Für unsere Initiative „Deutsches Kino ist (doch) geil!“ wählen wir jeden Monat einen deutschen Film, der uns ganz besonders gut gefallen, inspiriert oder fasziniert hat, um den Kinostart – unabhängig von seiner Größe – redaktionell wie einen Blockbuster zu begleiten. In diesem Monat haben wir uns für „Tod meiner Jugend“ (Kinostart: 28. Mai) von Timo Jacobs entschieden.
Basierend auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman, in dem Kai Peter seine wahre Geschichte erzählt – und dabei zugleich den Missbrauch in seiner Kindheit und Jugend nachvollzieht, aber auch davon berichtet, wie er Jahrzehnte später mit genau diesen verdrängten Traumata umzugehen lernt. Wir waren jedenfalls schwer begeistert (mehr dazu in unserer 4-Sterne-FILMSTARTS-Kritik).
Timo Jacobs hat dabei die Jobs als Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion übernommen. Aber auch sonst ist er wahnsinnig umtriebig – als Schauspieler für Regisseure wie Spike Lee („Buffalo Soldier“) oder Oliver Assayas („Carlos“) ebenso wie als Mastermind seiner eigenen Filme (zuletzt: „Hochstapler und Ponys“). Nach dem Vorbild von Quentin Tarantino, der eine Liste mit den 25 besten Filmen seit Beginn seiner eigenen Regiekarriere erstellt hat, haben wir deshalb auch Timo Jacobs gebeten, eine Top 10 der letzten 20 Jahre zu erstellen.
Aber weil wir hier bei „Deutsches Kino ist [doch] geil!“ sind, sollte er sich bitte auf deutsche Filme beschränken – und weil Timo Jacobs als Indie-Filmemacher natürlich weiß, wie wichtig Selbstvermarktung ist, hat er es sich auch nicht nehmen lassen, einige seiner eigenen Werke mit in der Liste unterzubringen. Gut so!
Platz 10: „Oh Boy“ (2012) von Jan-Ole Gerster
Dazu Timo Jacobs: Die Leichtigkeit der Geschichte überzeugt. Ein schöner, einfacher Film.
Platz 9: „Axolotl Overkill“ (2017) von Helene Hegemann
Dazu Timo Jacobs: Ich mag den trotzigen Blick einer aufmüpfigen Generation, die sich selbst dabei auf die Schippe nimmt.
Platz 8: „Mann im Spagat - Pace Cowboy, Pace“ (2016) von Timo Jacobs
Dazu Timo Jacobs: Ein Film, der seinen ganz eigenen Ton hat und sich nicht absichert. Dadaismus in Kombination mit einem Sozialdrama.
Platz 7: „Seneca“ (2023) von Robert Schwentke
Dazu Timo Jacobs: Ein toller Film mit Lilith Stangenberg und John Malkovich in Hochform. Bleibt hängen und macht Spaß.
Platz 6: „Die Unerzogenen“ (2007) von Pia Marais
Dazu Timo Jacobs: Mich reizt, dass der Film sich jeder klaren Form entzieht. Die Darsteller wirken eher beobachtet, als dass sie spielen. So soll ein Film sein, fast so wie bei Roland Klick
Platz 5: „Hochstapler und Ponys“ (2024) von Timo Jacobs
Dazu Timo Jacobs: Ein Film zwischen Größenwahn und Einsamkeit. Ich mag, dass er nie versucht, sich zu erklären.
Platz 4: „Sonne und Beton“ (2023) von David Wnendt
Dazu Timo Jacobs: Eine tolle Kamera, und die Darsteller*innen sind echt. Ein selten gutes Sozialdrama im Pop-Art-Stil; ungewöhnlich einfach und gut erzählt für einen deutschen Film.
Platz 3: „Victoria“ (2015) von Sebastian Schipper
Dazu Timo Jacobs: Mich reizt das Risiko, das man permanent spürt, und wie die Nacht eskaliert. Hat tolle Zwischentöne.
Platz 2: „Klappe Cowboy!“ (2012) von Timo Jacobs
Dazu Timo Jacobs: Ich mag, dass der Film nichts beweisen will, sondern leicht ist. Alles wirkt unmittelbar, und die elliptische Erzählweise ist voller Irritation. Was passiert als Nächstes?
Platz 1: „Systemsprenger“ (2019) von Nora Fingscheidt
Dazu Timo Jacobs: Stark, wie die Kamera mit Helena Zengel atmet. Das ist so direkt und unkontrollierbar, dass man nicht ausweichen kann.
Webedia
Zum Schluss kann ich euch nur empfehlen, unbedingt in die neueste Folge von unserem FILMSTARTS-Podcast Leinwandliebe hineinzuhören. Timo Jacobs ist halt ein echter Typ – und hat so nicht nur Tipps zum Dreh mit Zwergponys parat, sondern spricht auch offen darüber, wie hoch der Druck ist, eine derart persönliche Geschichte wie „Tod meiner Jugend“ – nicht nur fürs Publikum, sondern auch für den realen Kai Peter – zu verfilmen:
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