7,5 Millionen Menschen haben sie in den deutschen Kinos gesehen: Bildgewaltige Bestseller-Verfilmung jetzt im Heimkino nachholen
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Es ist einer der erfolgreichsten Filme in der deutschen Kinogeschichte: Das Familiendrama „Jenseits von Eden“ hat eine biblische Fallhöhe, starke Performances und imposante Bilder zu bieten – erlebt es idealerweise in 4K im Heimkino!

Es war der erste Film, in dem James Dean zeigen konnte, was in ihm steckte. Und in Deutschland war er der größte Kassenschlager des viel zu früh verstorbenen Teenieschwarms: Über 7,5 Millionen Menschen stürmten für „Jenseits von Eden“ in die hiesigen Lichtspielhäuser, womit die Bestseller-Verfilmung zu den 100 meistbesuchten Hits der (verbuchten) deutschen Kinogeschichte gehört.

Der auf intensive Farben und noch intensivere Emotionen setzende Publikumsrenner stieß ebenso in der Filmbranche auf Gegenliebe. So wurde es für vier Oscars nominiert (in der Sparte „Beste Nebendarstellerin“ setzte sich Jo Van Fleet sogar erfolgreich durch), inspirierte Nicolas Cage dazu, Schauspieler zu werden, und erweckte Leonardo DiCaprios Passion für Filme. Falls ihr den Meilenstein nachholen (oder wieder erleben) möchtet: „Jenseits von Eden“ ist auf DVD, Blu-ray sowie als 4K-Edition erhältlich – und immer einen Blick wert!

Unsere klare Empfehlung ist die 4K-Variante, die auf einer eindrucksvollen Restauration basiert. Und wenn ihr den Film mit seiner Vorlage vergleichen möchtet: Den als Opus magnum des Literatur-Nobelpreisträgers John Steinbeck gefeierten, gleichnamigen Roman könnt ihr über diverse Händler beziehen, darunter Amazon*.

Darum geht es in "Jenseits von Eden"

1917: Die Zwillinge Aron (Richard Davalos) und Cal (James Dean) leben im kalifornischen Städtchen Salinas und werden von ihrem Vater, dem Farmer Adam Trask (Raymond Massey), ungleich behandelt. Der brave und mustergültige, aber einfallslose Aron wird von Adam klar bevorzugt, während sich der einfallsreiche, wenngleich rebellische Cal noch so sehr anstrengen kann: Er wird als unerhört und unberechenbar abgetan.

Als Cal zu Ohren bekommt, dass seine totgeglaubte Mutter Kate (Jo Van Fleet) in Wahrheit lebt und im unweit gelegenen Monterey ein Bordell betreibt, sucht er sie auf, um das Gerücht zu bestätigen. Daraufhin mit gefährlichem Wissen (sowie mit einem Darlehn seiner Mutter) ausgestattet, nimmt sich der vermeintlich sündige Rebell vor, sein Leben in eine neue Richtung zu lenken und sich mit Tatendrang die Liebe seines Vaters zu erkaufen. Doch durch Salinas weht ein rauer Wind der Tragik, dem selbst der stoische Cal nicht gewachsen ist...

Ein mahnendes Drama über Unverständnis

Drehbuchautor Paul Osborn und Regisseur Elia Kazan versuchten gar nicht, Steinbecks massiven Roman komplett zu adaptieren. Stattdessen haben sie sich auf den vierten und finalen Sinnabschnitt des Bestsellers beschränkt. Eine gewagte kreative Entscheidung, die auf Vollständigkeit bedachte Fans der Vorlage vor den Kopf zu stoßen droht, aber in ein hervorragendes, stimmiges Drama mündet, das stark verdichtet und allegorisch überhöht ist – und daraus enormen Reiz generiert.

„Jenseits von Eden“ war Kazans erster Film in Farbe und im breiten CinemaScope-Format, und er nutzt diesen technologischen Sprung auf Anhieb meisterhaft: Kazan und Kameramann Ted McCord lassen die Geschichte in lebhaften, intensiven Farben erstrahlen und betonen die ausgeprägten Texturen der Sets sowie der kalifornischen Natur.

Dadurch wird das Geschehen um melodramatische Gravitas bereichert, die sich hervorragend mit den getragenen, bedeutungsschweren Dialogen und den zahlreichen biblischen Referenzen der Story fügt: „Jenseits von Eden“ will nicht als aus dem alltäglichen Leben gegriffene Familienerzählung verstanden sein, sondern als moderne Parabel biblischen Ausmaßes, die über Eifersucht, eiskalte Herzen und verhärmt-eingeengte Weltanschauungen referiert – all das heruntergebrochen auf eine kleine, kaputte Familie.

Eine bedeutsame Farbwelt

Eine immense Stärke von „Jenseits von Eden“ ist, dass Kazan und McCord die Eigenheiten der ihnen gegebenen Technik bewusst zu ihrem Vorteil eingesetzt haben: Der Klassiker wurde mit dem hauseigenen Farbverfahren der verantwortlichen Warner-Studios produziert – WarnerColor. Weite Segmente des Farbspektrums konnte dieser Prozess schlechter bedienen als der namhaftere Konkurrent Technicolor – allerdings war es WarnerColor möglich, reichhaltig-faszinierende Blau-, Weiß-, Rot- und Brauntöne einzufangen.

Und so ist „Jenseits von Eden“ unter anderen durchzogen von sündig lockendem Rot, gemütlich-dunklem und unbequem-kaltem Holz sowie unwirtlich-sonnengegerbter kalifornischer Erde, die gegen die landwirtschaftlichen Bemühungen der Figuren arbeitet – wohingegen das rare Grün der Natur ausgeblichen ist, eine müde Erinnerung an ein verlorenes Paradies.

Und wenn im späteren Verlauf dieser Abwandlung der Kain-und-Abel-Geschichte der sich nach Vergeltung sehnende Cal seinen Bruder in den Garten lockt, legt sich ein samtig-düsterer, schwarzblauer Nachthimmel über einen bildhübschen Baum – während sich Dean gen Davalos schlängelt, den Moment der Verführung unter dem Baum der (verdammten) Erkenntnis in Erinnerung rufend. Solche Bibelverweise dienen in „Jenseits von Eden“ keinem prätentiösen Selbstzweck, sondern unterstreichen geistreich Kazans Absicht, einen anti-puritanischen Film zu machen:

Kate ist nur auf dem flüchtigsten Blick eine Neuinterpretation Evas als gefallene Frau, die ihre Heimat mit Alkohol und Sex vergiftet. Denn sie erweist sich als einsichtiger, gütiger und verständnisvoller als Adam, dem zwar flüssig vorgetragene Bibeltexte wichtig sind, deren Botschaft von Empathie, Vergebung und Nachsicht jedoch nicht begreift. Mit seiner bigotten Frömmigkeit ist er es, der den unruhigen, sinnsuchenden Cal dazu bringt, sich gegen seinen rein performativ wohlmeinenden Bruder aufzulehnen.

Und wenn ihr nach der gequält um Hingabe bettelnden Dean-Darbietung aus „Jenseits von Eden“ noch mehr von dieser Ikone sehen wollt, folgt doch einfach diesem Streaming-Tipp:

Streaming-Tipp: Dieses bildgewaltige 200-Minuten-Epos ist der unvergessliche Abschied von einer Schauspielikone

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