Der neuste Film eines gefeierten Kultregisseurs kommt jetzt ins Heimkino: Wohlfühlkino, das euch auf eine wunderschöne Zeitreise mitnimmt
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Hübsch ausgestattet, witzig und verliebt in den Impressionismus: „Die Farben der Zeit“ ist ein neuer tragikomischer, lebensbejahender Wohlfühlfilm des beliebten Regisseurs Cédric Klapisch – jetzt neu im Heimkino!

In Frankreich ist Cédric Klapisch einer der größten Namen des Gegenwartskinos. Doch der Mitbegründer der herausragend kuratierten Streamingplattform LaCinetek hat auch außerhalb seines Heimatlands Spuren hinterlassen: Mit „L'Auberge Espagnole – Barcelona für ein Jahr“ etwa inszenierte er einen absoluten Klassiker für Generationen an Erasmus-Studierenden. Zudem legte er mit der „Call My Agent!“- Pilotfolge den Grundstein für ein internationales Showbiz-Satire-Serienimperium.

Oft befasst sich Klapisch mit einem komisch-erbaulichen Zusammenprall – nicht nur in seinem Auslandsjahr-Kultfilm „L'Auberge Espagnole“ und dessen Fortsetzungen voller Culture-Clash-Humor. Auch in seinem neusten Film kollidieren Welten, wie ihr nun in euren eigenen vier Wänden erleben könnt:Die Farben der Zeit“ feierte diese Woche seine Heimkino-Premiere:

Bei Klapischs neustem Film handelt sich um eine filmische Zeit- und Genrereise: Von einer Gegenwartskomödie geht es hin zu einem Historiendrama über das malerische Paris in einer Zeit des technologischen, kulturellen und gesellschaftlichen Wandels. Und hin und zurück, wodurch ein unterhaltsamer, lebensbejahender Dialog entsteht. Dabei kommt es zu Funken sprühenden Reibungen zwischen tatsächlichem und vermeintlichem Fortschritt, Eigen- und Gesellschaftssinn sowie Rückbesinnung und Stillstand.

Sowohl auf DVD als auch auf Blu-ray gibt es Bonusmaterial in Form entfernter Szenen und einer Featurette mit dem Titel „Pigmente & Pixel – Cédric Klapisch und die Farben des Impressionismus“. Wer darauf und auf die physische Komponente verzichten kann, hat die Option, „Die Farben der Zeit“ als VOD zu beziehen, etwa via Prime Video*.

Darum geht es in "Die Farben der Zeit"

Eine Erbschaft führt vier entfernte Verwandte (Abraham Wapler, Julia Piaton, Vincent Macaigne und Zinedine Soualem) zusammen: Sie sollen im Namen ihrer restlichen, weit verzweigten Verwandtschaft ein verlassenes Landhaus begutachten und entscheiden, was mit ihm geschieht. Im Zuge dessen untersucht das Quartett seine nebulöse, tragikomische Familiengeschichte:

Im Jahr 1895 verließ ihre Vorfahrin Adèle (Suzanne Lindon) im Alter von 21 Jahren die ihr heimische Normandie, um in Paris ihre Mutter zu suchen. Daraufhin erlebte sie hautnah mit, wie die bildschöne Stadt in die Moderne überging. Und auch wir sind mit dabei, wenn Adèle den Vormarsch der Fotografie bestaunt und die Anfänge der impressionistischen Malerei bezeugt...

Ausgewogene Impressionen

Zu Beginn zeigt Klapisch, der mit Santiago Amigorena das Drehbuch verfasst hat, leidlich interessierte sowie sich lediglich um sich und ihre Social-Media-Kanäle drehende Menschen im Museum. Ein Auftakt mit Risikofaktor: Wer sich 2025 echauffiert, dass sich Menschen im Angesicht unfassbarer Schönheit allein fragen, wie sie damit rasch Likes abgreifen können, statt sich auf den prachtvollen Anblick einzulassen, wird gern im ertappt-pampigen Tonfall mit „Boomer!“ angeblafft.

Möglich also, dass manche Filmfans schon wenige Minuten nach dem „Die Farben der Zeit“-Auftakt augenrollend zum Handy greifen. Dabei rattert Klapisch keine im Klischee versinkende Generationskritik herunter, sondern kreiert eine hübsche Verneigung vor dem Impressionismus – durch die sich eine breit gefächerte, die sie umgebende Kunst missachtende Menschengruppe drängt. Gegenwartsverdruss lässt sich Klapisch aber nicht vorwerfen, denn ignorantes Gedrängel vor zeitloser Schönheit wird sich im Film in beiden Zeitsträngen wiederholen...

Die Farben der Zeit
Die Farben der Zeit
Starttermin 14. August 2025 | 2 Std. 06 Min.
Von Cédric Klapisch
Mit Suzanne Lindon, Abraham Wapler, Vincent Macaigne
User-Wertung
3,5
Filmstarts
3,0
Vorführungen (18)

Davon ausgehend platziert Klapisch punktuelle Szenen verschiedenster Couleur, die zu einem eindrucksvollen, schwärmerischen Gesamtbild einladen: Hier ein Internet-Alltagssketch über Videokonferenzfilter, da eine kopfschüttelnde Satire über egozentrische Influencer*innen, dort ein beiläufig-frohes Loblied auf die Möglichkeiten neuer Technologien.

All das zahlt auf den farbenfroh und detailreich ausgestatteten Handlungsfaden im späten 19. Jahrhundert ein: Ein Klecks von historischem Feminismus, einige Pinselstriche Liebesdreieck (die Grundfarbe des französischen Kinos), ein paar Spritzer Familiendrama und Identitätssuche.

Alles zusammen ergibt, vage im Sinne des Impressionismus, einen Wahrnehmungs-Schnappschuss, der uns zur Reflexion einlädt und wohlig Schwärmen lässt. In diesem Fall über Familiensinn, Hingabe, Wandel, Austausch und Zeitlosigkeit. Und wenn ihr noch mehr eindrucksvolles französisches Kino erleben wollt, folgt einfach unserem Streaming-Tipp:

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