Jetzt im Heimkino nachholen: So einen Weltuntergangsfilm habt ihr noch nie gesehen!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Prunkvoll-einsame Bilder aus dem Salzminenbunker und eine dem Kollaps der Zivilisation entflohene, singende Familie – all das unter der Regie von „The Act Of Killing“-Macher Joshua Oppenheimer: „The End“ tanzt nun auch durchs Heimkino!

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne – so auch dem postapokalyptischen „The End“: Das Musical, das über 20 Jahre nach dem Kollaps der uns bekannten Welt spielt, ist für Regisseur Joshua Oppenheimer der Beginn eines neuen Karrierekapitels. Zuvor stemmte er Kurzfilme, Kunstinstallationen und die abendfüllenden, einem Schlag in die Magengrube gleichenden Dokumentationen „The Act Of Killing“ sowie „The Look Of Silence“.

Doch mit dem Endzeitmusical „The End“ öffnete er sich erstmals dem Metier des fiktionalen Langfilms – ein Schritt, der von der Filmpresse überaus interessiert beäugt und zwiegespalten aufgenommen wurde. Falls ihr nicht dazu gekommen seid, euch im Kino einen Eindruck zu verschaffen (oder schon im Pro-Lager seid und den Film euer Eigen nennen möchtet): „The End“ ist ab sofort im Heimkino erhältlich!

FILMSTARTS gehört bei diesem ambitionierten Spalter zum positiven Lager. So bemängelte unser Autor Patrick Fey zwar, dass „The End“ zumeist schon Antworten auf seine thematischen Fragen mitliefere (im Gegensatz zu Oppenheimers anspruchsvolleren und emotional tiefgreifenderen Dokus). Doch zugleich lobte Fey „The End“ als „visuell opulent und überdies mit einem herausragenden George MacKay aufwartend“ sowie als „durchaus mit griffigen Pointen gespickt“.

Darum geht es in "The End"

Die Klimakatastrophe hat die Zivilisation nahezu komplett dahingerafft. Doch Schwerreiche haben dieses Desaster nicht bloß intensiv befeuert – manche von ihnen haben es auch überlebt. So hat sich ein Paar (Tilda Swinton und Michael Shannon) mit seinem Sohn (George MacKay) in eine Salzmine geflüchtet, die zum opulenten Bunker umfunktioniert wurde.

Gesellschaft wird ihnen von ihrer besten Freundin (Bronagh Gallagher), einem Arzt (Lennie James) und einem Hausangestellten (Tim McInnerny) geleitet – sowie von der handverlesenen Kunst, mit denen die hohen Wände geschmückt sind. Als eines Tages eine Unbekannte (Moses Ingram) vor der Türschwelle steht und um Hilfe bittet, entwickelt der Junior etwas, vor dem sich seine Eltern fürchten: Gewissenhaftigkeit und kritisches Denken!

Gewissen, das von Musik begleitet in der Salzmine gedeiht

Acht Jahre lang brütete Oppenheimer über „The End“, bevor der mit 13 von ihm und Theaterkomponist Joshua Schmidt verfassten Songs bestückte Film seine endgültige Gestalt annahm. Gedreht wurde in Irland, Deutschland und Italien, wobei die Salzminen auf Sizilien das wohl mit Abstand eindrucksvollste Motiv dieses atypischen Weltuntergangsfilms darstellen.

Angesichts der bewusst-trockenen Form, der selbstverständlichen Dissonanzen in den Gesangseinlagen und der Anti-Geldgier-Metapher vor opulentem Hintergrund urteilte das Hollywood-Branchenportal Variety: „Es wird womöglich nie wieder einen Film wie ‚The End‘ geben, und allein das schon macht ihn besonders.“

Oppenheimer wiederum bezeichnete ihn der Presse gegenüber als Auseinandersetzung mit der Frage, ob die Menschheit an einem Punkt angekommen ist, an dem sie zu viel Schuld auf sich geladen hat, um sich von ihrer Vergangenheit wieder reinzuwaschen. Und wenn ihr Zukunftsmusik sucht, die ganz andere Töne anschlägt, ist unser folgender Heimkino-Tipp sicher nach eurem Geschmack:

*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren