Das Ende von "Return To Silent Hill" erklärt: Was ist echt und was nicht?
Markus Trutt
Markus Trutt
-Redakteur
Seit „Silent Hill“ ihm gezeigt hat, dass es doch auch gute Videospieladaptionen geben kann, hält Gamer Markus sehnsüchtig Ausschau nach weiteren.

Der Horrorfilm „Return To Silent Hill“ wandelt auf ähnlichen Storypfaden wie die direkte Videospielvorlage, macht dann aber doch einiges anders. Wir nehmen das Ende einmal genauer unter die Lupe. Aber Vorsicht: es folgen natürlich Spoiler!

2001 war das Survival-Horror-Game „Silent Hill 2“ ein Meilenstein für die Welt der Videospiele, nicht zuletzt dank seiner auf psychologischen Grusel setzenden Geschichte, die viel Raum für Interpretationen lässt. Etwas anders sieht es nun bei der 25 Jahre später erschienenen Verfilmung „Return To Silent Hill“ aus. Zwar erzählt diese im Kern dieselbe Story wie die Vorlage, geht dabei aber weniger subtil zu Werke. Dennoch gibt es ein paar alte und neue Leerstellen, um die es in diesem Artikel gehen soll.

Generell lässt sich sagen, dass das Städtchen Silent Hill im zweiten Serienteil und der zugehörigen Adaption eine Art übernatürliches Fegefeuer ist, das sich durch zerbrochene Psychen, Schuld und Traumata manifestiert. Im Film wird das nun überdeutlich ausbuchstabiert bzw. sogar noch ein Stück weitergedreht.

Alles nur ein innerer Kampf von James

Während im Spiel suggeriert wird, dass Hauptfigur James Sunderland sich trotz all seiner inneren Dämonen, die den Ort bevölkern, tatsächlich physisch durch diesen unwirklichen Ort bewegt, zeigt „Return To Silent Hill“, dass sich die schaurigen Geschehnisse dort nur in seinem Kopf abgespielt haben (wobei zumindest die Flashbacks zeigen, wie er einst wirklich in einem real existierenden Silent Hill mit seiner großen Liebe Mary gelebt hat). Spätestens dann als James (Jeremy Irvine) zwischenzeitlich aus dieser Phantasie gerissen wird und in einem Krankenhaus erwacht, besteht daran eigentlich kein Zweifel mehr.

Dennoch steht der Ort in beiden Versionen der Geschichte für die Bewältigung eines schweren Verlustes und die Schuldgefühle, die sich James durch seinen Umgang mit der erkrankten Mary und seinen Mord an ihr auf sich geladen und mit denen er nach wie vor zu kämpfen hat, selbst wenn seine Tat im Film als von Marys eigenen Wünschen herrührender Gnadentod inszeniert wird, während James im Videospiel den Entschluss dazu selbst fasst, um sich nicht zuletzt auch selbst von der „Bürde“ seiner kranken Frau zu erlösen.

Im Game ist es tatsächlich auch so, dass die anderen Figuren, auf die James in Silent Hill trifft, eigene Individuen sind, die – mit Ausnahme von Maria – nicht seiner Vorstellung entspringen, sondern in dem Horror-Städtchen jeweils eine persönliche Hölle mit ihren individuellen dunkelsten Ängsten erleben. Im Film ist die düstere Version von Silent Hill nun tatsächlich nur auf James zugeschnitten. Die von ihrem Vater sexuell missbrauchte Angela und die kleine Laura sind hier keine eigenen Charaktere, sondern entpuppen sich als Aspekte von Marys Persönlichkeit und Vergangenheit (auch unterstrichen durch die Tatsache, dass es sich bei den Namen um den zweiten und dritten Vornamen von Mary handelt).

Das symbolisieren die Monster in "Return To Silent Hill"

Doch sowohl im Spiel als auch im Film sind die Monster, die James an den Kragen wollen, Verkörperungen von James‘ abgründiger Gefühlswelt. Der hünenhafte Pyramid Head etwa symbolisiert die angesprochene Schuld, die James plagt und so schwer mit sich herumträgt wie die Kreatur ihr Schwert, sowie sein Verlangen nach Bestrafung. Die wie von einem engen Laken überzogenen und eine Art schwarze Säure versprühenden Lying Figures, die auf den Straßen der Stadt ihr Unwesen treiben, stehen derweil für James‘ Eindruck von der bettlägerigen Mary, die in seinen Augen nur noch ein verformter und leidender Schatten ihrer Selbst war.

Die sogenannten Lying Figures gehören zu den schaurigsten Figuren in Silent Hill. Leonine
Die sogenannten Lying Figures gehören zu den schaurigsten Figuren in Silent Hill.

Maria ist derweil die übersexualisierte Wunschvorstellung, die sich James von Mary im Zuge ihres Zustands zusammengebraut hat. Ähnlich stehen auch die aufreizend gekleideten, monströsen Krankenschwestern für James’ sexuelles Verlangen und seine unerfüllten Bedürfnisse – was im Film allerdings weitestgehend unter den Tisch gekehrt wird.

Zum Schluss mündet James‘ surrealer Albtraumtrip dann in eine Entschuldigung an Mary – wobei sich Regisseur Christophe Gans anschließend für eines der deprimierenderen Enden des Spiels entschieden hat, die man dort erreichen kann. Da er mit seiner Schuld und ohne Mary nicht mehr leben kann, beschließt James, mit dem Auto und Marys Leiche in den Toluca Lake zu fahren und dort in den Tiefen des Sees den Freitod zu sterben.

Return To Silent Hill
Return To Silent Hill
Starttermin 5. Februar 2026 | 1 Std. 46 Min.
Von Christophe Gans
Mit Jeremy Irvine, Hannah Emily Anderson, Robert Strange (III)
User-Wertung
2,3
Filmstarts
3,0
Vorführungen (55)

Aber auch das hat sich offenbar weiterhin nur im Kopf von James abgespielt, findet er sich daraufhin doch plötzlich in der Anfangsszene des Films wieder, als er Mary vor den Toren von Silent Hill kennenlernt, nur dass er über ihr Schicksal in der Stadt und die weiteren Geschehnisse offenbar noch immer Bescheid weiß – wie bei einem Videospiel, das man nach einem Durchlauf noch mal von vorne beginnt. James beschließt daher, nicht mit Mary nach Silent Hill zurückzufahren, sondern die Stadt hinter sich zu lassen.

Dennoch ist fraglich, ob das Ende wirklich so happy ist, wie es zunächst den Anschein hat. Dass wir in der letzten Einstellung noch einmal das charakteristische, vor Monstern warnende Rauschen aus James‘ Radio hören, und das Segel eines kleinen Bootes auf dem Toluca Lake verdächtig nach einem Pyramiden-Kopf aussieht, lässt das Ganze letztlich doch etwas ambivalent erscheinen. Es wird so zumindest die Möglichkeit eröffnet, dass es sich hier nur um eine Wunschvorstellung handelt, die einmal mehr in James‘ Kopf stattfindet.

Wer sich nach „Return To Silent Hill“ nach noch mehr düsterem Horror sehnt, dürfte übrigens bald mit dem Remake des Horror-Schockers „Faces Of Death“ auf seine Kosten kommen. Einen Teaser-Trailer und mehr Infos bekommt ihr im folgenden Artikel:

Das Remake von einem der verstörendsten Horror-Schocker kommt wirklich dieses Jahr: Der offizielle Trailer zu "Faces Of Death" ist da!

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