Nur sieben Monate nach dem gefeierten „28 Years Later“ wird die Zombie-Saga mit „28 Years Later 2: The Bone Temple“ erneut fortgesetzt. Bleibenden Eindruck hinterlässt dabei nicht zuletzt Jack O‘Connell als Satanisten-Psycho Jimmy Crystal, der mit seinen Anhängern mordend und folternd durch das von Infizierten überrannte England zieht.
Im Interview mit FILMSTARTS spricht O’Connell über den soziopathischen Antagonisten, die extremen Dreharbeiten und darüber, warum der Film mehr Spiegel unserer Gegenwart als reine Zukunftsvision ist.
FILMSTARTS: Bist du selbst Horrorfan?
Jack O'Connell: Oh Gott, ja. Ich habe einen Film namens „Eden Lake“ gemacht. 2005, also ziemlich am Anfang meiner Karriere. Meine Affinität für das Genre ist ziemlich langfristig.
FILMSTARTS: Ein großartiger, aber auch sehr gemeiner Film. Auch dank dir. Der gibt mir immer noch Gänsehaut.
Jack O'Connell: Geht mir genauso. Das war echt brutal und unverzeihlich.
Sony Pictures
FILMSTARTS: Du hast „28 Years Later: The Bone Temple“ in einem anderen Interview als den seltsamen, gestörten Cousin des vorherigen Films beschrieben. Das trifft es sehr gut. Inwiefern würdest du sagen, unterscheiden sich die beiden Filme?
Jack O'Connell: Vor allem stilistisch. Wir gehen noch tiefer in die Wildnis. Die anderen Filme bewegen sich noch innerhalb einer Form von Zivilisation, dieser hier nicht. Wir sind mitten im hohen Gras. Dadurch erreicht der Film neue Tiefen.
FILMSTARTS: Und dabei scheint die Eröffnungsszene zunächst sogar mehr Zivilisation zu versprechen, weil man diese Stadt und das Schwimmbad sieht. Aber dann ist eigentlich das genaue Gegenteil der Fall.
Jack O'Connell: Das stimmt. Die Art von Zivilisation, die in den anderen Filmen gezeigt wird, sind die Überbleibsel, die es geschafft haben zu überdauern. Man sieht dort eine echte Widerstandskraft. Die Figur, die ich spiele, und sein Stamm hingegen sind nomadisch. Sie ziehen umher und nutzen das aktuelle Klima auf sehr verdorbene Weise aus.
Von einem Bösewicht zum nächsten
FILMSTARTS: Kurz nachdem du bereits in „Blood & Sinners“ so furchteinflößend warst, verkörperst du hier erneut den Antagonisten. Was fasziniert dich daran, den Bösewicht zu spielen?
Jack O'Connell: Ich denke, es ist die Bandbreite. Die beiden Rollen lagen zeitlich direkt hintereinander, was großartig war. Trotzdem gab es klare Unterschiede zwischen der Art von Bösem, in der [„Blood & Sinners“-Schurke] Remmick sich bewegt, und der ganz anderen Marke von Bösartigkeit, die Sir Jimmy Crystal verkörpert. Für mich war es wichtig, diese beiden Figuren klar voneinander zu trennen. Aber es gab keinen bewussten Plan, ein Jahr lang nur Bösewichte zu spielen. Das war nur Zufall.
FILMSTARTS: Jimmy ist hier ganz klar der Bösewicht, aber man bekommt dennoch Hinweise auf seine tragische Vergangenheit als Kind, die ihn komplett kaputtgemacht hat. Auch wenn man wegen seiner Taten keine echte Empathie für ihn empfindet, versteht man zumindest, woher er kommt.
Jack O'Connell: Ja, man versteht vielleicht den Grund dafür. Ich denke, das ist ein solider Grund, und es ist wichtig, um zu begreifen, wer er ist.
FILMSTARTS: Jimmy erinnert mich tatsächlich auch an bestimmte Menschen in unserer heutigen Gesellschaft und sogar in der Politik, weil er ein totaler Trottel ist, aber eben ein gefährlicher.
