Wer schon einige Jahre an Film- und Serienkonsum auf dem Buckel hat, ist einigen Stoffen und Figuren wiederholt begegnet. Man denke nur an die unzähligen Adaptionen von Jane Austen-Romanen: Allein „Stolz und Vorurteil“ kann schon 17 Verfilmungen vorweisen. Ebenso kann man einen Blick zurück auf die Reihe an Schauspielern werfen, die schon James Bond gespielt haben: Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton, Pierce Brosnan und Daniel Craig.
Doch es gibt eine literarische Figur und gleichermaßen einen Stoff, die den Rekord in Sachen „meistverfilmt“ halten – und kurioserweise rankt sich der Plot dieses Romans eben darum, unsterblich zu sein: Wir sprechen von Bram Stokers „Dracula“ (1897).
Universal International
Blutsaugender Rekord-Halter
Glaubt man nämlich dem Guinness-Buch der Rekorde, ist der blutsaugende, aus Transsylvanien stammende Graf Dracula die ungeschlagen „am häufigsten in Filmen dargestellte literarische Figur“. Der Weltrekord-Eintrag stammt aus dem Jahr 2015 und verwies damals schon auf 538 Kino- und TV-Filme. Stark abgeschlagen auf dem zweiten Rang schaffte es die Figur Sherlock Holmes aus den Romanen von Arthur Conan Doyle mit damals vermerkten 299 Verfilmungen.
Zur genauen Zählweise für den Weltrekord-Eintrag erfährt man leider nichts – schließlich rekurriert nicht jeder Vampirfilm unbedingt auf Graf Dracula. Zudem scheinen Serien völlig unbeachtet geblieben zu sein. Aber obwohl es schwierig ist, eine vollständige Liste an Dracula-Verfilmungen online zu finden, scheint es beim Blick auf die Filmgeschichte sehr wahrscheinlich, dass Bram Stokers Romanfigur tatsächlich und auch weiterhin das Meistverfilmt-Siegel halten kann.
Vom Stummfilmzeitalter bis in die 1990er
Mit den Dracula-Verfilmungen begonnen hat es laut Guinness-Rekordeintrag mit dem recht unbekannten dänischen Stummfilm „Den Dødes Halsbaand“ („Das Halsband der Toten“) von 1910. Die meisten Listeneinträge fangen aber 1921 bei dem nur noch in Fragmenten erhaltenen ungarischen Stummfilm „Drakula halála“ („Draculas Tod“). 1922 folgte Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu, eine Sinfonie des Grauens“, der eine nicht-autorisierte Adaption von Bram Stokers Roman darstellte, da die Produktionsfirma Prana-Film die Verfilmungsrechte nicht erworben hatte.
Anders ging Universal Pictures in den 1930ern vor: Nach dem Erwerb der Adaptionsrechte an „Dracula“ produzierte das Hollywood-Studio fünf Filme über den Grafen, angefangen mit „Dracula“ (1931), mit Bela Lugosi in der Hauptrolle, bis „House of Dracula“ von 1945. Eine ebenso beachtliche Reihe an Dracula-Verfilmungen brachte das Unternehmen Hammer Film Productions hervor: Neun Dracula-Filme produzierte das britische Film-Studio von 1958 bis 1974, in acht davon mimte Schauspieler Christopher Lee den Grafen.
Columbia Pictures
Obwohl damit schon sieben Jahrzehnte an Dracula-Adaptionen abgedeckt waren, konnten es sich namhafte Regisseure der kommenden Dekaden nicht verkneifen, ihre eigenen Interpretationen über den Vampir unter den Vampiren zu wagen. Bekannte Filmemacher wie Wes Craven („Vampire in Brooklyn“), Mel Brooks („Dracula – Tot aber glücklich“) und Dario Argento („Dracula 3D“) brachten ihre eigenen Adaptionen heraus, nicht immer mit Erfolg.
Nach Werner Herzogs „Nosferatu – Phantom der Nacht“ von 1979 konnte aber vor allem Francis Ford Coppolas sehr vorlagentreue Verfilmung „Bram Stoker‘s Dracula“ (1992) mit einem unvergesslichen Gary Oldman in der Hauptrolle punkten. Wer „Bram Stoker's Dracula“ noch nicht geschaut hat, dem sei er dringend empfohlen – aktuell kann man ihn gegen eine Leihgebühr bei Amazon Prime Video streamen:
Kein Entkommen – auch nach der Jahrtausendwende
Nach der Jahrtausendwende ging es munter weiter mit Graf Draculas unendlicher Reise durch die Popkultur. Der Grund dafür mag in der mannigfaltigen Deutbarkeit des Vampir-Mythos selbst liegen. Über die Figur des unsterblichen, lebensbedrohlichen Blutsaugers lässt sich nämlich vieles verhandeln, was Gesellschaft und Individuum umtreiben mag: die Angst vor zivilisatorischen Umbrüchen, Auseinandersetzungen mit Glaubensfragen und unterdrückter Sexualität, Kapitalismuskritik ebenso wie die einträgliche Propagierung problematischer Liebes-Ideale, wie es zuletzt „Twilight“ vorgeführt hat.
Universal Studios
Und so reckt auch Graf Dracula in weiteren Looks und unter neuen Blickwinkeln immer wieder sein blasses Gesicht in Filmen und Serien hervor: 2020 spielte Claes Bang in der BBC-Mini-Serie „Dracula“ einen gleichermaßen gewitzten wie grausamen Vampir, der im gegenwärtigen Großbritannien seine Nachfahren aufsucht.
In der Komödie „Renfield“ von 2023 machte Nicolas Cage als Graf und als toxischer Boss seinem Handlanger das Leben zur Hölle, während im selben Jahr der Horrorfilm „Die letzte Fahrt der Demeter“ seine Dracula-Geschichte auf die grausigen Schiffs-Kapitel des Romans konzentrierte. Bildgewaltig legte Regisseur Robert Eggers mit seinem „Nosferatu – Der Untote“, der vergangenes Jahr in die deutschen Kinos kam, nach und bewies, dass der Dracula/Nosferatu-Mythos weiterhin quicklebendig bleibt. Ebenfalls 2025 brachte der rumänische Filmemacher Radu Jude eine äußerst unorthodoxe Version heraus, während es Luc Besson („Léon – Der Profi“) mit „Dracula – Die Auferstehung“ eher klassisch hielt.
Wenn ihr übrigens wissen wollt, von welchem Film mehr Remakes existieren als von jedem anderen, dann legen wir euch auch den folgenden Artikel ans Herz:
Der Film mit den meisten Remakes in der Geschichte des Kinos: 28 (!) neue Versionen wurden gedreht – die deutsche Variante hatte über 5 Millionen Zuschauer!Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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