Vor 56 Jahren kam ein Meisterwerk auf die Leinwand, an dem sich das Gangster-Kino seither messen lassen muss: Die Rede ist natürlich von „Der Pate“! Bis heute fasziniert Francis Ford Coppolas auf dem gleichnamigen Roman von Mario Puzo basierende Mischung aus Unterwelt-Saga und Familien-Epos immer neue Generationen von Kinoliebhabern – und für die FILMSTARTS-Community hat lediglich „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ die Nase um Haaresbreite vorn, wenn es um den besten Film aller Zeiten geht.
Mit „Der Pate II“, der gerade einmal zwei Jahre später seinen Weg in die Kinos fand, gelang Coppola dabei etwas Seltenes: Zwar konnte er kommerziell nicht ganz an den Vorgänger anknüpfen, bei dem es sich um den erfolgreichsten Film des Jahres 1972 gehandelt hatte. Dafür erhielt er nicht minder euphorische Kritiken – und nachdem bereits Teil 1 drei Oscars abräumte (darunter als Bester Film), konnte sich die Fortsetzung sogar über die doppelte Menge an Academy Awards freuen. Neben dem Hauptpreis gingen weitere Goldstatuen an Regisseur Coppola sowie Nebendarsteller Robert De Niro.
Erst im Jahr 1990 wurde die „Der Pate“-Saga zur Trilogie ausgebaut – mit durchwachsenem Erfolg. An den Kinokassen war der erneut mit u.a. Al Pacino und Diane Keaton besetzte Film profitabel, doch sowohl Fans als auch Kritiker*innen reagierten deutlich verhaltener als auf die ersten beiden Teile. Coppola – dessen Karriere zu diesem Zeitpunkt bereits stark angeschlagen war – machte später keinen Hehl daraus, dass er „Der Pate III“ aus rein finanziellen Beweggründen heraus drehte. Und doch stand zwischenzeitlich die Möglichkeit eines vierten Films im Raum!
Das waren die Pläne für "Der Pate 4"
Tatsächlich gab es ausführliche Gespräche zwischen Francis Ford Coppola und Autor Mario Puzo. Unter anderem entschieden die beiden, dass sie einen weiteren „Der Pate“-Film – ähnlich wie Teil 2 – auf zwei verschiedenen Zeitebenen erzählen würden. So wäre „Der Pate 4“ gleichzeitig Sequel und Prequel gewesen.
Wir hätten Vito und Santiano „Sonny“ Corleone in den 1930er-Jahren gesehen, wie sie immer mehr Macht erlangen. Und andererseits Vincent Corleone (Sonnys unehelichen Sohn) an der Spitze des Familiengeschäfts in den 1980er-Jahren – das über die Dauer eines Jahrzehnts nach und nach in den Abgrund steuert. Dieser Niedergang hätte die Corleones schließlich tief in das Drogengeschäft geführt – etwas, das die Familie bis dahin um jeden Preis zu vermeiden versucht hatte.
Leonardo DiCaprio war bereits an Bord!
Die Pläne waren durchaus ehrgeizig: So hoffte man, dass Robert De Niro (der junge Vito Corleone), Al Pacino (Michael Corleone), Andy Garcia (Vincent Mancini) und Talia Shire (Connie Corleone) in ihre angestammten Rollen zurückkehren würden. Zudem wurde niemand Geringeres als Leonardo DiCaprio für die Rolle des jungen Sonny (ursprünglich gespielt von James Caan) verpflichtet.
Garcia erklärte später in einem Interview, dass der „Titanic“-Star damals das perfekte Alter gehabt habe, um Sonny zu spielen – und dass er selbst durchaus bereit wäre, erneut mit Coppola zu arbeiten. „Ich finde es in Ordnung, wenn er nie gemacht wird, aber ich bin bereit, falls es passiert“, so der „Book Club“-Star (via Espinof).
Francis Ford Coppola hätte den Film umsonst gedreht
Das Projekt schwirrte einige Jahre lang durch die Büros von Paramount, doch die Verantwortlichen des Studios waren nie wirklich überzeugt davon. Nach dem Tod von Mario Puzo im Jahr 1999 verlor zudem auch Coppola das Interesse. Im Jahr 2012 erklärte er: „Mario wusste, dass er krank war und wollte seinen Kindern etwas Geld hinterlassen. Also sagte ich zu Paramount: ‚Gebt Mario eine Million Dollar, damit er das Drehbuch schreibt, und ich arbeite gratis mit ihm.‘ Damals war Paramount sehr auf niedrige Budgets fokussiert und lehnte ab.“
Ein Teil der Ideen, die für „Der Pate 4“ vorgesehen waren, wurde schließlich in einem Buch verwendet: „The Family Corleone*“, das 2021 von Ed Falco mit Zustimmung von Puzos Familie veröffentlicht wurde. Im Zuge dessen kam erneut die Möglichkeit eines vierten Teils der Saga zur Sprache, was zu einem Rechtsstreit zwischen Paramount und den Erben Puzos führte. Kurz darauf wurde eine außergerichtliche Einigung erzielt. Das Studio behält weiterhin die Möglichkeit, weitere Filme über das Corleone-Franchise zu drehen – doch derzeit scheint es keine konkreten Pläne dafür zu geben.
Wusstet ihr übrigens, dass Francis Ford Coppola ursprünglich absolut keine Lust darauf hatte, die Regie von „Der Pate“ zu übernehmen? Die ganze Geschichte lest ihr im nachfolgenden Artikel:
"Billiger Kram": Hollywood-Legende lehnte die Regie ihres größten Meisterwerks zunächst ab – und verhinderte so fast einen der größten Filme aller Zeiten!Ein ähnlicher Artikel ist bereits auf unserer spanischen Schwesternseite Espinof.com erschienen.
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