Über viele Jahre hinweg wurde Pamela Anderson nicht als ernstzunehmende Schauspielerin wahrgenommen. Das lag zweifellos auch daran, dass sie sich in Serien und Filmen wie „Baywatch“ oder „Barb Wire“ vor allem über ihre körperlichen Reize definierte und von der Öffentlichkeit entsprechend reduziert wurde. Erschwerend kam das unfreiwillig publik gewordene Sexvideo mit ihrem damaligen Ehemann Tommy Lee hinzu, das nicht nur dem Ruf des ehemaligen Playboy-Bunnys nachhaltig schadete, sondern auch ihr ohnehin angespanntes Verhältnis zu den Medien weiter belastete.
Nach Auftritten in derben Komödien wie „Scary Movie 3“, „Borat“ oder „Superhero Movie“ erhielt Pamela Anderson schließlich im Jahr 2024 die längst überfällige Gelegenheit, sich als Charakterdarstellerin zu beweisen. In „The Last Showgirl“ verkörpert sie mit berührender Natürlichkeit eine alternde Tänzerin in einer einst glamourösen Striptease-Revue. Euer Interesse ist geweckt? Der Film ist ab sofort bei Netflix verfügbar und kann dort gestreamt werden.
Ein rundum mitreißendes Meisterwerk sollte man von „The Last Showgirl“ allerdings nicht erwarten. Regisseurin Gia Coppola („Palo Alto“) setzt stellenweise etwas zu bemüht auf die Zurschaustellung grobkörniger, bewusst ungeschönter Bilder eines keineswegs glanzvollen Las Vegas, um zu verdeutlichen, wie trügerisch der Schein dieser Stadt tatsächlich ist. Zudem steht Pamela Anderson, obwohl sie hier zweifellos die Rolle ihres Lebens spielt und eindrucksvoll beweist, dass sie eine gute Schauspielerin ist, mit Jamie Lee Curtis eine Kollegin zur Seite, die mit ihrer kompromisslosen, aufopferungsvollen Performance – inklusive der sensationellen Einlage von Bonnie Tylers „Total Eclise Of The Heart“ – nahezu alles und jeden in den Schatten stellt.
Darum geht’s "The Last Showgirl"
Seit drei Jahrzehnten ist Shelly (Pamela Anderson) das Herz und Aushängeschild der „Razzle Dazzle Show“ in Las Vegas. Sie lebt für den Glamour, die schillernden Kostüme und das enge, beinahe familiäre Miteinander innerhalb der Show. Als jedoch von Manager Eddie (Dave Bautista) verkündet wird, dass die Revue eingestellt werden soll, bricht für Shelly eine Welt zusammen.
Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Annette (Jamie Lee Curtis), einer routinierten Casino-Kelnerin, versucht sie, sich in der grellen, gnadenlosen Welt von Las Vegas neu zu orientieren und ihren Platz zu behaupten. Kurz vor ihrer letzten Vorstellung in der „Razzle Dazzle Show“ nimmt Shelly außerdem Kontakt zu ihrer Tochter (Billie Lourd) auf, die sie einst zur Adoption freigegeben hat – eine Begegnung, die alte Wunden aufreißt und sie vor eine ganz neue emotionale Herausforderung stellt.