Seit seinen ersten Regie-Arbeiten ist Quentin Tarantino bekannt für seine stimmungsvollen Bezüge zu unterschiedlichsten Film-Genres, -Stilen und -Strömungen. Dass seine Begeisterung auch in die Welt der Eastern, Martial-Arts- und Wuxia-Filme reicht, ist spätestens seit seinem zweiteiligen Rache-Epos „Kill Bill“ (2003) bekannt.
Doch gerade als Tarantino im Begriff war, „Kill Bill: Volume 1“ im Schneideraum den letzten Schliff zu verleihen, wurde er gebeten, für einen chinesischen Film einzustehen, der den meisten Kritiker*innen bis heute als ästhetisches wie erzählerisches Meisterwerk gilt: das Martial Arts-Epos „Hero“ von Regisseur Zhang Yimou.
Darum geht’s in "Hero":
Zur „Zeit der streitenden Reiche“, vor über 2000 Jahren, ist China in sieben, sich gegenseitig bekriegende Reiche geteilt – zum Leidwesen der Bevölkerung. Dabei wird vor allem der König von Qin (Chen Daoming) als besonders brutaler Herrscher gefürchtet und verachtet, was ihm in der Vergangenheit mehrere fehlgeschlagene Attentate beschert hat.
Eines Tages erscheint ein namenloser Held (Jet Li) am Hofe des Königs, um ihm Geschichten über die drei zu Fall gebrachten Attentäter Weiter Himmel (Donnie Yen), Zerbrochenes Schwert (Tony Leung) und Fliegender Schnee (Maggie Cheung) zu erzählen. Doch mit jeder, von einer bestimmten Farbe dominierten Geschichte wandelt sich das Bild von den drei Attentätern und dem rätselhaften Namenlosen…
United International Pictures
In seiner Filmstarts-Kritik vergab Jürgen Armbruster nahezu perfekte 4,5 von 5 Sternen an „Hero“ und beschrieb Zhang Yimous Film als „stilistisches und visuelles Feuerwerk erster Güte“. Wer „Hero“ bislang noch nicht gesehen hat oder nun dringend wieder schauen muss, kann dies aktuell im Abo von Joyn tun:
Aufgeschobener US-Start
Im Herbst 2002 erschien „Hero“ in China und begeisterte das dortige Publikum mit seinem klassischen Wuxia-Plot, den virtuos-magischen Kampfszenen und der atemberaubenden Ausstattung ungemein. Auch über China hinaus sahen Kritiker*innen den großen Wert von Zhang Yimous neuestem Werk, das auch für den „Besten fremdsprachigen Film“ bei den Academy Awards von 2003 nominiert wurde. Doch trotz diverser weiterer internationaler Starts, blieb ein Release von „Hero“ in US-Kinos zunächst aus.
Dabei hatte sich der Verleih Miramax die US-Distributionsrechte für den Film schon längst gesichert, schob aber einen US-Start wieder und wieder auf. Und hier kam Quentin Tarantino, der damals noch eng mit Harvey Weinstein und Miramax zusammengearbeitet hatte, ins Spiel: Wie die New York Times berichtete, drängten die chinesische Regierung und Disney bei Miramax darauf, „Hero“ endlich in den USA starten zu lassen. Dafür holten sie offenbar auch Tarantino mit ins Boot, damit „Hero“ mit dem Claim „Quentin Tarantino präsentiert“ im Sommer 2004 in den US-Kinos starten konnte.
Wie Tarantino damals dem Magazin Fangoria mitteilte, war er mehr als willens und stolz, „Hero“ zu präsentieren: „Ich musste dafür mit Miramax kämpfen. Ich glaube, sie hatten das Vertrauen in den Film verloren. Ich hielt ‚Hero‘ für ein absolutes Meisterwerk.“ Ende gut, alles gut: Das amerikanische Kinopublikum vertraute auf Tarantinos Empfehlung und vielleicht auch auf die positiven Erfahrungen mit Ang Lees nur wenige Jahre zuvor erschienenem Wuxia-Film „Tiger & Dragon“ und bescherte „Hero“ einen kleinen Box-Office-Erfolg.
Welchem anderen asiatischen Film Quentin Tarantino ebenfalls Starthilfe für den US-Erfolg gab, erfahrt ihr hier:
Quentin Tarantino liebt diesen 90er-Jahre-Klassiker – so sehr, dass er ihn höchstpersönlich ins Kino brachte!*Bei diesem Link zu Joyn handelt es sich um einen Affiliate-Link. Mit dem Abschluss eines Abos über diesen Link unterstützt ihr FILMSTARTS. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.