Tom Hanks hat im Laufe seiner Karriere viele ikonische Rollen gespielt, dass sich daraus mühelos ein eigenes Filmlexikon zusammenstellen ließe. Vom Astronauten in „Apollo 13“ (1995) bis hin zum Soldaten in „Der Soldat James Ryan“ (1998) stand er immer wieder für Figuren, die sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben. Umso bemerkenswerter ist es, dass ausgerechnet jene Rolle, auf die Hanks sich ganz besonders gefreut hatte, zu einem seiner größten künstlerischen Flops der vergangenen Jahre wurde. Gemeint ist seine Mitwirkung an Disneys Realverfilmung von „Pinocchio“ der 2022 direkt auf Disney+ erschien.
Tom Hanks wollte Geppetto unbedingt spielen
Für den zweifachen Oscar-Preisträger war das Remake weit mehr als ein weiterer hochdotierter Studioauftrag. Für ihn bedeutete dieser Film die späte Erfüllung eines lange gehegten Wunsches – und die erneute Auseinandersetzung mit einem Werk, das ihn seit Jahrzehnten begleitet und geprägt hat. Der Disney-Klassiker von 1940 gehört für Hanks fest zum kulturellen Fundament des amerikanischen Kinos.
Im Interview mit ET Online sprach der Schauspieler mit spürbarer Begeisterung über seine enge Verbindung zu dem Original. „Das ist, als würde man Teil der ‚27 Yankees‘ werden – das reicht so weit zurück im amerikanischen kulturellen Zeitgeist“, erklärte Hanks. Weil er bereits Walt Disney in „Saving Mr. Banks“ (2013) verkörpert hatte, habe er sich im Vorfeld intensiv mit der Entstehungsgeschichte von „Pinocchio“ beschäftigt. „Ich wusste viel zu viel darüber – ich war bereit loszulegen“, erinnerte sich Hanks.
Als er schließlich erfuhr, dass Robert Zemeckis („Zurück in die Zukunft“) die Neuverfilmung inszenieren würde, zögerte er keine Sekunde. Statt langwieriger Gespräche genügte ein kurzer Anruf. „Ich habe Bob Zemeckis kalt angerufen und nur ein Wort gesagt: ‚Pinocchio‘. Er sagte: ‚Ja‘. Dann sagte ich: ‚Geppetto‘. Und er antwortete: ‚Wirklich?‘ – und das war’s“, schilderte Hanks die Entstehungsgeschichte seiner Besetzung.
Für Tom Hanks ist der Stoff bis heute „ein großartiges Meisterwerk“, wie er selbst schwärmte – eine Einschätzung, die viel darüber verrät, weshalb er sich dieser Rolle mit so großer Hingabe widmete. Allein die Aussicht, Teil eines Films zu sein, der untrennbar mit „Wenn du an einen Stern deine Wünsche sendest“ verbunden ist, reichte für ihn als Motivation völlig aus.
Hinzu kam die technische Dimension des Projekts, die Hanks besonders faszinierte. Er verwies darauf, dass alte „Pinocchio“ der erste Disney-Film war, der die Multiplan-Kamera einsetzte – eine bahnbrechende Innovation, die der Animation damals eine neue räumliche Tiefe verlieh. Für Hanks stellt die heutige digitale Technik, mit der Zemeckis arbeitet, das moderne Gegenstück zu dieser Revolution dar. Die Geschichte des Films, so Hanks, sei untrennbar mit technologischem Fortschritt verbunden – und genau das habe den Reiz ausgemacht.
Trotz Hanks' Begeisterung: Das "Pinocchio"-Remake kam gar nicht gut an
Doch so groß die Liebe zum Original auch war, so ernüchternd fiel letztlich die Resonanz auf das Remake aus. „Pinocchio“ reihte sich nahtlos in die lange Liste der Disney-Realverfilmungen ein, die zwar mit enormem Aufwand produziert wurden, kreativ jedoch oft hinter den Erwartungen zurückblieben. Seit „Alice im Wunderland“ (2010) greift der Konzern regelmäßig auf seine Animationsklassiker zurück – mit stark schwankendem Erfolg. Während Disney-Remakes wie „Das Dschungelbuch“ (2016) durchaus eigene Akzente setzen konnten, wirkten andere Neuauflagen eher wie pflichtbewusste Rekonstruktionen.
Auch der neue „Pinocchio“ konnte viele Zuschauer*innen nicht überzeugen. Die FILMSTARTS-Kritik fiel entsprechend deutlich aus und vergab lediglich 2 von 5 Sternen. Unser Autor Sidney Schering brachte das Problem prägnant auf den Punkt und bescheinigte der Neuverfilmung „wenig Eigenständigkeit und noch weniger Filmzauber“. Noch dicker kam es bei den Anti-Oscars, den sogenannten Razzie Awards. Hier wurde Hanks sogar für seine Rolle des Geppetto nominiert. Kurios: Er wurde tatsächlich zweifach (!) ausgezeichnet – allerdings nicht für „Pinocchio“, sondern für ein erfolgreiches Biopic, das im Sommer 2022 in die Kinos kam. Mehr dazu hier:
Der Anti-Oscar für den schlechtesten Film des Jahres geht an Netflix – und Tom Hanks gewinnt gleich zwei (!) Goldene Himbeeren 2023Doch bei all der Kritik und Schmähung bleibt doch etwas Tröstliches: Nicht jeder Film muss ein Erfolg sein, um für seine Beteiligten von Bedeutung zu sein. Für Tom Hanks war „Pinocchio“ die späte Begegnung mit einem Werk, das ihn seit Jahrzehnten begleitet. Vielleicht kein Triumph an den Kritiken-Fronten, aber ein sehr persönliches Kapitel in einer außergewöhnlichen Karriere – in der er bereits mehrfach mit Robert Zemeckis zusammengearbeitet hat. Dazu gehört auch ein Klassiker, in dem Hanks gleich zwei Rollen spielte – was die meisten aber mittlerweile vergessen haben. Mehr dazu im folgenden FILMSTARTS-Artikel.
Tom Hanks spielt 2 Rollen in "Forrest Gump"*Bei diesem Link zu Disney+ handelt es sich um einen Affiliate-Link. Mit dem Abschluss eines Abos über diesen Link unterstützt ihr FILMSTARTS. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.