"Es kotzt mich an, das sagen zu müssen": Aus diesem Grund spielte "Spider-Man: No Way Home" keine (!) 2 Milliarden Dollar ein
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Einer der mächtigsten Hollywood-Bosse hat jetzt aus dem Nähkästchen geplaudert und dabei verraten, wie sehr es ihn wurmt, dass „Spider-Man: No Way Home“ keine zwei Milliarden Dollar eingespielt hat – und was der Grund dafür ist.

Ausgesprochen ausführlich hat sich Tom Rothman, Boss des Filmstudios Sony und damit eine der einflussreichsten Personen Hollywoods, jetzt mit den Journalisten Matt Belloni und Lucas Shaw unterhalten. Das live vor Student*innen am American Film Institute geführte Gespräch wurde aufgeteilt auf zwei Folgen in Bellonis Podcast The Town veröffentlicht und deckt sehr viele Themen ab. Es ist unbedingt hörenswert, wenn ihr euch ein wenig für die Filmindustrie und das aktuelle Treiben dort interessiert.

Besonders hohe Wellen schlägt aber eine Aussage von Rothman zu „Spider-Man: No Way Home“. Als er über den weltweit erfolgreichsten Film in der Geschichte von Sony spricht, schmerzt es ihn richtig, dass er das Einspiel mit 1,9 Milliarden Dollar benennen muss und die magische Marke von 2 Milliarden Dollar verfehlt wurde. „Es kotzt mich an, das sagen zu müssen“, wird er dabei mehr als deutlich. In seinem Kopf sehe er das dritte Spidey-Abenteuer, welches Tom Holland, Andrew Garfield und Tobey Maguire vereint, trotzdem als 2-Milliarden-Erfolg an. Doch was ist der Grund, dass er es auf dem Papier nicht ist? Auch dazu gibt Rothman bereitwillig Auskunft...

Freiheitsstatue oder 2 Milliarden Dollar?

Laut Rothman hätte man die zwei Milliarden Dollar garantiert erreicht, wenn der Film in China gelaufen wäre. Doch dort durfte er nicht in den Kinos gezeigt werden. Rothman zufolge haben die chinesischen Zensoren verlangt, dass alle Szenen mit der Freiheitsstatue aus dem Film geschnitten werden. Wer „Spider-Man: No Way Home“ gesehen hat, weiß nur zu gut, dass dies unmöglich ist. Schließlich ist das komplette Finale ein Kampf auf dem berühmten New Yorker Wahrzeichen.

Doch etwas spaßig fügt Rothman an, dass der wahre Grund sei, dass er keine Lust auf eine Anhörung vor dem US-Kongress hatte, um sich rechtfertigen zu müssen, warum er die Freiheitsstatue auf Verlangen der kommunistischen Partei Chinas aus einem Film gestrichen hat.

Wie viel Geld „No Way Home“ in China bei einem Start eingespielt hätte, wissen wir nicht. Vorgänger „Spider-Man: Far From Home“ nahm dort aber rund 200 Millionen Dollar ein. Der Nachfolger lief weltweit deutlich erfolgreicher, sodass man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass er mindestens auch diesen Betrag, wenn nicht noch mehr erzielt hätte. Damit hätte „Spider-Man: No Way Home“ nicht nur die magische Grenze von zwei Milliarden Dollar übertroffen (was bislang nur sieben Filmen in der Geschichte gelang), sondern auch ein anderes Werk aus dem MCU.

Mit China hätte "No Way Home" auch "Infinity War" übertroffen

„Spider-Man: No Way Home“ wäre nämlich mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit auch der zweiterfolgreichste Marvel-Film geworden. Hinter „Avengers: Endgame“ mit Einnahmen von knapp 2,8 Milliarden Dollar hat nämlich „Avengers: Infinity War“ diesen Titel inne. Der dritte „Avengers“-Film spielte mit 2,05 Milliarden Dollar rund 130 Millionen Dollar mehr ein als der dritte „Spider-Man“-Film mit Tom Holland. Knapp 360 Millionen Dollar der Einnahmen von „Infinity War“ kamen aus China, im Rest der Welt war „No Way Home“ also erfolgreicher.

Sony ging übrigens eigentlich davon aus, dass „No Way Home“ in China starten darf. Das Unternehmen begann damals sogar bereits die Marketing-Kampagne im Reich der Mitte, bevor man von den Änderungswünschen der Zensur-Behörden informiert und überrascht wurde. Solche Kämpfe zwischen Hollywood-Filmen und der chinesischen Zensur sind ein ständiges Thema, was in der Vergangenheit schon öfter für Schlagzeilen und Änderungen gesorgt hat.

Spider-Man: No Way Home
Spider-Man: No Way Home
Starttermin 15. Dezember 2021 | 2 Std. 28 Min.
Von Jon Watts
Mit Tom Holland, Zendaya, Benedict Cumberbatch
User-Wertung
4,3
Filmstarts
4,5

Oft führt es auch einfach dazu, dass vorher schon auf Elemente verzichtet wird, die kritisch sein können. Mit dem Wissen im Hinterkopf wird man zum Beispiel bei Sony in Zukunft besonders vorsichtig sein, wenn es darum geht, direkt die Freiheitsstatue zu zeigen. Auf Nachfrage bestätigte Rothman auch im Gespräch mit Belloni und Shaw, dass es keine Szenen mit dieser im kommenden Marvel-Film „Spider-Man: Brand New Day“ (Start: 30. Juli 2026) geben wird.

Allerdings sollte man dem Studio deswegen jetzt keine Selbstzensur oder ein Einknicken vorwerfen (da gibt es genug andere Beispiele, bei denen man das aus gutem Grund machen kann). Schließlich dürfte es ohnehin nicht der Plan gewesen sein, den finalen Schauplatz des Vorgängers erneut prominent zu nutzen. Gerade der Neuanfang „Brand New Day“ mit einem veränderten Peter Parker und auch einem anderen Filmemacher am Ruder (Destin Daniel Cretton folgt auf Jon Watts) dürfte auf frische Orte setzen.

Mehr zu dem neuen Peter Parker in „Brand New Day“ gibt es im folgenden Artikel:

Offizielle Inhaltsangabe von "Spider-Man 4: Brand New Day" enthüllt Handlung ohne (!) Peter Parker – das steckt dahinter

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