Dieser Film könnte euer Leben retten: Wir sprechen mit Horror-Meister Sam Raimi über seinen neuen Schocker "Send Help"
Stefan Geisler
Stefan Geisler
-Redakteur
"Tanz der Teufel 2" und ein manisch-lachender Bruce Campbell haben Stefans Horror-Herz gestohlen. Seitdem kann er nicht mehr ohne: "Der Babadook", "Halloween" und "The Lords of Salem" - Horrorfilme gehören für Stefan einfach zu einem guten Filmabend.

Mit der „Evil Dead“-Reihe hat Regie-Meister Sam Raimi das moderne Horror-Kino ganz entscheidend geprägt. FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler hatte die Chance mit ihm und Produzentin Zainab Azizi über seinen neuen Film „Send Help“ zu sprechen.

Disney und seine verbundenen Unternehmen

Auch wenn sich Sam Raimi schon in anderen Genres ausprobiert hat – und beispielsweise mit der „Spider-Man“-Reihe eine der besten Comic-Trilogien aller Zeiten inszeniert hat –, ist er doch vor allem auch für seine grandios unterhaltsamen Horror-Werke wie „Evil Dead“ (in Deutschland als „Tanz der Teufel“ bekannt), „Darkman“ oder „Drag Me To Hell“ bekannt. Inzwischen ist es aber bereits 17 Jahre her, dass er einen derartigen Schocker gedreht hat. Und die Fans dürsten nach Nachschub.

Dementsprechend groß ist die Vorfreude auf den Insel-Betriebsausflug Send Help. Und das zurecht, denn dieser ist endlich wieder ein herrlich fieses und vor allem blutiges Kinovergnügen. Zum Kinostart hatte FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler die Gelegenheit, Regisseur Sam Raimi und Produzentin Zainab Azizi zum virtuellen Interview zu treffen und sich mit ihnen über Survival-Shows, den Box-Office-Druck und Raimis unverkennbare Kameraarbeit zu unterhalten. Doch zuallererst wollten wir einmal von dem Duo wissen, wie lange sie denn auf einer einsamen Insel überleben würden...

Sam Raimi und Zainab Azizi im Gespräch mit FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler Disney und seine verbundenen Unternehmen
Sam Raimi und Zainab Azizi im Gespräch mit FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler

FILMSTARTS: Wie lange würdet ihr eurer Meinung nach auf einer tropischen Insel ohne Werkzeuge oder Geräte überleben?

Zainab Azizi: Drei Tage.

FILMSTARTS: Nur drei Tage?

Sam Raimi: Nun, wir wissen jetzt, wie man Wasser auffängt, denke ich. Ich würde sagen, etwas länger. Etwa zwei Wochen.

FILMSTARTS: Funktionieren die Überlebenstipps in „Send Help“ eigentlich wirklich? Könnte dieser Film mir eines Tages mein Leben retten?

Sam Raimi: Ja. Wir hatten einen großartigen Überlebens-Spezialisten am Set, der den Schauspielern, mir und den Requisiteuren beigebracht hat, wie man sich in dieser tropischen Umgebung richtig verhält. Alles in dem Film basiert darauf, was in dieser Gegend verfügbar wäre.

FILMSTARTS: Schaut ihr selbst Survival-Reality-Shows oder war das eine ganz neue Erfahrung für euch?

Zainab Azizi: Ich habe die gesamte erste Staffel von „Survivor“ gesehen und schaue mir ab und zu Folgen von „Naked And Afraid: Alone“ an, aber nicht so regelmäßig, wie man vielleicht vermuten würde. Die Leidenschaft für „Survivor“ kam von unseren Drehbuchautoren Damian Shannon und Mark Swift. Sie lieben die Show.

Sam Raimi: Ich habe noch nie eine ganze Folge von „Survivor“ gesehen – nur Teile davon. Ich habe immer das Gefühl, dass ich zu spät dazukomme, weil ich die Dynamik der Charaktere nicht kenne. Ich denke, es ist wahrscheinlich am besten, am Anfang einer dieser Staffeln anzufangen, in der alle vorgestellt werden.

Send Help
Send Help
Starttermin 29. Januar 2026 | 1 Std. 54 Min.
Von Sam Raimi
Mit Rachel McAdams, Dylan O'Brien, Edyll Ismail
User-Wertung
3,5
Filmstarts
4,0
Vorführungen (6)

FILMSTARTS: Wie war es, wieder einen Film zu drehen, bei dem man nicht unter dem Druck stand, Hunderte Millionen Dollar einspielen zu müssen?

Sam Raimi: Es war großartig. Wenn man eine Comic-Verfilmung inszeniert, ist es, als würde dir jemand eine Fackel überreichen, die schon Jahrzehnte brennt. Die Leute haben sehr hohe Erwartungen daran, wie die Figur aussehen und sich verhalten sollte. Man soll originell sein, sich aber auch an die Regeln halten. Letztlich wird verlangt, den Zuschauern die Figur zu geben, die sie kennen und lieben. Wenn man einen unabhängigen Originalfilm dreht, gibt es ganz andere Ziele. Die Figuren gehören einem selbst und man kann mit ihnen machen, was man will. In diesem Umfeld lässt sich viel besser Spannung erzeugen.

