitungszeit in den Film hineingeflossen ist: