Das Angebot an Filmen im Streaming-Äther ist immens, da bildet natürlich auch Netflix keine Ausnahme. Doch wenn wir ganz ehrlich sind, ist die Benutzeroberfläche nicht immer das Gelbe vom Ei. So werden einem häufig zahlreiche Perlen vorenthalten, die sich auf dem Startbildschirm gar nicht erst finden lassen. Dabei gibt es so viel mehr sehenswerte Optionen, die eben nicht in den aktuellen Netflix-Charts auftauchen und deshalb leider schnell in Vergessenheit geraten sind.
Wenn auch ihr gerne mal wieder über den Tellerrand schauen wollt, solltet ihr dringend weiterlesen. Wir haben nämlich für euch drei wunderbare Filme herausgesucht, die fast unbemerkt im Netflix-Programm herumgeistern und am anstehenden Wochenende gestreamt werden können. Euch erwartet düstere Science Fiction, bitterböser Humor und völlig abgefahrener Wahnsinn.
"In The Shadow Of The Moon" (2019)
Die Veröffentlichung von „In The Shadow Of The Moon“ auf Netflix liegt mittlerweile über sechs Jahre zurück und wohl nur die wenigsten werden sich an diesen Film erinnern oder überhaupt mitbekommen haben, dass es ihn gibt. Das hat das Werk von Regisseur Jim Mickle („Sweet Tooth“) aber keinesfalls verdient. Schließlich handelt es sich hierbei um einen äußerst stimmungsvollen Mix aus Zeitreise-Thriller, Noir-Krimi und Familiendrama.
Wir begleiten darin den ambitionierten Cop Thomas Lockhart (Boyd Holbrook), der im Jahr 1988 in einer mysteriösen Mordserie ermittelt. Die vielen Opfer weisen allesamt drei Einstichlöcher im Genick auf und bluten aus allen Öffnungen ihres Kopfes. Als er eines Tages die Hauptverdächtige verfolgt und dabei Zeuge wird, wie diese auf der Flucht stirbt, scheint der Fall gelöst zu sein. Doch neun Jahre später beginnen die Morde erneut, für die Lockhart bald keine rationalen Erklärungen mehr hat. Er verbeißt sich in den Fall und kommt einem unglaublichen Vorhaben auf die Spur.
Mickle fand für die Zeitreise-Thematik von „In The Shadow Of The Moon“ einen interessanten Dreh, ohne die Science-Fiction-Elemente seines Films zu verkopft anzugehen. Doch selbst wenn man erst einmal herausgefunden hat, wie der Hase läuft, lässt die Faszination des Netflix-Thrillers nicht nach. Das ist nicht nur dem stark aufspielenden Hauptdarsteller Boyd Holbrook („Sandman“), sondern auch der dichten Atmosphäre und der emotional packenden wie nachdenklich stimmenden Story des Streifens zu verdanken.
"I Care A Lot" (2021)
Mit „I Care A Lot“ verhält es sich ähnlich wie mit „In The Shadow Of The Moon“, denn auch dieser Film bekam nicht die verdiente Aufmerksamkeit, als er 2021 im Netflix-Programm landete. Tonal bewegt sich die schwarzhumorige Thriller-Satire allerdings auf völlig anderem Terrain, haben wir es hier doch mit einem turbulent-zynischen Vergnügen zu tun, das aber nicht weniger fesselt.
Regisseur und Drehbuchautor J Blakeson („Spurlos - Die Entführung der Alice Creed“) erzählt darin die Geschichte der skrupellosen Geschäftsfrau Marla Grayson (großartig: Rosamund Pike), die als Betreuerin für reiche Senior*innen arbeitet und diese ohne deren Wissen gnadenlos finanziell ausbeutet. Dabei nimmt sie auf nichts und niemanden Rücksicht, bis sie durch ihre kriminellen Aktivitäten in den Fokus des russischen Mafiabosses Roman Lunyov (Peter Dinklage) gerät.
Wie dieses Aufeinandertreffen zweier durch und durch bösartiger Menschen eskaliert, ist nur eine von vielen Entwicklungen, die „I Care A Lot“ so grenzenlos unterhaltsam machen. Es ist wirklich erstaunlich, wie genüsslich Blakeson sein garstig-gesellschaftskritisches Werk konstant mit eiskalten Figuren durchsetzt, deren moralischer Kompass längst komplett abhandengekommen ist. Das ist extrem spannend, tut bewusst auch mal weh und ist darüber hinaus so schwungvoll wie pointiert inszeniert.
"Fear And Loathing In Las Vegas" (1998)
„Fear And Loathing In Las Vegas“ ist natürlich keine vergessene Netflix-Perle, sondern ein absoluter Kult-Klassiker, der sich aber ebenfalls aktuell im Portfolio des Streaming-Giganten versteckt. Vermutlich kann nicht jede*r etwas mit Terry Gilliams kongenialer Adaption von Hunter S. Thompsons gleichnamigem Schlüsselroman anfangen. Die mit Johnny Depp und Benicio del Toro in den Hauptrollen exquisit besetzte Verfilmung folgt nämlich nicht unbedingt einer stringenten Handlung, sondern ist vielmehr ein rauschhafter Trip voller Skurilitäten und psychedelischem Exzess.
Gilliam gelingt es auf spektakuläre Weise, den ausufernden Drogenkonsum der beiden Protagonisten visuell und narrativ widerzuspiegeln. Das Ergebnis ist oftmals zum Schreien komisch, aber unter der knallbunten und chaotischen Oberfläche auch ausgesprochen tiefgründig und voller Melancholie. Denn im Kern geht es um das Leid der Love-&-Peace-Generation, deren einstiger American Dream gnadenlos geplatzt ist, und die Zuflucht in betäubenden und bewusstseinsverändernden Substanzen jeglicher Couleur sucht.
Diesen selbstzerstörerischen Fiebertraum unterlegt Gilliam mit einem Soundtrack zum Niederknien, verpackt ihn in unvergessliche Bilder und bringt gefühlt in jeder Szene einen anderen Star-Cameo unter. Doch allein wie sich Depp und del Toro trotz ihrer Reibereien am Set furchtlos in ihre jeweiligen Rollen werfen, muss man gesehen haben. „Fear And Loathing In Las Vegas“ ist ein schräges und halluzinogenes Meisterwerk, das in seiner eigenwilligen Kompromisslosigkeit seinesgleichen sucht.
Und falls ihr wissen wollt, welche Neuheiten euch im Februar auf Netflix erwarten, schaut am besten noch in unsere große Monatsübersicht rein:
Neu auf Netflix im Februar 2026: Ein Action-Meisterwerk mit Tom Cruise, eine Sci-Fi-Saga mit über 200 Folgen & noch viel mehr