Sam Raimi ist der breiten Masse vor allem durch seine popkulturell enorm einflussreichen „Spider-Man“- und „Tanz der Teufel“-Reihen ein Begriff. Da wir es hier mit zwei herausragenden Trilogien zu tun haben, kann man als Filmliebhaber*in mit dieser vermeintlichen Reduktion seines Schaffens durchaus leben. Dennoch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Raimi abseits dieser beiden Marken noch zahlreiche weitere Filme inszeniert hat, die es unbedingt zu entdecken gilt.
So finden sich in seiner Filmografie etwa der stilisierte Western-Ritt „Schneller als der Tod“, die spürbar von den Coen-Brüdern inspirierte Thriller-Tragödie „Ein einfacher Plan“ oder der herrlich boshafte, extrem launige Ekel-Horror „Drag Me To Hell“. Darüber hinaus verantwortete Raimi mit „Aus Liebe zum Spiel“ vermutlich bis heute seinen am wenigsten bekannten Film – was tatsächlich ungemein schade ist. Denn das romantische Sport-Drama mit Kevin Costner kann ich euch nur wärmstens ans Herz legen. Gegen einen kleinen Aufpreis ist der Film aktuell bei Amazon Prime Video verfügbar:
Darum geht’s in "Aus Liebe zum Spiel"
Billy Chapel (Kevin Costner) zählt zu den größten Baseballspielern aller Zeiten, sein Platz in der Hall Of Fame gilt längst als sicher. Mit inzwischen 40 Jahren steht er jedoch unübersehbar am Ende seiner Karriere. Als sich ihm plötzlich die Möglichkeit bietet, ein perfektes Spiel abzuliefern, beginnt sein Geist zu wandern – und verschiedenste Gedanken und Erinnerungen drängen sich in den Vordergrund.
Seine Freundin Jane (Kelly Preston) hat ihn gerade erst verlassen und plant aus beruflichen Gründen einen Neuanfang in London, fernab von New York City. Zusätzlich wird seine Mannschaft, die Detroit Tigers, an neue Eigentümer verkauft, die keinerlei Zukunft mehr für ihn sehen. Ausgerechnet während dieses möglicherweise letzten Spiels seiner Karriere sieht sich Billy gezwungen, eine Entscheidung darüber zu treffen, wie seine Zukunft aussehen soll – auf und neben dem Spielfeld.
Ihr müsst mit Baseball nichts am Hut haben!
Ich verstehe den Vorbehalt vollkommen: Filme mit starkem Sportbezug können abschreckend wirken, insbesondere dann, wenn man mit dem jeweiligen Regelwerk kaum oder gar nicht vertraut ist. Häufig nutzen solche Werke den Sport jedoch lediglich als erzählerisches Mittel – als Spiegel des Lebens ihrer Protagonisten, die sich einer letzten großen Herausforderung stellen müssen, um zu sich selbst zu finden und ihre eigenen Bedürfnisse zu begreifen. Genau diesen Weg schlägt auch „Aus Liebe zum Spiel“ ein.
Die Parallelmontage aus Baseballspiel und den Höhen und Tiefen von Billy Chapels Privatleben dient in „Aus Liebe zum Spiel“ klar einem dramaturgischen Zweck: Sie zeigt einen Mann, der endlich lernen muss, Verantwortung für sich selbst – und für die Gefühle anderer – zu übernehmen. Dabei lassen sich überraschend viele thematische Parallelen zwischen der Adaption des gleichnamigen Romans von Michael Shaara und der drei Jahre später gestarteten „Spider-Man“-Trilogie erkennen.
Wie auch in seinen erstaunlich einfühlsamen Marvel-Blockbustern erzählt Raimi hier von einem gebrochenen „Superhelden“. Billy Chapel ist im Film eine absolute Baseball-Legende und steht an einem entscheidenden Scheideweg: Entweder lässt er sich vollständig von seiner Berufung verschlingen und verliert darüber zunehmend seine Menschlichkeit – oder er lernt, Kompromisse einzugehen, um sich selbst emotional am Leben zu erhalten.
Kevin Costner ist famos
Damit dieses stark charaktergetriebene Drama funktioniert, bedarf es entsprechender schauspielerischer Qualitäten – und genau diese bringt Kevin Costner mit. Der „Yellowstone“-Star zeigt sich hier in absoluter Bestform: verletzlich, bereit, die Rührseligkeit und Sentimentalität anzunehmen, die Raimi mit sichtbarer Hingabe inszeniert. Costner liefert ein einnehmendes Porträt eines Mannes, der sich nach Liebe sehnt, der Einsamkeit, Einschüchterung und innere Leere kennt, aber dennoch nicht bereit ist, kampflos aufzugeben.
„Aus Liebe zum Spiel“ ist pures Herzkino – ein Film, der große theatralische Gesten im klassischen Hollywood-Sinne liebt, zugleich aber feine, subtile Charakter-Nuancen beherrscht. Und am Ende ist selbst das Baseballspiel ungemein spannend, auch wenn man kaum eine Ahnung davon hat, wie ein solches Match eigentlich abläuft. Denn letztlich geht es nicht darum, auf dem Spielfeld zu gewinnen, sondern darum, zurück ins Leben zu finden.
Übrigens: In dieser Woche ist mit „Send Help“ auch der neue Film von Sam Raimi in den deutschen Kinos gestartet. Falls ihr bislang noch nichts von diesem Survival-Horror-Spaß gehört habt, könnt ihr euch nachfolgend den Trailer anschauen:
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