Im Jahr 1955 wurde Vladimir Nabokovs Roman „Lolita“ zu einem kontrovers diskutierten Bestseller – bereits sieben Jahre später folgte die Verfilmung von Regie-Legende Stanley Kubrick („2001: Odyssee im Weltraum“). Hier verkörperte James Mason den Professor Humbert Humbert, der eine obsessive Liebe zu seiner zwölfjährigen Stieftochter Dolores Haze, genannt Lolita (Sue Lyon), entwickelt.
Die in weiteren Rollen mit Peter Sellers und Shelley Winters besetzte erste Adaption ist heute längst berühmt und wurde auch in der offiziellen FILMSTARTS-Kritik mit der seltenen Maximalwertung von fünf Sternen geadelt. Doch einer zählt nicht zu den Fans des Klassikers: Quentin Tarantino! In einem Interview mit dem New Yorker gab der Kult-Regisseur („Pulp Fiction“) bekannt, ganz grundsätzlich kein Fan von Stanley Kubrick zu sein – und insbesondere „Lolita“ für eine vertane Chance zu halten.
Quentin Tarantino findet die zweite "Lolita"-Verfilmung viel besser
Tarantino begründete seine Position wie folgt: „Die Vorstellung, man könne ‚Lolita‘ verfilmen, ohne auch nur ein einziges wirklich verstörendes Bild darin zu haben, ist absurd. Er hat das Faszinierendste an der Vorlage ausgelassen – nämlich den Blick durch die Augen eines Pädophilen […].“
Dem 62-Jährigen ging Kubrick also nicht weit genug. Ganz anders als „9 ½ Wochen“-Macher Adrian Lyne, der sich mehr als drei Jahrzehnte später – nämlich im Jahr 1997 – ebenfalls an dem Stoff versuchte. Seine Version mit Jeremy Irons und Dominique Swain in den Hauptrollen erhielt damals durchwachsene Kritiken und fiel an den Kinokassen gnadenlos durch.
Tarantino dagegen hält sie sogar für „ein Meisterwerk“! „Als ich [Adrian Lynes ‚Lolita‘] gesehen habe, dachte ich nur: Junge, ich weiß nicht, ob Kubrick überhaupt den Roman gelesen hat“, so der „Once Upon A Time... In Hollywood“-Schöpfer. Tatsächlich rückte Lyne die sexuellen Aspekte deutlich in den Vordergrund und legte seine Variante als erotisches Drama an, während Kubrick „Lolita“ eher als Satire interpretierte.
Übrigens: Noch härter ging Tarantino mit einem anderen Kubrick-Meisterwerk ins Gericht. Er hält ihn deshalb sogar für einen „verlogenen Heuchler“! Mehr dazu lest ihr im nachfolgenden Artikel:
"Verpiss dich!": Darum hält Quentin Tarantino einen der größten Regisseure aller Zeiten für einen verlogenen Heuchler*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.