„Killers Of The Flower Moon“ war für Martin Scorsese („GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“) ein echtes Herzensprojekt. Die Verfilmung des gleichnamigen Sachbuchs widmet sich den sogenannten Osage-Morden in Oklahoma zwischen 1910 und 1930. Herausgekommen ist ein bildgewaltiges, durchweg hervorragend besetztes Historien-Drama, das sich mit einer Laufzeit von fast dreieinhalb Stunden einen entsprechend epischen Rahmen nimmt, um der gleichermaßen tragischen wie empörenden Geschichte den nötigen Raum zu geben.
Oscar-Gewinnerin und „True Detective“-Star Jodie Foster hat sich zu „Killers Of The Flower Moon“ geäußert – und dabei betont, dass selbst diese ausufernde Länge nicht ausgereicht habe, um dem erschütternden Schicksal der amerikanischen Ureinwohner*innen gerecht zu werden.
"Killers Of The Flower Moon" hätte eine Serie sein sollen
Am Wochenende wurde Jodie Foster auf dem Filmfestival von Marrakesch mit einem Ehrenpreis gewürdigt. Diese Auszeichnung nahm sie zum Anlass, über die Bedeutung von Streaming in der heutigen Medienlandschaft zu sprechen: „Streaming ermöglicht Dinge, die wir im traditionellen Mainstream-Kino nicht mehr umsetzen können. Echte Geschichten werden in den USA heutzutage im Streaming-Bereich erzählt. Große Superhelden-Franchises laufen zwar im Kino, aber die wirklichen Geschichten findet man im Streaming“, so die 63-Jährige.
Auch wenn es für viele Filmfans ein Ereignis war, „Killers Of The Flower Moon“ im Kinosaal zu erleben – ein Film, der übrigens nur dank der Finanzierung durch den Streamingdienst AppleTV überhaupt realisiert werden konnte –, wäre es Jodie Foster lieber gewesen, wenn das Historienepos als zum Beispiel achtteilige Serie im Streaming erschienen wäre, um allen Facetten des Stoffes gerecht zu werden:
„Es wollte die Erfahrungen der indigenen Bevölkerung Amerikas beleuchten, und so entstand ein sehr interessanter Film über zwei Männer, die sich immer wieder austauschen. Alle waren begeistert, dass die Geschichte der Ureinwohner erzählt werden sollte, und dann stellen sie fest: 'Wow, alle indigenen Frauen sind tot.' Sie sagen: 'Nun ja, es ist ein Spielfilm, wir hatten keine Zeit', aber die Zeit war da. Es gab eine achtstündige Mini-Serie, die nicht realisiert wurde, die aber hätte gedreht werden können.“
Kein böses Blut zwischen Foster und Scorsese
Foster ist der Ansicht, dass „Killers Of The Flower Moon“ zwar eindrucksvoll Einblicke in das Wesen toxischer Männlichkeit gewährt, die Perspektive der Ureinwohner*innen jedoch etwas zu kurz komme: „So viele Filmemacher haben so viel Potenzial, aber sie denken: ,Ich möchte unbedingt einen Spielfilm drehen, aber keinen 75-Minuten-Film, sondern einen fünfstündigen.' Man fragt sich dann: Warum zeigen sie so etwas im Kino?“
Ihre Kritik an „Killers Of The Flower Moon“ sei jedoch keineswegs negativ gemeint, sondern als Anstoß, Streaming als Möglichkeit zu würdigen, das erzählerischen Visionen heutzutage eher gerecht wird als das Kino. Foster unterstrich außerdem, wie wichtig ihr die Zusammenarbeit mit Martin Scorsese und Robert De Niro bei „Taxi Driver“ gewesen sei. Zudem hat Scorsese im Rahmen ihrer Ehrung auch eine persönliche Videobotschaft beigesteuert.
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"Bis heute mein Lieblingsfilm": Martin Scorsese verehrt dieses aufwändige Historien-Epos – obwohl er es nicht einmal besonders gut findet!