David Lynchs psychedelischer Kult-Thriller "Lost Highway" endlich wieder im Kino – sogar in 4K!
Thorsten Hanisch
Thorsten Hanisch
Hat schon im Mutterleib Filme geguckt und darüber geschrieben. Nach der Geburt einfach weitergemacht. Liebt: seltsames Zeug („Beyond the Black Rainbow“, „Tetsuo – The Iron Man“), hasst: langweiliges Zeug (Marvel, Star Wars)

Düster, abgründig, verwirrend, aber ebenso äußerst atmosphärisch und mit einem absolut unvergesslichen Bösewicht: „Lost Highway“, einer der einflussreichsten Filme der 1990er-Jahre, ist als 4K-Restaurierung bald endlich wieder im Kino zu sehen!

Ich würde jetzt gerne groß verkünden, dass die Entdeckung des Schaffens von David Lynch für mich ein ganz besonderes Ereignis war, das meinen Blick auf die Filmkunst auf einen Schlag verändert hatte, aber so war’s nicht. Es war viel, viel banaler: Ich war ein schwer pubertierender kleiner Junge und so saßen mein ebenso heftig pubertierender Kumpel und ich Woche für Woche vor der legendären TV-Serie „Twin Peaks“ und haben Sherilyn Fenn in der Rolle der Audrey Horne angebetet, ach was, angesabbert.

Alles um Fenn herum war auch ganz gut, die tolle Titelmelodie, FBI Special Agent Cooper (Kyle MacLachlan) und sein Kirschkuchenfaible, die Szenen im ikonischen roten Raum und natürlich der übernatürliche Antagonist Bob. Aber so richtig hatte mich Lynch dann sechs Jahre später mit „Lost Highway“ – was natürlich daran lag, dass ich ein paar Jahre älter und reifer war.

So begeisterte mich in dem winzig kleinen, fast leeren Kino weniger Patricia Arquette als vielmehr die tollen Bilder und die ungewöhnliche Story, die mit ihren Figuren (Antiheld, Femme Fatales, Gangster) und Motiven (unterdrückte Gefühle, Schuld, Trauma) irgendwie bekannt, dank eine verschachtelten, offenen Erzählweise irgendwie aber auch anders und an nicht wenigen Stellen reizvoll verwirrend wirkte.

Unvergesslich: der Mystery Man

Des Weiteren ist „Lost Highway“ an so mancher Stelle wirklich wahnsinnig gruselig. Das liegt zum einem am Mystery Man, gespielt vom ehemaligen Kinderstar Robert Blake, der hier als übernatürliches, an den Teufel aus der Faust-Sage erinnerndes, Wesen in seinem letzten Film zu sehen ist und nicht nur dank seinem durchdringenden Blicks, sondern weiterhin dank dem Umstand, dass Lynch und Co-Drehbuchautor Barry Gafford die Deutung dieser im Kosmos des Films allgegenwärtigen Figur komplett dem Zuschauer überlassen, in Erinnerung bleibt.

Anders als bei anderen Bösewichten werden hier keinerlei Erklärungen zur Verortung geliefert, es handelt sich in erster Linie um eine unheilvolle, bedrohliche Erscheinung, deren Schatten trotz gar nicht mal so vieler Auftritte über dem ganzen Film liegt. Makabere Fußnote: Blake wurde fünf Jahre nach seiner Abschiedsvorstellung angeklagt, seine Frau ermordet zu haben, im Gegensatz zu Fred Madison aus „Lost Highway“ aber freigesprochen – der Mord wurde allerdings nie aufgeklärt.

Lost Highway
Lost Highway
Starttermin 10. April 1997 | 2 Std. 15 Min.
Von David Lynch
Mit Bill Pullman, Patricia Arquette, Balthazar Getty
Pressekritiken
3,3
User-Wertung
4,1
Filmstarts
5,0

Weiterhin rührt Lynch tief in Urängsten und illustriert zugleich perfekt Freuds Definition vom Unheimlichen, mit Szenen wie der Aufnahme auf der geheimnisvollen Videokassette, die eines Morgens vor der Tür der Madisons liegt und die zeigt, dass jemand im Haus war und Fred und seine Frau beim Schlafen gefilmt hat. Laut dem Begründer der Psychoanalyse geht das Unheimliche auf Altbekanntes, Vertrautes zurück, was schon im Wort steckt. Das Wort „unheimlich“ ist das Gegenteil von „heimlich“, was „vertraut“ und „heimisch“, aber ebenso „verborgen“, „versteckt“ und „geheim“ bedeuten kann, was wiederum mit „unheimlich“ zusammenfällt.

Somit handelt es sich um etwas zugleich Vertrautes wie Unvertrautes. Also um exakt das Gefühl, dass das Anschauen der Videokassette Fred und somit dem Publikum vermittelt: Was gibt es Unheimlicheres, als wenn eigentlich Vertrautes plötzlich unvertraut wirkt? Wenn die Erkenntnis kommt, dass das eigene Zuhause kein Ort der Geborgenheit und Sicherheit mehr ist? Das Gefühl wird noch zugespitzt, da keine Spuren eines Einbruchs gefunden werden – die Bedrohung als nicht von Außen kommt, sondern direkt im Vertrauten liegt.

„Lost Highway“ war im Kino ein Flop, ironischerweise entwickelte sich aber der außergewöhnliche Soundtrack, der viel zur ganz besonderen Stimmung des Films beiträgt und einen Kinobesuch eigentlich zwingend notwendig macht, zu einem Hit. Durch ihn wurde eine gewisse deutsche Band schlagartig international bekannt – wenn plötzlich Rammsteins Till Lindemann loslegt, dürfte auf der Tonspur besonders für das amerikanische Publikum Vertrautes und Unvertrautes zusammengefallen sein

DIE "BEST OF CINEMA"-REIHE – PRÄSENTIERT VON FILMSTARTS

29 Jahre nach dem ursprünglichen Kinostart kommt „Lost Highway“ nun aber wieder in die Kinos und zwar am 3. Februar 2026 im Rahmen der „Best Of Cinema“-Reihe. Für alle, die den Film damals nicht auf der großen Leinwand gesehen haben, oder Lynchs surreales Meisterwerk noch einmal ganz neu erleben wollen, ist das also die ideale Gelegenheit.

Besonders schön ist aber auch: Mit der Reihe „Best Of Cinema“ von Studiocanal und weiteren Verleihern wird es in den kommenden Monaten noch viele weitere Möglichkeiten geben, Filmklassiker im Kino zu erleben. Und nicht nur das: Dank einer digitalen Restaurierung sind die Meisterwerke zum ersten Mal in gestochen scharfer 4K Auflösung zu sehen und in brillantem Ton zu hören.

Als offizieller Medienpartner wird euch FILMSTARTS auch über die kommenden Kinostarts der Reihe auf dem Laufenden halten, die jeden Monat einen weiteren großen Klassiker zurück in die Lichtspielhäuser bringt. Weitere Informationen findet ihr auch auf der „Best of Cinema“-Webseite. Und welche Filme euch genau erwarten, erfahrt ihr in diesem Artikel:

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