Mit einer 15 (!) Minuten langen Schlachtsequenz, die Geschichte geschrieben hat: Abenteuer-Spektakel für "Herr der Ringe"-Fans neu im Heimkino
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Ob athletische Kampfkunst, die ehrfürchtig-ruhig gefilmt ist, oder explosiv-lärmender Hollywood-Bombast: Im Action-Kino ist er flexibel – eine konsequente Umsetzung ist für ihn aber stets ein Bonus.

Ein einflussreicher Abenteuer-Klassiker erscheint in neuer Qualität im Heimkino: „Ivanhoe – Der schwarze Ritter“ ist der Auftakt einer oft vergessenen Trilogie und feiert sehr bald seine deutsche Blu-ray-Premiere!

Mit weniger als zwei Stunden Laufzeit ist dieser Ritterfilm kein Epos im klassischen Sinne – doch die Verantwortlichen haben so viel Aufwand betrieben, als wollten sie ein waschechtes Mammutwerk aus dem Boden stampfen: Für „Ivanhoe – Der schwarze Ritter“ wurde ein damals enormes Budget von knapp vier Millionen Dollar ausgegeben – unter anderem, um an realen Schauplätzen wie dem Doune Castle in Schottland zu drehen und nahe London eine Burganlage zu errichten.

Teils standen über 1.000 Personen vor der Kamera, um die aufwändigen, prachtvollen Sets zu beleben und diesem filmischen Ausflug ins Hochmittelalter den von Regisseur Richard Thorpe anvisierten Pomp einzuhauchen. Bald lässt sich das einflussreiche Historienabenteuer in neuer Qualität im Heimkino erleben: Am 29. Januar 2026 erscheint „Ivanhoe – Der schwarze Ritter“ erstmals in Deutschland auf Blu-ray!

Der Blu-ray liegt ein 180-seitiges Booklet bei, das neben zahlreichen Fotos einen Hintergrundtext von Thorsten Winter umfasst. Solch umfangreiche Booklets lässt Plaion Pictures bei älteren Abenteuer-Spektakeln mittlerweile häufiger springen. So wurde auch „Die drei Musketiere“* mit Gene Kelly einem 180-seitigen Booklet veröffentlicht, und der Piratenklassiker „Der Herr der sieben Meere“* bekam immerhin 50 Seiten spendiert!

Darum geht es in "Ivanhoe – Der schwarze Ritter"

Das 12. Jahrhundert: Während der Kreuzzüge wird der englische König Richard Löwenherz (Norman Wooland) gefangen genommen. Der in Ungnade gefallene Ritter Ivanhoe (Robert Taylor) zieht los, um das geforderte Lösegeld aufzutreiben und so seinen Herrscher zu befreien. Doch in der Zwischenzeit macht sich Richards machtgieriger Bruder John (Guy Rolfe) auf dem Thron breit – ohne Absicht, ihn wieder abzugeben.

Ivanhoe muss sein ganzes Können beweisen, um seinen König zu befreien, seine eigene Ehre wiederherzustellen und sein Heimatland vor John zu beschützen. Dabei bekommt er Hilfe vom jüdischen Kaufmann Isaac (Felix Aylmer) und dessen Tochter Rebecca (Elizabeth Taylor), in die sich Ivanhoe verliebt, obwohl er schon lange mit Rowena (Joan Fontaine) verlobt ist. Das könnte die ganze Mission gefährden...

Ein Spektakel, das eine Trilogie eröffnete – und "Der Herr der Ringe" beeinflusste!

Anfang bis Mitte der 1950er entstand eine thematische Trilogie aus lose von historischen Stoffen inspirierten, aufwändig inszenierten Abenteuerfilmen: Sie alle wurden von Richard Thorpe in Hertfordshire bei London für MGM inszeniert, stets übernahm Robert Taylor die Hauptrolle. Auf den Trilogieauftakt „Ivanhoe – Der schwarze Ritter“ folgten „Die Ritter der Tafelrunde“ aus dem Jahr 1953 und das zwei Jahre später verwirklichte Historienabenteuer „Liebe, Tod und Teufel“.

Letzterer wurde weder von der Filmpresse noch vom zahlenden Publikum warm aufgenommen, doch die ersten beiden Teile dieser thematischen Reihe fanden großen Anklang – wobei „Ivanhoe – Der schwarze Ritter“ den meisten Enthusiasmus erntete: Der mit monumentalen Kampfszenen aufwartende Ritterfilm war MGMs größter Kassenschlager des Jahres 1952 und wurde für drei Oscars nominiert, darunter in der Sparte „Bester Film“.

Die mitreißend-wunderschöne, pompös instrumentierte Filmmusik von Miklós Rózsa wurde zu einer (in ihrer Emotionalität selten erneut erreichten) klanglichen Blaupause für das Mittelalterkino, und auch die in prächtigen Farben getauchte Actionmär an sich wurde oft kopiert: Jahrzehntelang orientierten sich zahlreiche Ritterfilme an „Ivanhoe – Der schwarze Ritter“. Mal visuell, andere Male tonal oder narrativ – und die knapp 15 Minuten lange Schlacht um Torquilstone Castle lässt sich als filmischer Vorfahr der Schlacht um Helms Klamm in „Der Herr der Ringe – Die zwei Türme“ bezeichnen!

Bei Peter Jackson werden die Waffen zwar mit deutlich mehr Wucht eingesetzt. Aber der innere Spannungsbogen der Schlachtsequenz, der dafür sorgt, dass dieser Kampf bis zum Schluss aufregend bleibt, statt in Monotonie zu verfallen, ist sehr nah an Thorpes schmissig-wuseliger Highlight-Sequenz. Und wenn ihr wissen wollt, bei welcher bildgewaltigen Produktion sich Peter Jackson bediente, um die Trickeffekte seiner legendären Fantasy-Trilogie zu gestalten, solltet ihr auch unseren folgenden Beitrag lesen:

Dieser viel zu unbekannte Fantasy-Film mit Sean Connery diente Peter Jackson als Vorlage für "Herr der Ringe"

Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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