2016 eroberte der Roman „Ein Festtag“ von Graham Swift internationale Bestsellerlisten. Zudem erntete die Erzählung über Standesgrenzen, eine ebenso innige wie verpönte Liebe und die Sehnsucht danach, ein anderes Leben zu führen, großes Lob von der Fachpresse. Fünf Jahre später feierte eine gleichnamige Adaption ihre Kinopremiere – und wurde weitestgehend übersehen.
Dabei versammelte Regisseurin Eva Husson („Bang Gang – Die Geschichte einer Jugend ohne Tabus“) eine namhafte Besetzung, zu der Emma D'Arcy, Academy-Award-Gewinnerin Olivia Colman, Oscar-Preisträger Colin Firth, Academy-Award-Preisträgerin Glenda Jackson („Liebende Frauen“) sowie „Assassination Nation“-Mimin Odessa Young gehören.
Vielleicht kam das distanziert erzählte, dennoch gefühlvolle und zwischendurch flirrend-sinnliche Historien-Liebesdrama einfach zur falschen Zeit – lief es doch im noch pandemisch geprägten 2021 an. Nun erhält es eine neue Chance auf Aufmerksamkeit. Arte zeigt „Ein Festtag“ heute, am 19. November 2025, ab 20.15 Uhr als deutsche Free-TV-Premiere! Zudem ist der Film in der arte-Mediathek abrufbar und im Abo von Amazon Prime Video enthalten:
Darum geht es in "Ein Festtag"
England anno 1924: Der aus wohlhabendem, gesellschaftlich angesehenem Hause stammende Paul Sheringham (Josh O'Connor) und die als Dienstmädchen tätige, elternlose Jane Fairchild (Odessa Young) sind ineinander verliebt. Sie fanden schon vor einiger Zeit zueinander. Doch sie können ihre Beziehung bloß im Verborgenen ausleben – zu groß ist die Diskrepanz zwischen ihnen, als dass man sie dulden würde!
An einem sonnigen Sonntag im März kommt es daher zu einem traurigen, letzten Rendezvous: Paul soll bald eine andere heiraten. Jetzt nutzen Jane und Paul aber erst einmal den sogenannten „Mothering Sunday“, um unbemerkt Zeit miteinander zu verbringen – schließlich haben an diesem Stichtag Herrschaften wie Dienerschaft gleichermaßen frei. Dieser bittersüß beginnende Festtag hält für das tragische Paar noch schicksalhafte Überraschungen parat...
Kurz flirrende Passion, lang(sam) schmerzende Reue
Obwohl „Ein Festtag“ auf einem schmalen Roman basiert, ist die von „Die My Love“-Autorin Alice Birch verfasste Adaption keine rasche Angelegenheit: Birch und Husson nehmen Swifts ökonomisch strukturierte, ebenso nachdenkliche wie intensiv-sehnsuchtsvolle Vorlage und formen sie zu einem kraftvollen, wenngleich bedächtig voranschreitenden Film.
Das dürfte die eine oder andere Geduld überstrapazieren, nicht zuletzt, da die zentralen Figuren nach außen hin wenig handeln – von einer tiefe, stille Verzweiflung in forschen Zorn umwandelnden Colman als Janes Arbeitgeberin abgesehen. Doch die unter anderem von Sofia Coppola und Wong Kar-Wai inspirierte Husson stellt konsequent die Handlungsprämisse der zentralen Emotionalität des Stoffes gegenüber:
„Ein Festtag“ muss zäh vorwärtskommen, da wir so in die Gefühlswelt von Jane und Paul gezogen werden, die aus offensichtlichen Gründen nicht wollen, dass ihr letztes Rendezvous wie im Fluge vergeht. Diesen inneren Tumult vermitteln Young und O'Connor gekonnt sowie auf verschiedenster Ebene durch ihre Ko-Stars gestützt – und die schleichende Erkenntnis, aus welcher Perspektive „Ein Festtag“ von Kummer, Sehnsucht, Reue sowie Zorn über verlorene Zeit berichtet, lässt die eisig-distanzierte Narrative noch konsequenter, geradezu unvermeidlich erscheinen.
Aufgebrochen wird dieses erdrückende Gefühl durch pointierte, bedeutsame Augenblicke flüchtiger, überbordender Sinnlichkeit und alle Sorgen ausblendender Wärme – die Zutaten, die es erst braucht, um solch einen Verlust vernehmen zu können, wie ihn Husson in „Ein Festtag“ illustriert. Um Kummer und Verlust geht es übrigens auch in unserem folgenden Streaming-Tipp – wenngleich sich dies in ganz anderer Form äußert:
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