Jack O'Connell: Ein ziemlich gefährlicher Trottel. Und verdammt soziopathisch, würde ich sagen. Das wäre meine Diagnose für ihn.
FILMSTARTS: Auch wegen dieser Figur und Diagnose: Ist der Film für dich eher eine Warnung vor der Zukunft oder ein Spiegel der Gegenwart?
Jack O'Connell: Es ist auf jeden Fall ein Kommentar über unkontrollierte Macht und deren Missbrauch. Und das ist offensichtlich sehr relevant für uns, für das Hier und Jetzt.
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FILMSTARTS: Hattest du selbst die Möglichkeit, Ideen zur Gestaltung der Figur einzubringen oder kam das alles von Drehbuchautor Alex Garland?
Jack O'Connell: Es stand unglaublich viel schon im Drehbuch. Die Figur und das Schreiben waren sehr reichhaltig. Aber wir arbeiteten für die Details auch sehr eng mit unseren großartigen Szenenbildnern und Kostümdesignern zusammen, die sehr offen für Vorschläge waren. Ich wollte zum Beispiel, dass er Lila trägt, weil das eine imperiale Farbe ist oder war. Die Ringe, die Ketten und das Diadem standen bereits im Drehbuch. Er sollte schottisch sein, weil man ihn so als Kind kennenlernt. Danach kann man sich einfach von diesem sehr reichen Text leiten lassen. Das ist ein großartiger Weg, wenn die Vorlage so stark ist wie die von Alex Garland.
FILMSTARTS: Gibt es vielleicht etwas, das du über die Figur weißt, das im Film selbst nicht deutlich wird und dem Publikum verborgen bleibt? Und hat dieses geheime Wissen deine Darstellung beeinflusst?
Jack O'Connell: Jimmy hat ein Tamagotchi, das man nur ganz kurz in der ersten Szene sieht, wenn der neue Jimmy in die Gruppe aufgenommen wurde. Das war das einzige Mal, dass ich es rausgeholt habe, und das ist wahrscheinlich mein eigenes Versäumnis. Ich hätte es öfter benutzen sollen, denn zwischen den Takes tat ich genau das. Die Dinger sind ehrlich gesagt aber verdammt nervig. Immer noch. (lacht)
Ein wahnsinniger Dreh für einen wahnsinnigen Showdown
FILMSTARTS: In beiden „28 Years Later“-Filmen bist du Teil dieser völlig wahnsinnigen Enden. Der Showdown von „The Bone Temple“ muss ein absolut höllischer Dreh gewesen sein. Wie war die Erfahrung für dich?
Jack O'Connell: Dieser Teil des Films spielt komplett bei Nacht. Wir haben ungefähr zwei Wochen gebraucht, um all diese Nachtszenen zu drehen. In Nordengland, im Winter, war das ziemlich gnadenlos. Man muss ein bisschen aufeinander aufpassen. Kopfüber aufgehängt zu werden, über längere Zeit, im Winter, nicht vollständig bekleidet, bringt gewisse Herausforderungen mit sich. Die sind aber auch nützlich, denn die Figur soll sich in diesem Moment nicht wohlfühlen. Das hilft der Performance. Insgesamt war es ein extrem fordernder Teil des Drehs. Aber es schweißt zusammen. Es gibt einen echten kollektiven Kampf, ein geteiltes Trauma, das verbindet.
FILMSTARTS: Und es hat sich absolut gelohnt. Es ist eine großartige Szene.
Jack O'Connell: Danke, Mann.
FILMSTARTS: Gibt es denn irgendeine Chance, dass wir Jimmy in „28 Years Later 3“ wiedersehen?
Jack O'Connell: Ich weiß es nicht. Ich verstehe, was du meinst, und ich teile diese Hoffnung. Falls irgendjemand Kontakt zu Alex Garland hat, lasst es mich wissen.
„28 Years Later: The Bone Temple“ läuft seit dem 15. Januar 2026 in den deutschen Kinos. Und falls ihr den Film schon gesehen habt und euch nun fragt, wie es im bereits bestätigten „28 Years Later 3“ weitergehen wird, schaut doch einfach noch in den folgenden Artikel:
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