FILMSTARTS: Apropos Druck: Seit „Tanz der Teufel“ feiern die Fans deine Kameraführung – spürst du einen gewissen Druck, immer ein paar zusätzliche Kameraspielereien einzubauen?

Sam Raimi: Nein, ich spüre diesen Druck nicht. Als es meine Aufgabe war, das Übernatürliche auf die Leinwand zu bringen, hat mich das angeregt, mit Kameratechniken, Objektiven, Beleuchtungstechniken und dem Sounddesign zu experimentieren. Aber das war hier nicht mein Ziel. In „Send Help“ wollte ich diese Charaktere glaubwürdig einfangen und ihre Dynamik wirklich etablieren. Und dann das Ganze wieder auf den Kopf stellen, sodass die Zuschauer immer wieder mit den Figuren mitfiebern und gleichzeitig die Machtverschiebungen verstehen können. Es war ein anderes Ziel als bisher für mich. Meine Aufgabe bestand einfach nicht darin, das zu beschreiben, was nicht existiert, wodurch ich weniger Bedarf an wilden Kamerabewegungen und Sound-Experimenten hatte.

FILMSTARTS: War der Film von Anfang an so wunderbar fies und dreckig, oder habt ihr euch gegenseitig dazu angestachelt, noch weiter zu gehen?

Sam Raimi: Ich würde sagen, beides. Der Film hat die Dinge wirklich schon auf die Spitze getrieben. Wir haben uns als Team definitiv dazu inspiriert, immer noch einen draufzusetzen. Aber er sollte schon von Anfang an in diese Richtung gehen.

FILMSTARTS an Zainab Azizi: Was hat dich überzeugt, „Send Help“ zu produzieren? War allein der Name Sam Raimi Grund genug, sich daran zu beteiligen?

Zainab Azizi: Der Name Sam Raimi reicht natürlich schon aus, um dabei zu sein. Aber eigentlich ging es um die Geschichte von Linda Little. Ich finde die Figuren so sympathisch. Jeder hat sich schon einmal in seinem Leben überarbeitet und unterbewertet gefühlt. Das ist ein sehr guter und nachvollziehbarer Aufhänger. Die Idee, dass sie als Survival-Reality-Show-Fan mit ihrem schrecklichen Chef auf einer Insel gestrandet ist, war so erfrischend und spannend, dass ich sie unbedingt umsetzen wollte. Und wer wäre dafür ein besserer Partner als Sam Raimi?

Disney und seine verbundenen Unternehmen
"Send Help" ist ein herrlich blutiger Kampf ums Überleben.

FILMSTARTS: Würdet ihr sagen, dass Macht immer korrumpiert? Ich meine, Linda Little ist ein guter Mensch, bis sie die Macht schmeckt. Und um diese zu behalten, ist sie sogar bereit, über Leichen zu gehen.

Zainab Azizi: Ja. Aber eigentlich würde ich gerne optimistisch bleiben und hoffe, dass Macht nicht immer korrumpiert. Aber in unserem Film tut sie das definitiv.

FILMSTARTS: Gab es Ideen, die etwas zu weit gingen und deshalb gestrichen werden mussten?

Sam Raimi: Ich glaube nicht... Es wurden natürlich viele Dinge aus dem Film herausgeschnitten. Wir hatten einen dreistündigen Rohschnitt. Es gab einfach so viele Ideen, die wir einbringen wollten. Aber die Kürzungen dienten keinem anderen Zweck, als den Film flüssiger zu machen und ihn auf eine angemessene Länge zu bringen. Sie haben die Intensität in keiner Weise verringert.

FILMSTARTS: Wie wichtig war es, eine Hauptdarstellerin zu finden, die bereit war, sich ohne jede Eitelkeit voll und ganz auf die Rolle einzulassen?

Sam Raimi: Nach „Doctor Strange In The Multiverse Of Madness”, in dem ich bereits mit Rachel [McAdams] gearbeitet habe, war ich mir sicher, dass sie die richtige Schauspielerin für diese Rolle war. Aber als wir ihr die Rolle angeboten haben, hat sie abgelehnt. Dann mussten wir uns wirklich kurzfristig auf die Suche nach einer Schauspielerin machen. Doch letztlich konnten wir sie doch noch von dem Projekt überzeugen.

FILMSTARTS: Es gibt einen sehr versteckten Bruce-Campbell-Cameo-Auftritt in „Send Help“. Als Fan von ihm hoffe ich natürlich darauf, dass er auch mal wieder eine größere Rolle in einem deiner zukünftigen Filme bekommt. Gibt es eine Chance, dass wir ihn in Zukunft wieder in einer Hauptrolle sehen werden?

Sam Raimi: Ja. Ich kann es kaum erwarten, wieder mit Bruce zu arbeiten. Er ist so witzig. Und er ist auch ein so guter Mensch. Es ist eine Freude, mit ihm zu arbeiten.

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