Diese 3 Hollywood-Größen lehnten ihren Oscar ab: "Beleidigend, barbarisch und von Natur aus korrupt"
Dobrila Kontic
Dobrila Kontic
-Freie Autorin
Zu Dobrilas Lieblingsfilmen gehört Düster-Melancholisches ("Donnie Darko") bis Dystopisches ("Children Of Men"), aber schwarzhumorigen Komödien und Satiren kann sie auch viel abgewinnen.

Man könnte meinen, dass jeder in Hollywood von einem Oscar träumt – dennoch hatten drei Gewinner keinerlei Interesse daran, die begehrte goldene Statue entgegenzunehmen. Hier sind ihre Geschichten.

Academy of Motion Picture Arts and Sciences

Er kann Karrieren starten, retten und revitalisieren: In der Film-Branche verspricht man sich wohl von keiner Auszeichnung so viel wie vom Academy Award, auch einfach Oscar genannt. Kein Wunder, schließlich gilt der Oscar als bekanntester Filmpreis, der weit über Hollywood hinausstrahlt, den Marktwert von Schauspielern und Regisseuren drastisch erhöhen sowie die Finanzierung von weiteren Filmvorhaben sichern kann.

Doch trotz dieses globalen Renommees gab es in der fast 100-jährigen Geschichte der Oscars Preisträger, die ihre Academy Awards nicht annehmen wollten – aus unterschiedlichsten Gründen…

Wallace Ford and Victor McLaglen in Hulton Archive/Getty Images
Wallace Ford and Victor McLaglen in "Der Verräter"

Ein Gewerkschaftsstreit eskaliert

Den Anfang machte Drehbuchautor Dudley Nichols 1936, als er bei der Oscar-Verleihung die Auszeichnung „Bestes adaptiertes Drehbuch“ für sein Skript zum Film „Der Verräter“ entgegennehmen sollte – aber einfach nicht auftauchte.

Stattdessen, so berichtete es die New York Times, erhielt die den Oscar vergebende „Academy of Motion Picture Arts and Sciences Tage“ später einen Brief, in dem sich Nichols erklärte: „Als einer der Gründer der Screen Writer's Guild, die aus Protest gegen die Akademie und aus Enttäuschung über deren Vorgehen gegenüber angestellten Talenten in Notfällen ins Leben gerufen wurde, bedauere ich zutiefst, dass ich die Auszeichnung nicht annehmen kann.“

Tatsächlich wurde der Anstoß zur Gründung der Academy 1929 ursprünglich von Louis B. Mayer, dem Boss des Studios Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), gegeben, um die Gewerkschaften und ihren Einsatz für Arbeitnehmerrechte in der Filmbranche zu schwächen. Dem stellten sich unter anderem die in der Screen Writer's Guild organisierten Drehbuchautoren entgegen.

Nichols' Protest hielt aber nicht allzu lang: 1938 nahm er den Oscar fürs „Beste adaptierte Drehbuch“ zu „Der Verräter“ schließlich nachträglich an. Heute ist Dudley Nichols dennoch eher für einen anderen Film bekannt: Er schrieb das Skript zur Screwball-Komödie „Leoparden küsst man nicht“ – diesen Klassiker könnt ihr aktuell bei Amazon Prime Video nachholen:

"Beleidigend, barbarisch und von Natur aus korrupt"

Schauspieler George C. Scott war kein Unbekannter, als er bei den Oscars 1971 endlich mit einer Auszeichnung bedacht werden sollte. Schon für seine Nebenrollen in „Anatomie eines Mordes“ (1959) und „Haie der Großstadt“ (1962) war er Jahre zuvor nominiert worden und hatte zudem mit seiner Darbietung als Buck Turgidson in Stanley Kubricks „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ für Furore gesorgt. Schließlich war es aber seine Hauptrolle als US-General George S. Patton im Film „Patton“, der der Academy einen Oscar wert war.

Nominierung wider willen: George C. Scott in 20th Century Fox
Nominierung wider willen: George C. Scott in "Patton"

Doch nachdem Goldie Hawn auf der Bühne vor Freude glucksend Scotts Namen ausrief, kam nicht etwa der Schauspieler selbst die Treppe hochgeschossen, sondern Frank McCarthy, der Produzent von „Patton“. Überrascht dürfte die Academy nicht gewesen sein: Tage zuvor hatte Scott schon via Telegramm mitgeteilt, dass er gar nicht nominiert werden will und den Preis ablehnen würde. Der Presse gegenüber bezeichnete er die Oscar-Zeremonie laut Los Angeles Times später als „zweistündige Fleischparade“ und die Preisvergabe als „beleidigend, barbarisch und von Natur aus korrupt“.

Ein politisch motivierter Boykott

Am bekanntesten dürfte unter den drei hier beschriebenen Oscar-Zurückweisungen schließlich die jüngste gewesen sein: 1973 war Marlon Brando, damals schon eine Schauspiel-Ikone, für seine Darbietung als Vito Corleone in Francis Ford Coppolas „Der Pate“ als bester Schauspieler nominiert.

Nachdem er als Gewinner verkündet wurde, erklomm aber die in traditionellem Gewand gekleidete indigene Aktivistin und Schauspielerin Sacheen Littlefeather die Bühne und fasste Brandos Begründung für die Ablehnung zusammen: Sie fuße auf der „gegenwärtigen Behandlung der amerikanischen Ureinwohner durch die Filmindustrie, in TV- und Filmwiederholungen“ sowie auf den „jüngsten Ereignissen in Wounded Knee“. Hier könnt ihr dieses Stück Oscar-Historie anschauen:

Tatsächlich wurde der in South Dakota befindliche Ort Wounded Knee, 1890 schon Schauplatz eines an Sioux-Angehörigen begangenen Massakers durch ein US-Regiment, zum Zeitpunkt der Oscar-Verleihung 1973 von bewaffneten Mitgliedern des American Indian Movement (AIM) besetzt. Ihr Ziel war es, den als korrupt geltenden Stammesvorsitzenden Dick Wilson abzusetzen. Doch Verhandlungsversuche scheiterten und bald wurden die AIM-Anhänger von einem großen Aufgebot an FBI-Agenten und Nationalgarde belagert und am 8. Mai 1973 zur Kapitulation gezwungen.

Welchen Schauspieler Marlon Brando übrigens aus tiefstem Herzen verabscheute, erfahrt ihr hier:

Marlon Brando hasste diesen berühmten Hollywood-Kollegen: "Er ist der Inbegriff von allem, was an Schauspielern widerlich ist"

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